Havelberg l Voll ausgestattet, steht das Gebäude mit seinen Außenanlagen nach wie vor für 400 000 Euro zum Verkauf.  „Ich hätte Ihnen gerne eine bessere Nachricht überbracht“, sagt Insolvenzverwalter Nico Kämpfert aus Magdeburg. Auch er würde es sehr schade finden, wenn sich kein Interessent für die Immobilie findet und das fortführt, was das ELCH überregional so bekannt und beliebt gemacht hat. Nämlich als hervorragende Unterkunft für Kinder- und Jugendreisen mit vielfältigen attraktiven Angeboten für diese Altersgruppen, aber auch für Familien und für Tagungen zum Beispiel.

Corona-Krise zeigt Wirkung

Ein Hauptgrund dafür, dass sich bislang kein Käufer gefunden habe, sei aus seiner Sicht die Corona-Krise, so Nico Kämpfert. „Wer möchte schon ein Haus erwerben, in dem aufgrund der Epidemie auf lange Sicht keine Gäste ein- und ausgehen, und schon gar keine Kinder- und Jugendgruppen. Das verursacht nur weitere hohe Kosten.“

Viel Herzblut investiert

„Ich vermisse die Kinderstimmen und den Trubel, der in jedem Jahr über viele Monate zu diesem Haus gehörte“, zeigt sich Edwin Weidenbach von der Schließung des ELCH zum 31. Dezember 2019 immer noch sehr betroffen. Die insolvente Paritätische Integral GmbH mit Sitz in Wolmirstedt hatte allen Mitarbeitern der Havelberger Einrichtung zum 31. März dieses Jahres gekündigt. „Da hängt so viel Herzblut von mir dran“, erzählt der 72-jährige Edwin Weidenbach, der seit gut 16 Jahren ganz eng mit dem Haus verbunden ist. Zum 1. August 2004 war er hier als Betreuer und Hausmeister eingestellt worden. „Als das Mitarbeiter-Team noch komplett war, war ich in diesem der Dienstälteste.“

Befristeter Arbeitsvertrag

Trotz Entlassung zum 31. März ist Edwin Weidenbach „bei der Stange“ geblieben. Mit einem befristeten Arbeitsvertrag als Haustechniker. Damit ist er nun alleiniger Herr des großen Hauses, das er wie kein anderer kennt. Sein Chef sitzt in Wolmirstedt. „Einer muss sich ja um die Einrichtung kümmern und täglich nach dem Rechten sehen.“ Und das hat der Rentner Edwin Weidenbach schon immer gerne gemacht und dabei nie auf die Uhr geschaut. „Ich hänge halt an dem Haus. Es darf auf gar keinen Fall den Bach runter gehen. Mein größter Wunsch ist, dass hier so schnell wie möglich wieder Leben einzieht. Denn das fehlt mir jetzt wirklich sehr.“

Radler fragen nach einer Übernachtung

Nicht selten wird er auch von auswärtigen Radlern, oftmals ganzen Familien, die auf dem Hof des ELCH vorfahren, gefragt, ob sie in der Einrichtung übernachten könnten. „Dann muss ich ihnen leider mitteilen, dass das nicht mehr möglich ist, und sie auf andere Übernachtungsmöglichkeiten in Pensionen in Havelberg verweisen.“

Jeden Tag Kontrollgang durchs Haus

Zu den Aufgaben des 72-Jährigen gehört es jetzt unter anderem, für Ordnung und Sauberkeit in den Außenanlagen zu sorgen, wozu das Rasenmähen gehört, und täglich einen Kontrollgang durchs Gebäude zu machen. Um zum Beispiel alle Wasserleitungen und anderes zu überprüfen. Zum Glück war noch nichts kaputt. Aber auch wenn so etwas vorkommt, würde der ehemalige Hausmeister damit fertig werden.

Macht aus alten Fahrrädern neue

Außerdem liebt es Edwin Weidenbach, sich im Keller des Erlebnispädagogischen Centrums zu beschäftigen. Mit Kajaks und Canadiern, die hier lagern und vor allem mit Fahrrädern. Denn diese zählen zu seinen Hobbys. Ausgediente alte in schlechtem Zustand auf den Schrott zu bringen, ist überhaupt nicht sein Ding. Fleißig arbeitet er die Räder wieder so auf, dass sie wie neu aussehen. „Das ist für die nächsten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen hier im ELCH“, hofft er auf eine gute Zukunft des Hauses.