Warnau l „Mein Vater Harald interessiert sich für die Ortsgeschichte und auch mein verstorbener Opa Fritz hatte wichtige Eckdaten aus der Warnauer Geschichte notiert“, berichtet Thomas Henningsen. Die Aufzeichnungen endeten im Jahr 1933, als die Faschisten an die Macht kamen. Das Interesse war geweckt, der Enkel wollte wissen, was danach in Warnau geschah.

Ein weiterer Beweggrund war für den jetzt 29-Jährigen die einschneidende Flutkatastrophe im Sommer 2013, damals begann er, alles Wichtige im Ort zu notieren. Dabei ist Thomas Henningsen gar kein „waschechter“ Warnauer, er war erst 2002 von Rathenow mit der Familie dorthin gezogen. Jetzt wohnt er mit seinen Eltern, der Partnerin Sabrina und dem kleinen Sohn in jenem Fachwerkhaus mit dem Vierseithof, welches die Familie Henningsen bereits seit sieben Generationen bewohnt.

Wissen darf nicht verloren gehen

„Wichtig ist mir, dass das Wissen der Älteren nicht verloren geht“, lautet das Motiv des geschichtsinteressierten Warnauers. Vieles hatte er auch von Lotti Haueiß aus dem sächsischen Plauen erfahren, einer ehemaligen Warnauerin, die inzwischen verstorben ist. Sie hat ihm einen handgeschriebenen Brief hinterlassen – „diese persönliche Botschaft besitzt man für immer“.

Auf 13 Seiten schilderte ihm Siegfried Liedke seine Schulzeit in Warnau, zuvor hatte er schon über seine abenteuerliche Flucht in der Kriegszeit aus Ostpreußen berichtet. Allerhand erfuhr er auch von Gerda Schwarz, der derzeit ältesten Warnauerin. Befragt wurden zudem Linda Kuhlen und Brigitte und Alwin Ritter, viel Hilfe erhielt er von Hanna Leu, welche ihm Kontakte zu ehemaligen Warnauern vermittelte.

Alles wird gesammelt

Gesammmelt wird erst einmal jedes alte Foto und jede Aufzeichnung, dann wird gefiltert. Sonst wird es zuviel. Im Gespräch mit den Älteren werden die Namen der Fotografierten notiert – soweit erinnerlich. Aktuell sammelt der Warnauer Informationen über die Kriegszeit in Warnau. Dazu suchte er zuletzt Elisabeth und Dieter Dähne auf. Vielleicht kann noch jemand etwas dazu beisteuern?

„Früher war mehr los in Warnau, unter anderem gab den Schifferball in Rebohles Gasthaus“ sagt der Chronist und zeigt ein Foto, was vor 1900 entstanden war. Darauf zu sehen ist auch Wilhelm Stein, dessen Tochter Jenny ihm das alte Bild überließ. Ansonsten werden die Bilder gescannt und die Originale dem Besitzer zurückgegeben.

Thomas Henningsen geht seinem Hobby aber nicht im stillen Kämmerlein nach, sondern lässt auch die Warnauer daran teilhaben. Im Gemeindehaus hängen große Kopien mit alten Ortsansichten in Rahmen an den Wänden, in der „Fischerstube“ hatte er auf Anregung von Wirtin Sabine Schulze mit den älteren Warnauern ihre alten Fotos und Dokumente gesichtet.

Gedruckte Chronik geplant

Irgendwann will der Warnauer sein gesammeltes Wissen in gedruckter Form herausgeben, im Vergleich mit dem heutigen Aussehen. „Mein Wissen soll schließlich für jeden zugänglich sein“, so seine Motivation. Zudem soll später eine gedruckte Chronik mit Texten und Fotos entstehen, die jetzige ist in etlichen Ordnern verteilt.

Erst vor wenigen Tagen bekam er Post aus Magdeburg. Margret Gebhardt, in Warnau unter ihrem Mädchennamen Seemann bekannt, berichtete über ihren Vater, welcher im Haveldorf als Schneidermeister tätig war.

Ein echter Heimatfreund

Für Thomas Henningsen als echten Heimatfreund ist es selbstverständlich, auch in der Feuerwehr mitzuarbeiten. Als er nach Warnau zog, wurde er Mitglied der Jugendwehr, seit kurzem ist er Gerätewart. Als das Gerätehaus von den Aktiven teils in Eigenregie renoviert wurde, sorgte er mit dafür, dass die Wände mit alten Bildern und Gerätschaften dekoriert wurden. „Ein attraktives Gerätehaus ist wichtig für die Werbung von weiteren Mitgliedern“, findet der Heilerziehungspfleger, der bei den brandenburgischen „Rathenower Werkstätten“ behinderte Menschen betreut. Auch organisierte er Sachspenden wie Jacken für die Wehr, denn ein einheitliches Auftreten sei wichtig für die Außenwirkung. Vielleicht stößt so der eine oder andere Warnauer noch hinzu. „Dieses Ehrenamt ist mir sehr wichtig, auch die kleinen Ortswehren müssen erhalten bleiben“, lautet seine Überzeugung

Dass sich ihm in Warnau so viele Türen öffnen, ist vielleicht auch seinen Vorfahren Fritz und Jes Henningsen – ein Cousin trägt wieder den letztgenannten Vornamen – zu verdanken: Die Männer waren hoch angesehen. „Der auch sonst stets hilfsbereite Bauer Henningsen“ – Uropa Jes – fuhr nach beendeter vierwöchiger Erntehilfe elf Arbeitsdienstler mit seinem Wagen zum Bahnhof nach Wulkau, wurde im Jahr 1937 berichtet. Und sein Vater rettete als Elfjähriger einem anderen Jungen unter Lebensgefahr aus dem Hochwasser führenden und eiskalten Vorfluter. Auf solche Vorfahren ist Thomas Henningsen stolz. Ohne sein Interesse an der Ortsgeschichte hätte er das wohl nie erfahren.