Sandau l Das erste zarte Grün sprießt auf dem neuen Elbdeich auf Höhe Wulkau, wo sich das südliche Ende der Deichrückverlegung Sandau-Süd befindet. Der Wall führt von hier schnurgerade in Richtung Sandau, was man von dem noch in Betrieb befindlichen Altdeich nicht behaupten kann. Dieser schlängelt sich in vielen Windungen neben der Elbe entlang – was nicht nur bei Hochwasser den Abfluss hemmt sondern vor allem des nachts auch die Verteidigung erschwert.

Dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) als Bauherren war aber auch ein anderer Punkt wichtig: Ist der Altdeich 4,4 Kilometer lang, wird der neue Wall einen ganzen Kilometer kürzer. Man braucht weniger unterhalten – und im Ernstfall auch weniger kontrollieren und verteidigen.

Neuer Wall ist bis zu 60 Zentimeter höher

Die Kubatur des neuen Deiches ist inzwischen fertiggestellt, informierte LHW-Flussbereichsleiter Marco Schirmer aus Genthin. Auch die Wege sind abgeschottert, im kommenden Jahr wird der Asphalt aufgetragen. Zwölf Hektar einstige Landwirtschaftsflächen waren für den Neudeich nötig, weshalb ein Flurbereinigungsverfahren nötig wurde.

Der neue Wall ist im Schnitt zwischen 50 bis 60 Zentimeter höher als der alte Deich, nach der Flut 2013 war das Bemessungshochwasser neu berechnet worden – dieses gibt die Deichöhen vor. Entsprechend werden die Wälle dann auch breiter. Auch hier wurde landseitig eine Berme angebaut, welche später noch gepflastert wird. Damit kann der Deich im Verteidigungsfall auch noch erreicht werden, wenn landseitig das Wasser durchdrückt.

16 Millonen Euro fürs Projekt

Etwa 16 Millionen Euro wurden für das Hochwasserschutz-Projekt, wozu es im Jahr 2006 erste Überlegungen gab, veranschlagt. Finanziert wird das Projekt aus dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm.

Im kommenden Jahr werden noch Deichkrone und Berme befestigt, Poller aufgestellt, die Banektte sind noch fertigzustellen und auch die Beschilderung. Dann kann der Wall in Betrieb gehen. Ab September beginnt dann die Schlitzung des Altdeiches – und zwar an all jenen Stellen, die quer zur Fließrichtung der Elbe stehen. Abschnitte in Fließrichtung bleiben als Wildrettungshügel stehen. Das abgetragene Material wird wiederverwandt – und zwar für Deichsanierungen im Havelberger Bereich und bei Vehlgast. Der neue Sandauer „Süddeich“ war schließlich auch zum Teil mit Material aus der Deichschlitzung im Nordbereich errichtet worden.

Als Ausgleich für den Natrurschutz werden die Entnahmestellen fürs Material zu Kleingewässern mit Flachwasserbereichen umfunktioniert sowie Hecken und ein Hartholzauenwald angepflanzt. Zudem erhält die Elbe durch diese Deichrückverlegung 124 Hektar zusätzliche Überflutungsfläche, wodurch der Wasserspiegel bei künftigen Extremfluten in diesem Bereich um bis zu 21 Zentimeter abgesenkt wird.

Die Rückverlegung ist für den Schutz der Sandauer wichtig, bei den Extremen in 2002 und 2013 gab es diverse Probleme mit Sickerstellen. Unter anderem an der Bewässerung sowie auf Höhe Wulkau, wo es sogar zu Böschungsabrutschungen gekommen war.