Havelberg l 20 Millionen Euro sollen bis zum Jahr 2020 in die Deichsanierung in und um Havelberg investiert sein. An der Elbe umfassen die Deiche im Bereich der Hansestadt von der Grenze zu Sandau bis zur Ländergrenze nach Brandenburg eine Länge von 11,35 Kilometer. Sechseinhalb Kilometer davon sind bereits DIN-gerecht saniert. Auf anderthalb Kilometern sind die Arbeiten im Gange, für 3,4 Kilometer laufen die Planungen, berichtete Marco Schirmer, kommissarischer Leiter des Flussbereiches Genthin im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), auf der Sitzung des Umweltausschusses in Havelberg.

DIN-gerecht heißt, dass die Deiche dann eine Höhe von rund fünf Metern haben und über ein Freibord von einem Meter gegenüber dem Elbhochwasser von 2013 verfügen. Zudem erhalten sie in der Regel eine landseitige Berme mit einem drei Meter breiten Deichverteidigungsweg und einer asphaltierten Krone mit einer Breite von 2,50 Metern. Damit ist künftig gegeben, dass die Deiche an jedem Abschnitt erreichbar sind. Das war 2013 noch nicht überall der Fall.

Deichüberfahrt mit Scharte

Eine Besonderheit gibt es im Bereich der Deichüberfahrt zur Fähre Räbel im Mühlenholz. Ein sonst üblicher Deichschutzstreifen von zehn Metern kann hier nicht eingehalten werden. Mit dem Eremit ist dort ein streng geschützter Käfer in den alten Bäumen zu Hause, weshalb dort nicht einfach die Säge angesetzt werden darf. „Gemeinsam mit der Umweltbehörde haben wir aber einen Kompromiss gefunden“, berichtete Marco Schirmer.

Konkret sieht es an den Elbdeichen so aus: Von Kilometer 81,2 bis 81,9 erfolgt die Sanierung im Rahmen der Deichrückverlegung Sandau Nord. Für den Abschnitt von Kilometer 81,9 bis 82,5 wird die Planung vorgenommen, die Arbeiten sind für 2020 vorgesehen. Der Abschnitt wurde bereits 2004 saniert, hier sind nur noch Fehlhöhen auszugleichen.

Für den Abschnitt von Kilometer 82,5 bis 84,0 steht die Genehmigungsplanung kurz vor dem Abschluss. Von August 2018 bis Mai 2020 sollen die Bauarbeiten auf diesem relativ langen Abschnitt erfolgen. Die Holzung der Bäume ist dieser Tage erfolgt. Als nächstes sind die Kampfmittelberäumer an der Reihe. Erfahrungsgemäß muss an der Elbe mit erheblichen Sprengstofffunden aus dem Zweiten Weltkrieg gerechnet werden, weshalb die Experten generell zum Einsatz kommen, um Baufreiheit zu schaffen. Und auch die Archäologen werden dort arbeiten. Geplant ist dies ab Juni.

Abgestimmt ist mit dem Landesbaubetrieb die Sanierung der Fährstraße vom Deich bis zur Fährauffahrt im Mühlenholz. Diese soll nach dem Pferdemarkt 2018 bis Dezember erfolgen. Dann ist diese Fähre gesperrt. Der Bau der Deichüberfahrt soll erst nach dem Pferdemarkt 2019 beginnen. Weil die Überfahrt nicht so hoch gezogen werden kann wie der Deich – für die Rampen müssten zu viele Bäume gefällt werden –, wird dort eine 65 Zentimeter hohe Deichscharte entstehen. Diese wird im Ernstfall durch ein Dammbalkensystem aus Aluminium verschlossen – es ist das gleiche System wie es auf der Stadtinsel zur Anwendung kommt. Beidseitig des Deiches werden Betonwiderlager eingebaut, in die die vier Meter breiten Segmente verankert werden.

Transporte über Wehrgruppe

Materialtransporte während der Zeit des Marktes soll es nicht geben. Auch die Deichsanierung mit Straßenbau im Bereich der Fähre Sandau ist abgestimmt, informierte der amtierende Flussbereichsleiter. Es werden nie beide Fähren gleichzeitig gesperrt.

Wie der Anschluss des neuen Kronenweges an die Berme im Bereich des Schleusendeiches vonstatten gehen soll, wird noch mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt abgestimmt.

Der Bereich Kilometer 84,0 bis 87,0 von der Schleuse bis zur Fahrradschutzhütte ist bereits fertig saniert. Hier fand im September 2017 die Bauabnahme statt. Für den daran anschließenden Abschnitt bis Kilometer 88,4 bis zur Kolonie Neuwerben ist die Entwurfsplanung abgeschlossen, berichtete LHW-Mitarbeiter Tobias Koch. Der Schutzwall hat keinen DIN-gerechten Deichaufbau und Fehlhöhen von bis zu 74 Zentimetern. Die Archäologen sollen im 4. Quartal dieses Jahres ihre Arbeit beginnen. In dem Zeitraum soll auch die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen, die mit rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt sind. Deich- und Wegebau sind von Juni 2019 bis August 2020 geplant, wobei der Erdbau 2019 abgeschlossen werden soll. Landschafts- und Spurbahnbau sollen 2020 stattfinden. Ein Bermenweg ist havelseitig vorhanden. Auf dem Deich entsteht eine zweieinhalb Meter breite Asphaltdecke.

Vier Millionen Euro sind für den Deichkilometer 88,4 bis 89,9 im Bereich Nitzow geplant, der von der Kolonie Neuwerben bis zum Spülfeld kurz vor dem Wehr Neuwerben reicht. Hier gibt es Fehlhöhen von bis zu 90 Zentimetern. Diese Baustelle wird auch durch den Havelstau beeinflusst, erklärte Tobias Koch. Pappeln und Robinien sind schon gefällt, Eichen sollen erst im Oktober 2018 abgeholzt werden. Im Bereich der Kolonie soll die Deichkrone unbefestigt bleiben, weil der vorhandene Asphaltweg bestehen bleibt. Die Berme wird für den Verkehr freigegeben, die Deichkrone wird gesperrt.

Schutz im Polderbereich

Für die nördlich von Havelberg geplanten Deichsanierungen sollen die notwendigen Schwerlasttransporte über die Wehrgruppe Neuwerben vorgenommen werden, so dass die Wege von der Schleuse bis Neuwerben nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen werden. Am Wehr Neuwerben selbst soll die umfangreiche Sanierung noch bis 2020 andauern. Die Kosten liegen hier bei rund 22 Millionen Euro. Für alle Bauarbeiten und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgesehen.

Zum Hochwasserschutz in den Poldergebieten berichtete Tobias Koch, dass für den Polderdeich Damerow/Vehlgast Gelder aus dem Programm Eler fließen sollen. Der Schutzwall dient der Sicherung von Wohngebäuden, wenn bei extremen Hochwassersituationen die Polder geflutet werden, um den Hochwasserscheitel der Elbe zu kappen. Kommen die Gelder wie geplant, soll von Juli bis November 2018 gebaut werden. Mit der Entscheidung rechnet der LHW im Frühjahr. Baumfällarbeiten sind bereits erfolgt, die Archäologie ist für Sommer geplant. Als Ausgleichsmaßnahmen sind zwei Kleingewässer vorgesehen, ein dauerhaftes und ein temporäres.

Für die Sanierung des rechten Havelhauptdeiches Vehlgast ist die Genehmigungsplanung abgeschlossen. Mit der Plangenehmigung wird im dritten Quartal gerechnet. 350 000 Euro sind vorgesehen, die Bauzeit ist für Juli bis Dezember 2019 geplant. Auch hier geht es darum, im Flutungsfall des Havelschlauches Wohngebäude zu schützen.