Sandau l Bei dem dichten Nebel ist es schwer, von weitem die Konturen der Arbeitsmaschinen auf dem Deich zu erkennen. Ein Straßenfertiger der Osterburger Firma Ostbau trägt auf Höhe der Sandauer Tankstelle Asphalt auf die landseitige Berme auf, welche den Deich bis Wulkau begleitet. Auf dieser gelangt man im Notfall an alle Stellen des Walles, auch wenn das Hinterland schon durchnässt ist. Sogar 40-Tonner können darauf fahren – falls Sand transportiert werden muss.

Die Berme wurde drei Metern breit mit Betonsteinpflaster befestigt, die Krone erhält eine zweieinhalb Meter breite Asphaltschicht. Denn diese muss von den Fahrzeugen des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) zur Deichunterhaltung befahren werden, zugleich wird der Wall aber auch Teil des Elberadweges.

Asphalt wird in Schichten aufgetragen

Die Asphaltierung – das aus Lüderitz angelieferte heiße Gemisch wird in zwei Schichten aufgetragen – soll am Dienstag beendet sein – so denn die Wetterlage dies zulässt. Es darf nicht zu kalt sein und es darf nicht zu stark regnen.

Danach werden die Bankette hergerichtet und der Rasen angesät, informierte die LHW-Projektverantwortliche Kristina Rotter. Zuletzt werden die Lagerplätze beräumt. Noch dieses Jahr werden sowohl die Deichsanierung in der Ortslage Sandau als auch die Rückverlegung im Süden beendet. Mit der Rückverlegung betraut wurde die Firma Eggers aus Wittenberge, welche auch in der Ortslage tätig ist.

Die puren Zahlen der zweiten Rückverlegung bei Sandau sind beeindruckend: Der neue Deich, der sich fast schnurgerade durch die Feldmark zieht, ist 3443 Meter lang. Mit dem beiderseitigen fünf Meter breiten Schutzstreifen ist der neue Wall im Schnitt 40 Meter breit, die Breite ist von der Höhe abhängig, welche hier zwischen vier und fünf Meter beträgt.

Material stammt vom Altdeich

Weil dafür eine Menge Erdreich benötigt wird – insgesamt 293 600 Kubikmeter, kam es dem LHW sehr gelegen, das Erdreich vom Altdeich im Nordbereich zu nutzen, welcher an fünf Stellen geschlitzt wurde. Ein Teil des Erdreichs wurde zudem aus zwei Bodengewinnungsstellen entnommen.

Im kommenden Sommer ist die Schlitzung des 4,4 Kilometer langen Altdeiches geplant, wovon nur noch 1200 Meter stehen bleiben. Dann erhält die Elbe hier eine zusätzliche Überflutungsfläche von 120 Hektar – doppelt so viel wie im Nordbereich. Zugleich wird ein „Flaschenhals“ für den Abfluss des Hochwassers entschärft, so dass allein hier der Wasserspiegel um sechs, sieben Zentimeter abgesenkt werden kann.

Das etwa 16,6 Millionen Euro teure Projekt ist Bestandteil des Nationalen Hochwasserschutzprogrammes und wird vom Bund bezahlt. Als Ausgleich für den Naturschutz wurden Kleingewässer als Biotope angelegt, Gräben entschlammt und es wird noch Anpflanzungen geben.