Vehlgast l Bei den Polderflutungen in den Jahren 2002 und 2013 war ein Gehöft am Rande von Vehlgast immer wieder überflutet worden – der Haveldeich endete an diesem. Die Bewohner können bei künftigen Polderflutungen ganz entspannt bleiben, denn der neu zu errichtende Wall wird um ihr Gehöft herumgeführt.

Dort, wo sich der Altdeich befand, klafft nun eine breite Lücke, hier soll künftig der Deichverteidigungsweg entlangführen. Der neue, 330 Meter lange Wall wurde in Richtung Havel verschwenkt, er endet an einer ebenfalls neu errichteten und noch grauen Stützmauer aus Betonwinkelelementen vorm Gehöft. Die Mauer wiederum soll das etwa 2000 Quadratmeter hohe Gartengelände stützen, was derzeit von einem Bagger aufgeschüttet wird. Hier wurde der alte Mutterboden abgetragen, gesiebt und jetzt auf die neu aufgeschüttete Erde wieder aufgetragen. Bis zu 1,8 Meter wurde das Gelände angehöht.

Eigentümer wollten keinen Deich

Nötig wurde dies, da die Eigentümer der Flächen keine Böschung oder gar einen Deich auf ihrem Gelände haben wollten, erklärte der Projektverwortliche vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz Tobias Koch. Deshalb musste, um das Dorf zu schützen, das gesamte Areal erhöht und durch die Mauer gesichert werden.

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Aufgeschüttet wurde das Gelände mit dem Material vom Altdeich. Der Baggerführer kann die neue Erdschicht bis auf den Höhenzentimeter genau auftragen. Möglich macht dies das GPS-System, über welchem er mit Satelliten verbunden ist. Die GPS-Antenne ist hinter dem Auspuff des Baggers zu sehen, ein Display zeigt ihm die Daten an.

Zuvor hatten Archäologen die Deichbautrasse untersucht, aber nichts gefunden. Munitionsberger brauchten nicht anzurücken, es gibt hier keine belasteten Flächen.

Stützmauer ist derzeit teils noch grau

Die Stützmauer ist derzeit zum großen Teil noch grau, wird aber jetzt in der Farbe Schilfgrün gestrichen – das wollte der Denkmalschutz so. Die Stützmauer endet am hohen Gelände. Was bedeutet, dass nunmehr ganz Vehlgast hochwassersicher ist. Unter Wasser würden bei künftigen Polderflutungen oder extremen Havelhochwassern lediglich noch einige Gärten stehen.

„Dieser neu entstehende und etwa 1,8 Meter hohe Haveldeich ist ein Einzonendeich“, erläutert Tobias Koch. Soll heißen, er besteht nur aus einem Material. Der Wall schützt vor Hochwasser bis zu einer Höhe von 26,9 Meter über Normalnull. Geflutet werden die Havelpolder bis zu einer Höhe von 26,4 Meter. Der Freibord beträgt an den Haveldeichen nur einen halben Meter – beim Elbdeich ist es ein ganzer Meter. Zudem sind die Havelhauptdeiche ohne Dichtung, denn sie sind ja auch weitaus niedriger als an der Elbe. Deshalb fehlt hier auch der befestigte Deichkronenweg, der drei Meter breite Streifen wird begrünt. Der künftige Verteidigungsweg befindet sich auf der Landseite, er wird teils geschottert, teils gepflastert.

Material kommt von der Elbe

Mit den Arbeiten beauftragt wurde vom LHW per Ausschreibung die Firma Con-Trans aus Tangerhütte, eine bereits erfahrene Deichbaufirma. Gerade herrscht auf der Baustelle ein reger Verkehr, Brummis bringen das Material für den neuen Deich. Geholt wird es von der Deichbaustelle nahe Neuermark-Lübars. Pro Tag sind dies etwa 1000 Tonnen. Insgesamt werden 7500 Kubikmeter Deichkernmaterial nach Vehlgast geliefert.

Die reinen Baukosten belaufen sich auf etwa 590.000 Euro, insgesamt kostet die Maßnahme dem LHW rund 700.000 Euro. Als Ausgleich für den Naturschutz werden 15 Weiden in der angrenzenden Baumreihe gepflanzt und ein verlandetes Temporärgewässer ganz in der Nähe wieder hergestellt.

Baustart war im September gewesen, die Übergabe ist Mitte Dezember geplant. Die Deichbauer müssen sich sputen, denn langsam wird die Havel angestaut. Dann drängt das Wasser auch auf die Baustelle. Doch spielt derzeit das Wetter gut mit.

Ab der kommenden Hochwassersaison wird Vehlgast dann gewappnet sein.