Quitzöbel l Der Brückenbau war Voraussetzung für die jetzt folgende Investition: Die Tragfähigkeit wurde durch den Ersatzneubau von 7,5 auf 30 Tonnen erhöht, so dass nun schwere Baufahrzeuge oder Kräne auf der Brücke fahren können. Die Firma Ostbau aus Osterburg, welche damals das Bauwerk errichtete, hat erneut die Ausschreibung für den Massivbau gewonnen – in dieser Woche fand die Bauanlaufberatung statt.

„Dieses Wehr hatte massive Standsicherheitsprobleme, weshalb der Landesbetrieb für Hochwasserschutz sich für die umfangreiche Sanierung entschied“, begründete der Projektverantwortliche André Pasemann vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz die Investition. Denn 21 Millionen Euro wird die komplette Sanierung – inklusive Brückenbau – kosten. Abschnitt 1 war der Brückenbau, jetzt folgen die Abschnitte 2 und 3 – also Massivbau und Stahlwasserbau. Für diese beiden Etappen sind allein etwa elf Millionen Euro veranschlagt. Im letzten Abschnitt wird dann noch die Elektronik und Steuerung auf Vordermann gebracht.

Arbeiten starten im April

Die Arbeiten werden im April beginnen, zuerst wird die Baustelle mit Spundwänden trockengelegt. Als Bauzeitraum sind zwei Jahre veranschlagt, die Zufahrt zur Kolonie Neuwerben ist bis auf wenige Tage gewährleistet. Der hier ebenfalls entlangführende Elberadweg bleibt allerdings weiterhin gesperrt – auch, weil bei Neuwerben der Deich saniert wird. Die Umleitung führt über Havelberg und Nitzow.

Die vier Türme des Wehres erhalten neue Dächer, vorhandene Risse werden saniert und die Fassade erhält frische Farbe. Die Farbgebung wurde vom Denkmalschutz vorgegeben – denn die Wehrgruppe ist ein technisches Denkmal.

Zu Baubeginn kommen dann auch die Stahlwasserbauer, um in der dann trocken gelegten Baugrube genau Maß zu nehmen: Die drei Schütztafeln, welche hier die Havelniederung gegen die Elbe abriegeln, werden in Karstädt nach Maß gefertigt – der im Herbst kommenden Jahres geplante Einbau muss wegen des Hochwasserschutzes innerhalb von sieben Tagen erfolgen. Da muss dann alles passen.

Havariekonzept für ein mögliches Ho

Für den Fall der Fälle gibt es für die Baustelle natürlich auch ein Havariekonzept. Erschwerend kommt hinzu, dass das benachbarte Wehr, das Altarmwehr, schon seit einigen Jahren außer Betrieb ist – es sollte eigentlich bereits fertig saniert sein. Doch gab es auch hier unter anderem Probleme bei der Ausschreibung.

Ein anderes Problem beim Brückenbau war der Naturschutz gewesen: Schwalben hatten ihre Nester gebaut, so dass der Baustart erst mit einigen Wochen Verspätung erfolgen konnte. Nun hängen Netze unter den Turmdächern, zudem stehen in der Nähe zwei „Schwalbenhäuser“ als Alternative für die Vögel.

Während die jetzigen drei Schütztafeln vor Ort zusammengenietet wurden – damals warfen sich die Stahlbauer die glühenden Nieten mit Zangen zu – erfolgt die Fertigung nunmehr an zwei Orten. In Karstädt erfolgt die Vormontage – dazu werden sogar Schablonen von den Turmwangen erstellt. Danach geht alles nach Brandenburg, wo die Endmontage erfolgt. In der Havelstadt werden die Tafeln dann nämlich auf Schuten verladen, welche alles auf dem Wasserweg zur Wehrgruppe transportieren. Denn die große Schütztafel ist 24 Meter lang und acht Meter hoch, die zwei kleineren sind zwölf Meter lang. Sie wiegen um die 60, die große Schütztafel etwa 120 Tonnen.

Wegen des neuen Bemessungshochwassers sind die Tafeln 70 Zentimeter höher als ihre Vorgänger. Eingehoben werden sie von einem Schwimmkran, was voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres erfolgen wird. Das wird sicher ein Spektakel!

Bevor es soweit ist, wird im unteren Teil des Wehres, dem sogenannten Tosbecken, die Sohle stabilisiert. Der Beton wird in zwei Lagen eingebracht, denn er wird knapp einen Meter stark. Schließlich wirken hier bei der Flutung enorme Kräfte.