Warnau l Gefeiert wird die diamantene Hochzeit im großen Familienkreis aber erst am 8. Juni. Beide Eheleute haben ihre Heimat in der Region. Gisela Ritter (81 Jahre) ist gebürtige Schollenerin, Ehemann Alwin wohnt noch heute in seinem Geburtshaus in Warnau – seit mittlerweile 82 Jahren. Die meiste Zeit ihres Arbeitslebens verbrachten sie in der Landwirtschaft, zuletzt, ab dem Jahr 1982, waren sie gemeinsam für einen Sauenstall verantwortlich.

Lange Fahrt mit Mähdreschern

Alwin Ritter hatte zuvor im Stützpunkt Warnau der Maschinen- und Traktoren-Station Warnau eine Beschäftigung vor allem im technischen Bereich: als Binderfahrer, als Traktorist und Fahrer von Großgeräten. „Einmal überführten wir Mähdrescher von Weimar nach Havelberg. Mit 13 Stundenkilometern ging es die Straßen entlang. „Wir haben zwei Tage und zwei Nächte gebraucht“, erinnert er sich.

Zuletzt mit dem Truck unterwegs

„Nach der Wende, als hier mit der Arbeit alles den Bach runter ging, habe ich dann noch in Schleswig-Holstein als Truckerfahrer angefangen.“ Das sei für ihn keine so schlechte Erfahrung gewesen, „denn ich habe zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt Großstädte gesehen. Ich kannte bis dahin nicht einmal Berlin.“

Ein Belarus steht noch in der Garage

Noch heute ist übrigens ein Traktor vom Typ Belarus MTS 50 vom Baujahr 1976 sein ganzer Stolz. Um den kümmert er sich mindestens so gut wie um seine liebe Gisela. Äußerst gepflegt steht das Fahrzeug in der Garage. Und Alwin Ritter ist mit dem Gefährt auch noch öfter unterwegs.

Vollwaise mit sechs Jahren

Er habe eine schwere Kindheit hinter sich, berichtet der Jubilar. Alwin war schon im Alter von sechs Jahren Vollwaise und wuchs dann bei seiner Oma auf. „Als ich 18 war, ist auch sie noch verstorben...“

Vater blieb im Krieg

Seiner heutigen Ehefrau erging es nicht viel anders. Der Vater kam aus dem Krieg nicht zurück, sie musste mit mehreren Geschwistern bei der Mutter groß werden.

Tägliche Pflege für den Opa

Die Nachkriegszeit stellte beide vor eine weitere schwere Probe. Der Großvater von Alwin Ritter war im Krieg so schwer verletzt worden, dass er eine tägliche Pflege benötigte. Ein harter Schicksalsschlag! „Pflegeheime gab es zu der Zeit noch nicht“, sagt Alwin Ritter. „Aber bei uns war er in guten Händen. Er lebte bis zum Mai 1979 und ist stolze 96 Jahre alt geworden.“

Hochzeitstag war ein Arbeitstag

Kennengelernt haben sich die beiden Hochzeitsjubilare übrigens bei einem Tanzvergnügen in Mahlitz. „Da haben wir gemerkt, dass wir zusammenpassen“, schmunzelt Alwin Ritter. Am 6. Juni 1959 wurde geheiratet – in der Warnauer Bürgermeisterei bei der Standesbeamtin Anneliese Güssow. Allerdings erst nachmittags um halb fünf, denn Alwin Ritter musste an dem Tag noch arbeiten. „Ich habe von der MTS in Havelberg den Lohn für die auf dem Warnauer Stützpunkt Beschäftigten abgeholt und diesen dann noch ausgezahlt.“ Dann aber habe man sich die Zeit genommen und drei Tage lang Hochzeit gefeiert.

Mit dem Fußball verheiratet

Einen großen Teil im Eheleben von Gisela und Alwin Ritter hat der Fußballsport eingenommen. Und er tut es auch weiterhin. Mit dem Fußball sind beide praktisch ebenfalls verheiratet. Alwin spielte bis 1959 selbst aktiv in Gülpe, war Schiedsrichter und Fußball-Jugendbetreuer in Warnau: „Als es die Oberschule hier noch gab, gab es auch noch genügend fußballbegeisterte Kinder im Ort und aus der Umgebung.“ Ehefrau Gisela wurde vom Fußballfieber angesteckt.

Zuschauen ist ein Muss

Seit über zehn Jahren ist Alwin Ritter einer der treuesten Anhänger des SSV Havelwinkel Warnau und mehr als stolz darauf, dass es die Fußballer aus dem Haveldorf von der 2. Kreisklasse bis in die Landesliga geschafft haben. „Ich darf einfach kein Heimspiel und wenn es geht, auch kein Training als Zuschauer verpassen. Das ist ein Muss für mich!“, erklärt er. Aus diesem Grund wird es bei der großen diamantenen Hochzeitsfeier am 8. Juni auch eine Besonderheit geben. „Gegen 14.30 Uhr wird die Feier unterbrochen, dann geht es mit allen Gästen erst einmal auf den Fußballplatz“, stellt er mit Nachdruck klar. Der SSV Havelwinkel bestreitet an diesem Tag sein letztes Spiel der Saison. Und das muss natürlich gesehen werden.

Reisen zu Länderspielen

Aber auch Fußballreisen in Familie wurden schon unternommen. Zu Europameisterschafts-Qualifikationsspielen der deutschen Mannschaft nach Litauen und nach Wales.

Mitglied der aktiven Rentnerbrigade

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Alwin Ritter ein aktives Mitglied der Rentnerbrigade des SSV Havelwinkel ist, die sich mit großem Engagement um die Pflege des Fußballplatzes (Mähen, Bewässern und mehr) bemüht. „Nächste Aufgabe ist es, Rasen auf dem Trainingsplatz neu auszusäen.“