Fischbeck l Seit anderthalb Wochen ein schönes Ritual allabendlich um 19 Uhr in Fischbeck: Susanne Northe kommt mit ihrer Familie vom Hof hinaus in den Eichgarten, setzt die Posaune an und spielt „Der Mond ist aufgegangen“. Nachbarn stehen am Gartenzaun oder schauen aus dem Fenster, ein paar Spaziergänger in Entfernung bleiben stehen, hören zu, singen mit. „Ein schöner Tagesabschluss in diesen ungewissen Zeiten“, begründet die Fischbeckerin, warum sie sich an der Aktion beteiligt, zu der die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann vor anderthalb Wochen aufgerufen hat: In einer Zeit von Sorge und Einsamkeit einander Kraft geben und Nächstenliebe zeigen. „Wir wollen an alle denken, denen es nicht gut geht. Und denen danken, die weiterhin im Einsatz sind.“

Vor zehn Jahren hatte Susanne Northe das Posaunespielen bei Kantor Lehmann erlernt, seitdem gehört sie zum Tangermünder Bläserchor, „ich würde es gern besser können“. Doch selbst wenn ein Ton nicht sitzen sollte – den Zuhörern ist das egal, sie sind dankbar für dieses Innehalten und Gedenken. Die Fischbeckerin singt auch im Jerichower Kirchenchor – der wäre am Sonntag bei der Einsegnung der neuen Pfarrerin im Kloster dabei gewesen.