Firma hat den Dachraum des Gotteshauses von giftigem Holzschutzmittel befreit

In der Stadtkirche Sankt Laurentius gibt\'s nun wieder frische Luft zum Durchatmen

Von Andrea Schröder

In der Havelberger Stadtkirche Sankt Laurentius findet zur Bundesgartenschau 2015 eine der beiden Blumenhallenschauen statt. Im Vorfeld sind Sanierungen erforderlich. Dabei sehr wichtig war die Befreiung von den Giften des Holzschutzmittels Hylotox.

Havelberg l "Man kann endlich wieder durchatmen", sagt Prof. Dr. Karsten Westphal, nachdem er die Gerüststufen hoch auf den Kirchturm erklommen hat und im Dachraum steht. Mitarbeiter einer Spezialfirma hatten im Sommer den Dachraum von dem Holzschutzmittel Hylotox befreit. Die Zahlen sprechen für sich: Gut 800 Säcke mit kontaminiertem Staub wurden am Ende entsorgt. 20 Tonnen Liegestaub, Steine, Holz kamen zusammen, davon allein zehn Tonnen aus dem Balgenraum der Orgel, wo sich auch Bierflaschen mit VEB-Etikett anfanden, berichtet Lars Wageringel von der Firma Haack aus Coswig. Wochenlang arbeiteten die Männer bei großer Hitze unter Vollschutz im Dachraum. Mit Staubsaugern wurde jede Ritze und Fuge bearbeitet - und davon gibt es viele im Dachraum. Zum Schluss, bevor das Gerüst wieder abgebaut wurde, brachten die Männer noch 640 laufende Meter Bohlen hoch, um Laufwege zu schaffen.

Braune Stellen im Putz

Das Holzschutzmittel war in den 1980er Jahren zum Einsatz gekommen, um dem Holzwurm den Garaus zu machen. Ein übliches Mittel damals, was jedoch hochgiftige Gase entwickelt, er klärt Architekt und Denkmalpfleger Karsten Westphal aus Brandenburg. Er hatte bereits das Gutachten zur Kirche an gefertigt und begleitet nun die Sanierung.

222000 Euro stehen für den ersten Bauabschnitt zur Verfügung. Ein Drittel der Summe wurde bereits für die Entgiftung verbraucht. Und es kommen noch weitere Kosten hinzu für notwendige Arbeiten, von de nen jedoch später nichts zu se hen sein wird, bedauert Karsten Westphal.

Freigelegt worden ist auch das Seitenschiff vom Kircheneingang aus gesehen rechterhand. Dort war deutlich zu se hen, wie die Hölzer abgetropft sind, das Holzschutzmittel hatte viele braune Stellen im Putz hinterlassen. Die Baustoffe mussten getrennt voneinander rausgenommen und entsorgt werden. Bei den Arbeiten zeigte sich zudem, dass das Gewölbe stärker angegriffen ist als ge wünscht. Karsten Westphal nimmt Holz in die Hand, das zwischen seinen Fingern sofort zerbröselt.

Äußerst interessant ist für den Denkmalpfleger eine Sicherungskonstruktion, die vor 150 Jahren diagonal in den Dachstuhl eingebracht wurde und die Last von den Außenwänden der Kirche nimmt. Ein Großteil der Last wird dadurch auf das Mittelschiff gelegt. Der Fachmann bezeichnet das als ingenieurtechnisches Denkmal.

Verborgener Schatz

Ein großer Schatz liegt zwischen Dachstuhl und Decke im Verborgenen. Die alte Kassettendecke ist mit Porträts gestaltet. Sie wieder für die Kirchenbesucher sichtbar zu machen, ist zur Zeit nicht denkbar. Dafür wäre einiges mehr an Fördergeld erforderlich.

Schon jetzt muss genau ge schaut werden, dass die wichtigsten Arbeiten erledigt werden können. Wiederherstellen des Gewölbes, Fensterreparaturen, Instandsetzen von Bauteilen und die Entwässerung gehören dazu. Letzteres ist ein wichtiges Thema. Das Dach des Nordschiffes benötigt eine ordentliche Regenrinne, um diese Riesenfläche ordentlich entwässern zu können.

Mittelfristig sollte auch eine Lösung für die Sicherung der Südkapelle gefunden werden, deren Statik zu wünschen übrig lässt. Dort wäre der Einbau von Toiletten denkbar.

Um die Bespielbarkeit der Kirche und die Funktionsfähigkeit für die nächsten 20 Jahre zu erreichen, sind 400000 Euro erforderlich, schätzt Karsten Westphal ein. Da ist noch nicht enthalten, dass der Fußboden aufgearbeitet werden müsste und auch die Kirchenbänke. Besser wären 600000 Euro, um das um 1300 erbaute Gotteshaus gut saniert in die Öffentlichkeit zu bringen.