Vor kurzem hatten nach langer Pause wieder Einwohnerversammlungen in Schönfeld, Wulkau und Kamern stattgefunden. Wie lautet Ihr Fazit?

Solche Versammlungen sind nicht verkehrt, man sollte wenigstens alle zwei Jahre dazu einladen. Jetzt bot es sich an, über wichtige anstehende Aufgaben wie die Flutschadensbeseitigungen oder das Integrierte Entwicklungskonzept zu informieren. Die Bürger sollen die Entwicklung ihrer Orte doch auch mitgestalten können. Leider kamen auf den Versammlungen nur relativ wenige Anregungen.

Aber andererseits sind wir ja als Gemeinde wegen der vielen Flutschadensbeseitigungen mit unserer Infrastruktur bereits gut aufgestellt. Bestimmte Wünsche der Bürger können durch uns als Gemeinde auch gar nicht realisiert werden, wie zum Beispiel die Ansiedlung eines Arztes oder eines Nahversorgers. Dabei können wir nur Hilfestellung leisten.

Ich hatte auf den Versammlungen den Eindruck, dass einige Bürger in den Ortsteilen sich von der Gemeinde ungenügend informiert fühlten.

Dazu muss ich sagen, dass zu bestimmten wichtigen regionalen Themen auch Ratssitzungen in den Ortsteilen stattfinden. Außerdem wohnen in fast allen Ortsteilen als Ansprechpartner Ratsmitglieder, welche auch von den dort wohnenden Bürgern gewählt wurden.

Wichtig sind mir als Bürgermeister nicht nur Hinweise auf defekte Lampen, sondern auch Anregungen und Kritiken. Diese können auch per E-Mail an die Gemeinde herangetragen werden, das wäre der kürzeste Weg.

Stichwort Internet. Hat die Gemeindeverwaltung Kamern inzwischen auch einen schnellen Breitbandanschluss? Wie ist der Stand der Erschließung?

Ein Glasfaserkabel liegt auch hier an, doch müssen wir noch warten, bis unser alter Vertrag ausläuft. Die Umstellung wird demnächst erfolgen. In Kamern und Wulkau wurden alle, die das wollten, vom Zweckverband angeschlossen. Das Einblasen der Glasfaserkabel hatte sich am längsten hingezogen, Probleme gab es anfangs auch mit der Technik für die Haushalte. Probleme gibt es aber noch mit den Mehrfamilienhäusern, wo der Einbau der Hardware noch ungeklärt ist. Seit kurzem erschließt auch die Telekom unsere Gemeinde mit ihrer Vectoring-Technik, was bis Jahresmitte abgeschlossen sein soll. Davon profitieren Schönfeld und Rehberg, welche vom Zweckverband nicht angeschlossen wurden.

Seit diesem Jahr erhebt Kamern Steuern auf Zweitwohnungen, wie läuft es dort?

Die Umsetzung der neuen Satzung ist in Arbeit, jetzt müssen erst einmal allerhand Daten erfasst und ausgewertet werden. Das läuft über die Verwaltung der Verbandsgemeinde.

Ein Höhepunkt im Vorjahr war im Mai die Übergabe von Badestelle und Jugendklub.

Beide Objekte wurden sehr gut angenommen, die Resonanz war durchweg positiv. Badegäste reisten aus der gesamten Umgebung an. Der ebenfalls im Rahmen der Flutschadensbeseitigung neu gebaute Jugendklub ist inzwischen auch bis auf das Geländer an der Rampe komplett ausgestattet.

Ein weiteres großes Bauprojekt ist aktuell die energetische Sanierung der Kindertagesstätte. Liegen die Firmen im Zeitplan?

Die Sanierung schreitet so gut voran, dass die Übergabe wahrscheinlich bereits Anfang Juni stattfinden kann.

Auf ein anderes Projekt müssen die Bürger hingegen weiterhin warten: die Sanierung des bei der Flut zerstörten Radweges zwischen Kamern und Wulkau.

Hier ist noch immer nicht alles restlos rechtlich geklärt, Gemeinde und Landesstraßenbaubehörde hatten zu den Zuständigkeiten unterschiedliche Ansichten. So lautete eine Frage: Wer beauftragt dieses Bauvorhaben? Der die Landesstraße begleitende Radweg war in den 1990er Jahren über das Dorferneuerungsprogramm von Kamern und Wulkau errichtet worden. Weil die Flutschadensbeseitigung aber zu 100 Prozent mit Fördermitteln bezahlt wird, muss alles rechtsverbindlich geregelt sein. Es gab schon einige Gespräche, wir sind auf einem guten Weg. Dieses Jahr wollen wir auf jeden Fall noch die Planung erstellen lassen, spätestens 2019 soll dann der Weg saniert werden. In jenem Jahr sollen ohnehin die letzten Flutschäden in Kamern abgearbeitet sein – so lautet jedenfalls unser großes Ziel.

Immer noch ungeklärt ist die Zulassung der Freien Schule in Kamern. Zudem läuft ja jetzt auch die Diskussion über die kommende Schulentwicklungsplanung an.

Eine Freie Schule würde die Attraktivität von Kamern enorm steigern, vor allem aus Berlin und Brandenburg würden junge Familien herziehen. Die Kommune steht hinter dieser Initiative des Vereins „neugierig“. Am 24. März ist dort ein Tag der offenen Tür geplant. Zur ab 2019 geltenden neuen Schulplanung meine ich, dass man in der Verbandsgemeinde über Klietz und Schönhausen als zentrale Schulstandorte nachdenken sollte.

Sie sitzen mit im Verbandsgemeinderat, wo im Zuge der Haushaltsdiskussion wieder die Außenstelle Sandau in Frage gestellt wurde.

Den zentralen Sitz hätte man damals bei der Bildung der Verbandsgemeinde regeln müssen, inzwischen ist Sandau aber zum Anlaufpunkt für die umliegenden Gemeinden geworden und das Rathaus ist ausgelastet. Ob die Schließung der Außenstelle einen finan­ziellen Vorteil bringt, wage ich zu bezweifeln. Denn für einen Umzug müssen in Schönhausen erst die Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Umlagen, welche Kamern in diesem Jahr an Landkreis und Verbandsgemeinde entrichten muss, sind so hoch wie die kompletten Zuweisungen. Ein Abbau der Verschuldung ist also auch 2018 wieder nicht möglich.

Dass die Verbandsgemeinde jetzt so hohe Umlagen von den Mitgliedsgemeinden einfordert, ist ein Resultat der Entscheidungen aus den Vorjahren. In den ersten Jahren wurde verpasst, die Investitionen in Grundschulen, Kindertagesstätten und Feuerwehren über die Investpauschale der Kommunen zu tätigen, weshalb in den letzten Jahren vieles über Kredite finanziert werden musste. Es ist unverständlich, dass die Kommunen in unserer wirtschaftsschwachen Region vom Land finanziell nicht ausreichend ausgestattet werden. Wir können doch nichts dafür, dass die nächste Autobahn eine Stunde entfernt ist.

Der Haushalt für Kamern wurde im Vorjahr ja erst im November beschlossen, viel konnte da nicht mehr passieren. Sieht es dieses Jahr besser aus?

Die erste Lesung ist auf der Ratssitzung Ende April geplant. Unser Haushalt ist – wie schon erwähnt – auch dieses Jahr nicht ausgeglichen.

Zum gemeinsamen Dienstjubiläum mit ihrem Amtsvorgänger Klaus Beck hatten Sie für die Hedemicke gespendet. Wie sieht es aktuell mit diesem Projekt aus?

Dieses Vorhaben steht mit auf der Liste der Leader-Förderung und sollte eigentlich im Vorjahr umgesetzt werden. Vorgesehen ist, eine wetterfeste Kopie der Hedemicke zu erstellen.

Bei den Bürgerversammlungen waren auch Vorschläge für das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) der Verbandsgemeinde gefragt.

Wir hatten vor drei Jahren im Zuge des Leader-Ideenwettbewerbs bereits eine solche Vorhabens-Liste erstellt, welche jetzt ergänzt wurde. Für Schönfeld kam der Umbau des Mehrzweckgebäudes zum Dorfgemeinschaftshaus hinzu, für Kamern die Fassaden- und Dachsanierung des Gemeindesaales. Schön wäre auch, wenn Elbe- und Havel-Radweg über einen Weg zwischen Molkenberg und Hohenkamern verbunden werden könnten. Auch zwischen Wulkau und dem von der Bundesstraße führenden Weg zur Elbe fehlt ein Stück Radweg. Mein Standpunkt zum IEK ist, dass es lediglich als Richtschnur gelten sollte. Jede Kommune muss jederzeit weitere Vorschläge einbringen können, denn niemand weiß heute, was in fünf, sechs Jahren nötig wird. Die Gemeinden müssen vom Land zudem in die Lage versetzt werden, ihre bestehende gute Infrastruktur später auch zu erhalten.

Sie hatten bis zum Vorjahr den Vorsitz der Bürgerinitiative zum Hochwasserschutz inne, welche einige interessante Veranstaltungen zum Thema Katastrophenschutz und zur Sanierung der Hochwasserschutzanlagen organisiert hatte. Wie geht es damit nach deren Auflösung weiter?

Die Mitglieder der BI arbeiten nun im Verein „Lebendiges Elbe-Havel-Land“ mit, welcher am 10. April in Klietz zu einer Info-Veranstaltung einlädt. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz wird dabei zu seinen Planungen in der Region informieren.

Kamern ist nicht nur Anziehungspunkt für Erholungssuchende, hier finden auch viele Aktivitäten statt. Welche sind die Höhepunkte?

Traditionell laden Rehberg und Schönfeld am Vorabend des Maifeiertages zu ihren Dorffesten, am 12. Mai wird der Schönfelder Campingplatz offiziell eingeweiht und am 9. Juni steigt unser Strandfest in Kamern. Die Wulkauer feiern am 16. Juni und am 24. Juni findet der Hedemickenlauf statt. Alle Veranstaltungen können nur dank der Mitarbeit der Vereine und der Feuerwehr stattfinden, dafür ein herzliches Dankeschön. Erwähnenswert ist auch die Premiere der Frauentagsparty am 10. März in Kamern, zu welcher die Hedemietzen einladen. Nachlesen kann man sämtliche Veranstaltungstermine übrigens auch auf unserer Internetseite, welche dank Peter Franke immer auf dem aktuellsten Stand gehalten wird.

Liegt Ihnen noch ein besonderer Wunsch am Herzen?

Ich würde mir wünschen, dass die frisch sanierte Gaststätte auf dem Schönfelder Campingplatz alsbald wieder einen Pächter findet. Das würden nicht nur die Camper sehr begrüßen, sondern sicher auch die Schönfelder – sie hätten eine Anlaufstelle, welche auch außerhalb der Saison nutzbar wäre. Außerdem führt ja auch der Altmark-Radrundkurs seit kurzem hier entlang.