Jederitz l Die einzigartige und gute Idee, die schon lange bestehenden Naturschutzgebiete zu vernetzen, stoße bei vielen Bürgern auf Skepsis, heißt es in dem Schreiben, was die Jäger Joachim Kirchhoff und Engelbert Schmidtke sowie die Jagdgenossenschaft-Vorsitzende Barbara Kuntzsch verfasst hatten. Man müsse deshalb immer die verschiedenen Interessen abwägen.

Die Verfasser stellen die Frage: Was nützen die geschützten Lebensraumtypen, wenn tierische Invasoren wie Waschbär oder Mink diese besetzt haben? Wichtig für den Schutz zum Beispiel der Vogelwelt oder des Niederwildes sei die konsequente Bekämpfung dieser Prädatoren. Dazu müssten Bewirtschaftungspläne erstellt werden. Kritisiert wird zudem, dass der Mink nicht auf der EU-Liste der eingewanderten Arten aufgeführt wird.

Bejagung ist zeitaufwendig

Mit der sehr zeit- und kostenintensiven Bejagung dieser eingewanderten Arten mittels Fallenjagd seien die Jäger überfordert, heißt es weiter. Dies muss als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden, weshalb angeregt wird, ähnlich wie für den Wolf ein Kompetenzzentrum einzurichten.

Das Schreiben wurde auch an die anderen Jagdgenossenschaften im Hegering Elb-Havel-Winkel weitergeleitet, informierte dessen Vorsitzender Uwe Klemm aus Havelberg. Der offene Brief soll zudem an die Umweltministerin übergeben werden, mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg wurde dazu bereits Kontakt aufgenommen, informierte Barbara Kuntzsch.

Mit ihrem Bericht hatte die Jahresversammlung der Jagdgenossenschaft Jederitz begonnen. Sie wies bereits jetzt auf die 2021 anstehende Neuwahl des Vorstandes hin, wo keines der jetzigen drei Mitglieder wieder kandidieren werde – schließlich seien alle schon über 70 Jahre alt. Erste erfolgversprechende Gespräche wurden bereits geführt.

Austritt aus Arge?

Auf den Vorstandssitzungen wurde auch darüber beraten, ob man aus der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften austreten solle, denn Beratungen hatte es im Nordbereich nicht gegeben. Lediglich im brandenburgischen Herzsprung habe es eine Beratung zum Thema Wolf gegeben – attraktiven Jagdrevieren, wie sie die Jagdgenossenschaften zum Verpachten benötigen, sei das Raubtier abträglich.

Wie schon in den Vorjahren übte Barbara Kuntzsch aber auch wieder Kritik: Die Jäger fahren über Äcker und Wiesen, um an die Hochsitze zu gelangen. Schuld sei unter anderem die fehlende Brücke über den Trübengraben, deren Aufbau sich wohl weiter verzögert. Zudem fahre schwere Technik bei der Aufbereitung des Windbruchs Riefen in den Altdeich, welcher aber erhalten bleiben soll. Auch die Überfahrten sind teils zerfahren.

Der Abrundungsvertrag mit der Havelberger Nachbar-Genossenschaft liege inzwischen vor, er wurde auch von der Unteren Jagdbehörde bestätigt. Der Deich habe schon immer als Reviergrenze gegolten, mit dem Vertrag sei dies auch amtlich bestätigt worden.

Zu Wildschäden habe es keine Anzeigen von den Landnutzern gegeben. Unter diese Rubrik würden auch Risse von Haustieren fallen, sollte der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden. Dennoch forderte Barbara Kuntzsch die Aufnahme des Raubtieres in das Jagdrecht.

Brunhilde Schulz informierte über den Kassenbestand und darüber, dass knapp 2500 Euro an Jagdpacht eingenommen wurden. Je Hektar werden in der Gemarkung Jederitz drei Euro fällig. Die Revisoren attestieren ihr eine ordentliche Kassenführung.

Jagdpächter Falko Leue informierte über die Abschusszahlen des Jagdjahres. Im Jahr zuvor hatte man 15 Rehe geplant, allein sechs davon kamen bei Verkehrsunfällen zu Tode (Fallwild). Deshalb entschloss man sich, im Jagdjahr 2017/2018 mit 23 Tieren etwas mehr zu beantragen, erlegt wurden letztendlich 25 Rehe, wovon drei als Fallwild zu Tode kamen. Das Rehwild ist die einzige Art, welche amtlich beplant wird.

Mehr als doppelt so viele Nutrias erlegt

Die Jagd aufs Rotwild wird im Hegering abgestimmt, hiervon wurden vier Tiere erlegt, so viele wie im Plan standen. Leicht zurück gingen die Abschusszahlen beim Schwarzwild, waren es im Jagdjahr zuvor noch 17, sind es nun 13 Tiere. Auf der Strecke blieben ferner 13 Füchse und ein Marderhund, zwei Dachse, ein Marder und zehn Gänse. Vom schwer zu bejagenden Mink wurden drei Exemplare erlegt, mit 45 Nutrias wurden mehr als doppelt so viele wie im Jagdjahr zuvor erlegt. Allein 32 davon hatte Matthias Wilms gefangen, er bekam darum die Prämie für den besten Raubwildschützen. Auch von den 67 getöteten Waschbären hatte er einen ganzen Teil erlegt.

Zum geplanten Natura-2000-Schutzgebiet informierte der Waidmann, dass es schon seit DDR-Zeiten Einschränkungen für die Jagd an der Havel gibt. Deshalb werde sich für die Jäger wohl nicht viel ändern. So sind Drückjagden ab Mai verboten – in dieser Zeit werden diese ohnehin nicht organisiert. Dass der Schilfgürtel nicht betreten werden darf, sei auch nicht so schlimm – das Wild komme früher oder später sowieso aus diesem heraus. Eher betroffen von den Einschränkungen seien die Angler sowie die Landwirte, meinte Falko Leue. Auch, weil durch die zu erwartenden Naturschutz-Auflagen der Preis für die Flächen fallen werde.

Zum Wolf informierte der erfahrene Jäger, dass dieser immer mal wieder durch die Region streife, was er am Verhalten des Wildes merke. Die Rehe seien standorttreu, Rot- und Schwarzwild sei hingegen kaum vorhanden. Er selbst habe vor einigen Wochen an der Bundesstraße nahe Klietz erstmals vier Wölfe gesehen.

In der Diskussion merkte Dieter Härtwig von der Stadtverwaltung Havelberg kritisch an, dass die Schranke an der Brockholzschleuse oftmals umfahren werden – wobei der nahe Deich beschädigt werde. Auch die Überfahrt sei zerfahren – der Weg führt zu einem Hochsitz. Er wies darauf hin, dass dies kein öffentlicher Weg sei – er darf nur von den Nutzern befahren werden.