Jagd

Jäger fordern: Der Wolf muss endlich ins Jagdrecht!

Die Jägerschaft Havelberg hatte zur Versammlung nach Klietz eingeladen – wegen des Lockdowns im Frühjahr etwas später als gewohnt.

Von Ingo Freihorst 18.07.2021, 13:34
Die Jagdhornbläsergruppe mit Ulf Wabbel, René Strawinski und Marko Braunschweig  (von links) eröffnete die Versammlung der Havelberger Jägerschaft im  Klietzer Hotelsaal.
Die Jagdhornbläsergruppe mit Ulf Wabbel, René Strawinski und Marko Braunschweig (von links) eröffnete die Versammlung der Havelberger Jägerschaft im Klietzer Hotelsaal. Foto: Ingo Freihorst

Klietz - Mit dem Signal „Sammeln“ eröffnete die Jagdhornbläsergruppe der Jägerschaft die Versammlung im Klietzer Hotelsaal. Vorsitzender Günter Scheffler – zugleich Kreisjägermeister – erstattete den Bericht über das am 1. April abgelaufene Jagdjahr. Ein Jahr mit vielen Unsicherheiten.

Diese herrschte zum einen wegen der nächtlichen Ausgangssperre – wie sollte man dann zur Jagd können. Das Land reagierte, die Einzeljagd auf Schalenwild blieb erlaubt. Regelungen gab es im Herbst auch zu den Drückjagden, woraufhin viele abgesagt wurden oder im kleineren Kreise stattfanden.

Landesforst lud zu Großjagden ein

Auf Unverständnis bei den Waidmännern stieß das Verhalten des Landesforstes, welcher zu Großjagden mit bis zu 150 Schützen einlud – diese reisten aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Der Erfolg blieb mäßig.

Unmut herrscht unter den Jägern auch zu den amtlichen Regelungen zum Wolf, welcher immer mehr Schäden unter dem Nutzvieh anrichtet. Argumentiert wird von den Wolfsschützern, dass der Wolf den gesicherten Erhaltungszustand noch nicht erreicht habe und deswegen geschützt werden müsse. Das wurde bereits wissenschaftlich widerlegt, erklärte Günter Scheffler. Die Jäger und auch die Landwirte fordern die Aufnahme des Raubtieres in das Jagdrecht.

Gefährlicheres Virus findet derzeit wenig Beachtung

Wegen des Corona-Virus ist ein anderes – weit gefährlicheres – Virus in den Hintergrund gerückt: Jenes, was die Afrikanische Schweinepest verursacht und bei erkrankten Tieren zu fast 100 Prozent tödlich ist.

Es kam von Russland über Polen bis nach Deutschland, und breitet sich derzeit in Brandenburg und Sachsen aus. „Hier haben wir mit Stand vom 9. Juli mehr als 1511 positiv getestete Stücke Schwarzwild“, berichtete Günter Scheffler.

Im Landkreis liegt nach Meinung des Kreisjägermeisters in der Hinsicht einiges im Argen: Denn statt des zuständiges Veterinäramtes hat bei dieser Tierseuche die Straßenbehörde den Hut auf. Inzwischen gab es kürzlich nach langer Pause wieder eine Beratung dazu. Es gibt einen ständigen Arbeitsstab sowie eine Sachverständigengruppe, in der auch Jäger mitarbeiten und die beim Auftreten der Seuche aktiviert wird.

Um erkrankte Tiere zu entdecken, sollen die Jäger auch weiterhin Blutproben erlegter Schweine abgeben. Leider ist die Resonanz nicht so wie erwartet. Das Land zahlt übrigens seit dem 1. Januar Prämien in Höhe von 65 Euro für jedes erlegte Schwein, um die Bestände zu dezimieren. Diese Prämie bekommen allerdings nur Revierinhaber, der muss dazu Vordrucke ausfüllen. Diese müssen bis zum 15. Oktober abgegeben werden.

Jubiläumsfeier fiel der Pandemie zum Opfer

Im Vorjahr sollte eigentlich das 30-jährige Bestehen der Jägerschaft ganz groß bei einem Jägertag in Klietz gefeiert werden. Doch Corona machte die Planungen auch hier zunichte. Wegen der Pandemie sackten auch die Erlöse für das Wildbret in den Keller, unter anderem fielen auch die Gaststätten als ständige Abnehmer weg. Inzwischen haben sich die Preise auf unterem Niveau stabilisiert.

Zurückzuführen sei dies wohl auch auf die Nichterfüllung der Abschusspläne, meinte Günter Scheffler. Ganz krass zeigte sich dies beim Rotwild: 525 Stücken waren geplant, gestreckt wurden letztendlich 347 Tiere (mit Fallwild). Im Jagdjahr zuvor waren es noch 490 gewesen.

Beim Damwild waren 35 Tiere geplant, geschossen wurden 26. Besser war es bei den Rehen, aus den 1140 geplanten Abschüssen wurden am Ende sogar 1150. Zudem wurden 1327 Wildschweine erlegt, im Vorjahr waren es 1369.

Unmut gab es auch über die Art und Weise, wie der neue Landesgeschäftsführer gewählt wurde. Denn laut Satzung ist dazu der erweiterte Vorstand nötig, dem alle 39 Jägerschaftsvorsitzenden angehören. Doch diese erfuhren erst davon, als der Neue sein Amt antrat. Das wird bei der am heutigen Sonnabend in Langenweddingen stattfindenden Landestagung sicher für Diskussionen sorgen.