Fischbeck l Die Retter sahen sich als Sündenböcke, welche mit  für ausufernde Umlagen der Kommunen schuldig sein sollen. „Ich habe schon überlegt, heute zur Versammlung mein Mitgliedsbuch abzugeben“, brachte der stellvertretende Ortswehrleiter Maik Mangelsdorf die Stimmung unter den Aktiven auf den Punkt. Dann könne die Verbandsgemeinde noch mehr sparen.

Grund für den Aufruhr waren Meldungen, wonach Mitglieder des Verbandsrates sowie des Schollener Gemeinderates die Wehren als Mitschuldigen für ausufernde Umlagen an den Pranger stellten. Dabei habe die Verbandsgemeinde Zeit ihres Bestehens noch kein einziges neues Löschfahrzeug gekauft, meinte Maik Mangelsdorf. Entsprechend hoch sei der Investitionsstau.

Keine Ersatzteile für alte Technik

„Kauft man gebrauchte Fahrzeuge, gibt es irgendwann keine Ersatzteile mehr, was auch uns schon passiert ist“, erklärte Wehrleiter André Köppe – er ist als neuer Abschnittsleiter für alle Wehren im Altkreis zuständig. Auf der anderen Seite gäbe es noch alte Einsatzfahrzeuge in den Wehren, welche laut Bedarfsplanung längst hätten ausgesondert sein müssen. Außerplanmäßig hinzu kamen zudem die Kleinbusse, welche die Fördervereine anschafften – auch diese müssen nun von der Verbandsgemeinde unterhalten werden.

Bilder

Dienstherrin und Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold zeigte sich über die Äußerungen der Abgeordneten „irritiert“, haben doch die Verbandsratsmitglieder diese Bedarfsanalyse 2014 selbst mit beschlossen. Der Etatentwurf wurde mit Wehrleitungen und in den Ämtern lange diskutiert, nur das Notwendigste ist darin aufgenommen. Die Analyse werde dieses Jahr fortgeschrieben, man müsse schauen, was möglich ist.

Letzterem stimmte auch Bürgermeister Bodo Ladwig zu. Er schätzt die Arbeit der Wehren hoch, auch sollten keine geschlossen werden. Aber man darf doch angesichts der ausufernden Umlagen fragen, was man sich künftig leisten kann – und was nicht: „Wir Kommunen hier stehen alle vor dem finanziellen Kollaps!“

Um jede Wehr kämpfen

Dass es lohnt, für den Erhalt einer noch so kleinen Ortswehr zu kämpfen, zeigt das Beispiel Kabelitz. Die fünf Aktiven dort wurden als Löschgruppe in Fischbeck eingegliedert und nun hier mit ausgebildet. Probleme bereitet das alte Löschfahrzeug vom Typ LO – es war defekt und keiner wusste, ob es repariert werden kann. Wegen eines passenden Ersatzfahrzeugs muss die Fortschreibung der Risiko-Analyse abgewartet werden, so der Ortswehrleiter. „Wir kämpfen natürlich um diese Feuerwehr, weil die Kameraden es verdient haben, sie waren sehr fleißig“, meinte er. Enttäuscht war er von den restlichen Aktiven, welche der Wehr nach dem Fest zum 90. Gründungstag den Rücken kehrten. Die Bildung einer Löschgruppe hätte schon viel früher erfolgen sollen. Die Unterlagen dort waren in einem katastrophalen Zustand, Prämien für langjährige Mitgliedschaft wurden dadurch nicht ausgezahlt, Beförderungen erfolgten ebenfalls nicht.

Die Ausrüstung wurde verbessert, so dass die Kabelitzer nun vieles selbst erledigen können. Im Ort stehen ein Stromerzeuger und ein Beleuchtungssatz, zudem absolviert Erik Weiß im Frühjahr einen Gruppenführerlehrgang.

Insgesamt 15 Einsätze waren im Vorjahr zu absolvieren, berichtete der Wehrleiter, darunter acht Brände und sechs Hilfeleistungen. Außergewöhnlich war der Einsatz Ende Juli, als der Tangermünder Angelclub um Hilfe bat: Im Kiesloch starben wegen der Hitze massenhaft Fische. Es gab diverse Verkehrsunfälle – darunter einer mit zwei Toten sowie eine Reanimation – auch kam es in dem Dürrejahr zu Feld- und Waldbränden.

Türen standen offen

Zum ersten landesweiten „Tag der Feuerwehr“ standen am 26. Mai auch im Fischbecker Gerätehaus alle Türen und Tore offen. Höhepunkt war eine Modenschau mit Einsatzbekleidung. Dritte und letzte Veranstaltung, bei der die Aktiven mitwirkten, war die Übergabe des sanierten Elbdeiches. Die Kameraden sicherten dabei mit Grill und Feldküche die Versorgung ab. Köche waren Friedhelm Schmidt und Frank Lobitz, die Suppe kam sehr gut an. Für all diese Veranstaltungen wurden insgesamt 348 Stunden Freizeit geopfert, hatte André Köppe ausgerechnet.

Alle 14 Tage ist Dienstabend, am 12. Januar 2018 begann die Ausbildung mit der Arbeitsschutzbelehrung, tags darauf mussten die Atemschutzträger die Teststrecke in der Arneburger Zentrale absolvieren. Natürlich wurden auch wieder neue Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde ausgebildet: Die Grundausbildung war im Frühjahr, die Truppführerschulung folgte im Herbst. Aktive aus dem Ort, aus Wust, Hohengöhren und Klietz unterstützten dabei.

Der von der Verbandsgemeinde finanzierte Brandcontainer stand im Juni vorm Gerätehaus, hier konnten die Atemschutzträger unter realen Bedingungen üben. „Diejenigen, die schon mehrmals dabei waren, werden in ihrem Handeln immer sicherer“, hatte André Köppe festgestellt.

Weiterbildung ist wichtig

Zwei Aktive nahmen am Fahrsicherheitstraining teil, drei absolvierten einen Gefahrgut-Lehrgang, drei wurden Atemschutzräger, vier Sprechfunker, ein Fischbecker war beim Technische-Hilfe-Lehrgang und zwei wurden zum Maschinisten ausgebildet.

Mit dem Training für den Löschangriff wurde zeitig begonnen, als Lohn sprang ein dritter Platz heraus. Damit war das Team auch für den Kreisausscheid in Klietz qualifiziert, wo man einen guten Platz im Mittelfeld erkämpfte.

 Sportlich ging es am 3. August auf dem Bodden bei Damgarten weiter: Hier beteiligten sich die Fischbecker am Badewannenrennen. Der Eigenbau aus Platten und Fässern entstand in wochenlanger Arbeit im Gerätehaus.

Doch war das Sportjahr damit noch nicht beendet: Maik Mangelsdorf, Marcus Köppe, Ringo Bauer und Sven Thiem gingen Mitte August beim Lichterlauf in Tangermünde an den Start. Das Quartett landete unter 64 Mannschaften auf Platz 30. Und das sogar unter erschwerten Bedingungen: Maik Mangelsdorf musste zusätzlich Einlagen zu seinem Junggesellenabschied meistern. Gleiches geschah danach auf dem Sportplatz – mit Aktiven aus dem Ort sowie aus Wust und Hohengöhren.