Wertvolle kulturhistorische Schätze

Die Dorfkirche zu Rossow, zur Stadt Wittstock/Dosse gehörend, beherbergt kulturhistorische Schätze. „Höhepunkt und Glanzstück der Ausstattung ist ein gewaltiger Altaraufsatz, der nach dendrologischen Untersuchungen zwischen 1310 und 1320 entstanden ist.“ Er ist damit 200 Jahre älter als die Kirche. „Mit ziemlicher Sicherheit schmückte das Retabel bis zur Reformation den Hauptaltar des Havelberger Domes“, heißt es im Vorwort zum Buch „Der Havelberger Altar und die Wandmalereien in der Dorfkirche zu Rossow“ (herausgegeben im Lukas Verlag von Wolf-Dietrich Meyer-Rath), das Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg dafür verfasst hat.

Der Altar wurde demnach von der Familie von Rohr, die als Patronatsherren von Rossow als Domherren in Havelberg wirkten, in das Dorf in der Ost­prignitz gebracht.

Dargestellt ist im Zentrum die Marienkrönung. Darunter ist eine Kreuzigungsgruppe zu sehen. Rechts und links der Mittelfelder sind die zwölf Apostel aufgereiht. Sie tragen Spruchbänder in den Händen mit ihren Namen und Auszügen des Glaubensbekenntnisses.

Wertvoll ist die Ausstattung der Rossower Kirche auch wegen ihrer spätmittelalterlichen Wandmalereien im gesamten Kirchenraum. So ist etwa an der Nordwand die Passionsgeschichte zu sehen. „Der gesamte Innenraum ist mit großflächigen Wandmalereien wie ein riesiges Bilderbuch gestaltet“, heißt es in dem Buch.

Havelberg l Es war so schön gedacht: Am Palmsonntag trifft sich die Kirchengemeinde mit vermutlich etlichen Gäste im Havelberger Dom, um das Abbild des „Rossower Altars“ zu eröffnen. 850 Jahre Domweihe sollen in diesem Jahr würdig begangen werden. Die Kirche hatte die Einweihung der Altarnachbildung als Start für die Festveranstaltungen vorgesehen. Doch die Corona-Krise macht einen dicken Strich durch diesen Plan, hat auch schon dafür gesorgt, dass die Aufführung der Johannes-Passion vor einer Woche zur Eröffnung der Dommusiken 2020 ausfallen musste. Der ursprüngliche Marienaltar des 1170 geweihten Domes steht nun als Nachbildung vor dem barocken Hochaltar und kann zunächst nur auf Fotos gezeigt werden.

Altaraufsatz stand bis 1607 im Chorraum

Pfarrer Frank Städler hat Postkarten an Gemeindemitglieder verschickt und auch den neuen Gemeindebrief ziert auf dem Titel ein Ausschnitt der Holzschnitzereien. So können sich Interessierte schon mal ein kleines Bild davon machen. Wann der Originalnachbau bewundert werden kann, steht noch nicht fest.

Sehenswert ist er auf jeden Fall, und für einen Moment hat man den Eindruck, auf das Original zu schauen. Fotograf Friedemann Steinhausen ist es gelungen, die aus dem 14. Jahrhundert stammenden Holzschnitzereien so aufs Foto zu bannen, dass man sie als plastisch erahnen kann. Die Kirchengemeinde hatte den Potsdamer damit beauftragt, nachdem der Wunsch, für die Zeit der Festveranstaltungen den originalen Marienaltar von Rossow nach Havelberg zu holen, von der dortigen Kirchengemeinde abgelehnt worden war.

Bilder

Bis 1607 hatte der frühgotische Altaraufsatz im Chorraum des Havelberger Domes gestanden. Die Reformation dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass er nicht mehr zeitgemäß war. Im katholischen Dom war der Chorraum den Domherren vorbehalten. Nur sie konnten davor beten. Das Volk fand im Kirchenraum Platz, der durch die Chorschranke – den Lettner – vom Chorraum getrennt war. Es sieht so aus, als würde der Unterbau des ursprünglichen Altars aus Sandstein mit Marmorplatte der Originale für den Marienaltar sein, zeigt Frank Städler, wie sich der neue barocke Hochaltar um diesen Tisch herum baut. Wie das Original, ist auch die Marien-Foto-Altar, wie ihn der Pfarrer im Gemeindebrief nennt, aufklappbar. Ein Tischler hat den Holzrahmen dafür gebaut. Während der Fastenzeit ist der Altar zugeklappt. Auf der Außenseite der Flügel sind unter anderem Jesus Geburt, seine Kindheit, die Geißelung, Kreuzigung und Auferstehung dargestellt. Die Flügel waren einst im Rossower Gotteshaus abgebaut, lagerten im Glockenturm, wer die Glocken läutete, stand darauf. Entsprechend sind die Malereien auf der Innenseite kaum noch zu sehen.

Der Schrein selbst zeigt in der Mitte die Marienkrönung, darunter die Kreuzigung. Im Prinzip ist es eine Wiederholung des Motives der Triumphkreuzgruppe, erklärt der Pfarrer. Diese stammt aus dem 13- Jahrhundert und zeigt Christus am Kreuz sowie Maria und Johannes. Sie war für das Volk oberhalb des Lettners gut zu sehen. Rundherum sind am Marienaltar die zwölf Apostel dargestellt.

Der Dom wurde am 16. August 1170 als Sankt Marien geweiht. Kein Wunder also, dass er einen Marienaltar als Hochaltar erhielt. Mit der Reformation zog im 17. Jahrhundert der barocke Johannesaltars mit Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten an den Seiten und der Abendmahlsdarstellung als Ölbild im Zentrum in den Chorraum ein. „Die Neuanfertigung war sicherlich dem Bedürfnis neuer evangelischer Frömmigkeit und neuer Bild- und Formensprache geschuldet. So ist in der evangelischen Kirche das Heilige Abendmahl eines von zwei Sakramenten, vorher waren es sieben. Ist die Taufe einmalig, so wird das Abendmahl wiederholt gefeiert, in unserer Gemeinde heute einmal im Monat. Da die anderen Sakramente wie Priesterweihung, letzte Ölung, die Ehe weltliche Dinge sind, sollte – so vermute ich – die Feier des Abendmahles einen besonderen Platz im Dom bekommen. Genau dort, wo vor der Reformation keine Laien mitfeiern durften, sondern nur die Chorherren, dort, vor dem großen, neuen barocken Altar, dürfen seitdem alle Gemeindeglieder Abendmahl in beiderlei Gestalt mit Brot und Wein feiern“, schreibt der Pfarrer im Gemeindebrief.

Marien-Foto-Altar soll festen Platz bekommen

Der alte Marienaltar vor dem aktuellen soll für die wechselvolle Geschichte des Domes in seinem Jubiläumsjahr zeigen. 391 Jahre war er katholisch, seit 459 ist er evangelisch. Nicht nur der Pfarrer findet es schade, dass der „Rossower Altar“ nicht im Original wenigstens für das Festjahr nach Havelberg ziehen durfte. Denn in der Rossower Kirche steht er recht unspektakulär, kann seine Pracht nicht entfalten. Dass es sich bei diesem Altaraufsatz um etwas ganz Besonderes handelt, ist im Buch „Der Havelberger Altar und die Wandmalereien in der Dorfkirche zu Rossow“ nachzulesen. „Das ehemalige Hochaltarretabel des Havelberger Domes ist eines der größten und am besten erhaltenen unter den frühen Flügelretabeln“, heißt es da. Darin wird auch die Frage nach einem geeigneterem Standort in der Kirche selbst oder möglicherweise in einem anderen Gotteshaus gestellt.

Für den Havelberger Pfarrer steht fest, dass der Marien-Foto-Altar einen festen Platz im Dom finden soll. Voraussichtlich bis zum Erntedank wird die Nachbildung aber vor dem Hochaltar stehen bleiben. Geplant sind auch Marienandachten, die Kathrin Städler freitags ab 17.30 Uhr anbieten möchte. Und dann gibt es die verschiedenen anderen Veranstaltung inklusive dem Domweihfest im August, von denen im Moment keiner weiß, ob sie stattfinden können. So lange gibt es Kirche zum Beispiel in Briefform und mit Videosequenzen mit Musik und Texten im Internet.