Havelberg l Ein bunter Wohnwagen auf einem Floß schwimmend auf der Havel, als Hausboot ausleihbar für jeden Interessierten – das ist die Idee für das alte Gefährt, das am Sonnabend in der Havelberger Old School bunt besprüht wurde. Allerdings ging es dabei nicht einfach darum, Farbe aus Spraydosen auf die Aluminium-Flächen zu bringen. Das Ganze ist Teil der Projektreihe „à Table!“ (zu Tisch), die die Künstlerin und Betreiberin des alten Schulgebäudes auf der Havelberger Stadtinsel, Ursula Achternkamp, gestartet hat. Mit der Landeskulturjugend Sachsen-Anhalt lud sie dazu ein.

Kinder und Jugendliche aus Havelberg gingen gemeinsam mit zwei Jugendlichen aus dem DRK Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter fachlicher Anleitung ans Werk. Bevor sie die Spraydosen tatsächlich in die Hand nahmen, erarbeiteten sie sich ein Konzept für den Wohnwagen. Zunächst wurden Schicht für Schicht farbliche Hintergründe geschaffen, wofür jeder machen konnte, was er wollte. Zum Schluss wurde die gemeinsame Botschaft „Frieden“ und „Spaß“ in deutsch und arabisch aufgetragen. Die Havelberger Deviad Meier, Diana Schäfer, Tim Bednarcyk und Laura Koch trugen gemeinsam mit den beiden aus Syrien stammenden Jugendlichen Achmad und Khaled die Farbschichten auf. Die beiden Syrer hatten bereits im Januar an dem Kunstprojekt in der Old School teilgenommen, das mit dem Theater der Altmark über eine Woche lief, und großen Gefallen daran gefunden.

Der alte Wohnwagen stammt aus dem Projekt „Stadtlabor Theod‘Or“, das Ursula Achternkamp im vorigen Jahr im Zuge der Buga über die Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Havelberg initiiert hatte. Dabei waren zum Beispiel auch die neun Duft- und Kräuterfelder „9 Yards of Flavour“ auf der Stadtinsel entstanden. Die Idee für das alte Gefährt ist, es auf ein Floß zu bringen. Sozusagen „als Hausboot für alle“, sagt die Künstlerin und erklärt, dass sich sowohl Jugendliche als auch Erwachsene das Hausboot leihen können, um eine Tour auf der Havel zu starten. „Man kann zum Angeln rausfahren, im Sternenpark den Nachthimmel genießen, Vögeln in der Natur lauschen und sie beobachten“, nennt sie Möglichkeiten der Nutzung.

Der Wohnwagen soll zudem zum fahrenden Archiv werden, das in Form von Plattencovern über Projekte informiert, die gelaufen sind und noch laufen.

Für das Hausboot geht es nach dem Pferdemarkt in Gesprächen unter anderem mit der Werft über die Machbarkeit. Technische Lösungen müssen ebenso gefunden werden wie eine Finanzierung entweder über ein gefördertes Projekt oder über Sponsoren, so Ursula Achternkamp. Das Hausboot würde ein Fahrtenbuch haben müssen, wo die Touren vermerkt sind. Apropos Pferdemarkt. Dort gab es einst und gibt es jetzt wieder die „Haifischbar“. „Wir sind die Bordkapelle zur Haifischbar. Schön wäre es, wenn das Hausboot im nächsten Jahr Fahrt aufnehmen könnte und beim Bootskorso wäre es dann auch mit dabei.“