Wulkau l  Das erfolgte aus einem freudigen Anlass: Sie wurde hier für ihre „Jubiläumsfibel 650 Jahre Wulkau“ mit dem dritten Platz beim kreisweiten Chronistenwettbewerb der Dr.-Fritz-Milkoswki-Stiftung geehrt.

Das 48 Seiten starke Heft wurde anlässlich der 650-Jahr-Feier Wulkaus im Jahr 2017 in einer Auflage von 150 Exemplaren herausgegeben und ist inzwischen restlos ausverkauft. „Immer wieder gibt es Nachfragen“, berichtete Erika Kügler zu Hause am Kaffeetisch.

Preisgeld als Startkapital nutzen

Neben einer Urkunde gab es für den 3. Platz auch ein Preisgeld in Höhe von 120 Euro. Dieses Geld möchte die Wulkauerin gerne für die Gründung eines Heimatvereines nutzen – sozusagen als Startkapital. Mit einigen weiteren Heimatfreunden hatte sie sich bereits in ihrer guten Stube getroffen. Sechs Wulkauer wollen bisher mitmachen und sich mit der Historie befassen, weitere Mitstreiter sind willkommen.

„Schon als Kind habe ich mich für Geschichte interessiert, ich kannte alle wichtigen Jahreszahlen aus dem Kopf“, berichtet die Geehrte. Viel las sie damals schon über Napoleon sowie den in Schönhausen geborenen ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck. Zudem galt ihr Interesse der griechischen Geschichte: Als sie nach Öffnung der Grenzen endlich nach Griechenland reisen konnte, konnte sie an der Akropolis in Athen ihre Tränen nicht zurückhalten. Ein Lebenstraum war endlich in Erfüllung gegangen!

Nach 30 Jahren zurückgekehrt

Im Jahr 2000 war die einstige Landwirtschaftsingenieurin wieder in ihr altes Heimatdorf zurückgekehrt, 30 Jahre hatte sie auswärts gelebt. Ihre Schwester Caren Pfundt war Bürgermeisterin, in deren Auftrag sollte sie die Schulchronik aus dem Sütterlin transkribieren. Ihr lange verschüttetes Interesse an der Ortsgeschichte war geweckt. Seitdem nahm Erika Kügler an Seminaren für Ortschronisten teil und befasste sich in dem Zusammenhang auch mit der Zusammenstellung der Jubiläumsfibel. Sie trug alles zusammen, das Abtippen der Texte für den PC übernahm Laura Güldenpfennig.

Bei ihrer Arbeit hatte sie ein weiteres Detail zur Dorfgeschichte „ausgegraben“: Einer der letzten in Deutschland öffentlich Hingerichteten war ein Wulkauer gewesen. Johann Christian Braun wurde 1850 auf dem Galgenberg bei Perleberg geköpft, 2000 der damals 6000 Perleberger sollen anwesend gewesen sein. Es hatte etwa ein Jahr gedauert, bis sich eine Richtstatt samt Scharfrichter gefunden hatte. Am Kreuz auf dem Galgenberg und im Internet ist hingegen der Name „Peter Braun“ vermerkt. Das ist falsch, hatte Erika Kügler herausgefunden. Der Geköpfte war Christian Braun – allerdings wurde er Opfer eines Justizirrtums. Erst auf dem Sterbebett gestand sein Bruder Peter Braun die Tat – da war Christian aber längst hingerichtet.

Als wahre Heimatfreundin und Mitglied im Gemeindekirchenrat ist Erika Kügler auch zur Stelle, wenn jemand durchs Wulkauer Gotteshaus geführt werden möchte. Gute Kontakte bestehen zudem zu Heimatfreunden in Sandau, Schönfeld und sogar bis hin zu Dieter Rohr nach Genthin.

Ehrenamtlich arbeitet sie zudem in der Lokalen Leader-Arbeitsgruppe mit, beim Kamernschen KulTour-Verein war sie für die Finanzen zuständig. Zehn Jahre lang war sie Büttenrednerin beim Wulkauer Karnevalsklub WKC und sie ist förderndes Mitglied in der Feuerwehr.