Havelberg l „Ich habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen“, erklärt Sensei Lothar Pietzschmann, Leiter der Karateschule Havelberg. Die Chemie zwischen dem Vorstand der DTSKF und dessen Präsidenten Michael Bock habe in der letzten Zeit überhaupt nicht mehr gestimmt. Ursächlich dafür waren vor allem kommer­zielle Gründe. „Ich habe bei den Verantwortlichen im Verband immer nur Dollarzeichen in den Augen gesehen“, so Lothar Pietzschmann. Zuletzt war das bei einem Lehrgang in Berlin, verbunden mit einer Gürtelprüfung für den Havelberger Sportler Marcel Reiß, der Fall. „Da ist mir der Kragen endgültig geplatzt, und ich habe meinem Unmut darüber Luft gemacht“, schildert der Havelberger Karateschulleiter. „Insbesondere gegenüber dem Präsidenten, der einmal mein Trainer gewesen ist.“

Das Fass kochte über

Aber nicht nur bei dieser Veranstaltung, sondern auch schon vorher habe es so manches Zerwürfnis mit dem DTSKF gegeben. Fast immer ging es dabei um hohe Ausgaben des Verbandes, die dieser dann zu einem großen Teil auf seine Mitgliedsvereine umlegte. „Geld, von dem wir als Kleinstadtverein absolut nichts haben und das unsere jungen Mitglieder beziehungsweise ihre Eltern auch gar nicht aufbringen können“, äußert Lothar Pietzschmann sein Unverständnis. Geld, auf das der DTSKF aber bestand. „Von einem familiären Umgang, wie man ihn sich als Mitglied im Verband wünscht, konnte da keine Rede mehr sein.“ Der erwähnte Lehrgang zu Ostern in Berlin brachte bei Lothar Pietzschmann das Fass schließlich zum Überkochen. Im Vorstand der Karateschule wurde aus diesem Grund der Beschluss gefasst: Wir treten aus der Deutschen Traditionellen Karate Föderation aus.

Abeit geht ganz normal weiter

Auf den Havelberger Verein selbst hat das keine Auswirkungen. „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Was die Arbeit der Karateschule betrifft, bleibt alles beim Alten“, möchte deren Chef vor allem die Eltern der vielen Kinder und Jugendlichen beruhigen, die hier Mitglied sind. Auf einer Mitgliederversammlung am 6. Mai im Jederitzer Bürgerhaus will der Vorsitzende dann ausführlich über die Gründe des Verbands-Austrittes informieren.

Enttäuschung ist groß

Allerdings sind durch die Kündigung der Mitgliedschaft im DTSKF einige für dieses Jahr fest eingeplante Wettbewerbe und Veranstaltungen für die Havelberger „gestorben“. Unter anderem betrifft das die Europameisterschaft (EM) im Shotokan Karate – eine Stilrichtung, die in Havelberg gelehrt wird – im September in Berlin. Eine ganze Reihe von Sportlern aus der Karateschule der Domstadt hatte sich dafür qualifiziert und ist nun zum Zuschauen verurteilt. Einer von ihnen ist der 11-jährige Kevin Winkelmann aus Kuhlhausen. „Zunächst ist die Enttäuschung recht groß“, meinte er. Denn nun falle das bisher größte Ereignis in seinem bisherigen Leben, auf das er sich riesig gefreut hatte, ins Wasser. Aber Kevin ist auch ein echter Sportsmann. „Die nächste EM kommt bestimmt. Und dann möchte ich mit dabei sein“, nennt er sein großes Ziel. Ein Schritt auf diesem Weg soll der Braungurt (3. Kyu) sein, für den Kevin im kommenden Jahr erfolgreich die Prüfung ablegen möchte.

Havel-Cup am 26. Mai

Gestrichen ist auch ein hochkarätig besetzter Lehrgang für Kampfrichter am 5. und 6. Mai in Havelberg, bei dem sich diese auf die Europameisterschaft vorbereiten wollten. „Gestrichen ist aber nicht unser Havel-Cup“, versichert Lothar Pietzschmann. „Dieser findet am 26. und 27. Mai statt, wobei wir Unterstützung von einem Verein aus Berlin erhalten. Für den Sonnabend stehen die Wettkämpfe auf dem Programm, für den Sonntag dann Gürtelprüfungen. Abgesetzt ist allerdings das Trainingslager vom 2. bis zum 5. August auf der Havelberger Spülinsel, das Michael Bock als Karatelehrer begleiten sollte.

Wechsel in neuen Verband

Zum Glück ist der DTSKF nicht der einzige Karatesport-Verband in Deutschland. Für die Karateschule Havelberg beginnt nun die Mitgliedschaft in einem neuen Dachverband, dem Traditionellen Deutschen Karate Verband (DTKV). „Er ist von der Anzahl seiner Mitgliedsvereine erheblich größer als die Deutsche Traditionelle Karate Föderation“, informiert Sensei Lothar Pietzschmann. Die ersten Kontakte sind bereits geknüpft. Ein Ergebnis davon ist die Teilnahme von Havelberger Sportlern an einem Kata-Lehrgang am 5. Mai.

Von vorne beginnen

Wie der DTSKF richtet auch der DTKV eigene Deutsche Meisterschaften aus und ist im internationalen Wettkampfgeschehen unter anderem bei Europameisterschaften vertreten. Allerdings nicht bei denen, die der DTSKF in Berlin ausrichtet. Die Havelberger Karateka müssen somit, was die Qualifikation für eine EM betrifft, ganz von vorne beginnen.