Klietz l Die Folgen von Katastrophen auf die sozialen Strukturen sind eines der Themen der Katastrophensoziologie. Die FU Berlin arbeitet dazu mit dem DRK und der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Projekt „involve“ zusammen. Mit dem sperrigen Titel „Verringerung sozialer Vulnerabilität durch freiwilliges Engagement“ ist gemeint, dass die Folgen von Katastrophen durch freiwillige Helfer – wie eben vom DRK – weit besser bewältigt werden. Das Problem hierbei: Immer weniger Freiwillige binden sich langfristig an eine Hilfsorganisation, auf der anderen Seite werden aber die Anforderungen an diese Helfer immer höher.

„Der Katastrophenschutz muss auf die Rahmenbedingungen reagieren“, erklärte Dr. Bettina Wenzel zu Beginn ihres Vortrages, den sie bei der jüngsten Veranstaltung der Hochwasserschutzinitiative in Klietz gehalten hatte. Bei der Flutkatastrophe von 2013 fehlten die Kenntnisse von den Bedürfnissen der Bevölkerung, so gab es Probleme bei der Versorgung sowie bei der Integration der freiwilligen Helfer.

Um künftig besser gewappnet zu sein, wurden seit einem Jahr die Bewohner der Elb-Havel-Region nach ihrer persönlichen Verarbeitung der Flutfolgen und ihren Lehren daraus befragt. Die Auswertung ist noch im Gange, in Klietz wurden erste Ergebnisse präsentiert. Geplant sind im nächsten Jahr dazu noch Gruppendiskussionen sowie eine Zukunftswerkstatt im Juni.

Insgesamt 1500 Fragebögen waren verteilt worden, 252 wurden zurückgesandt – gerechnet hatte man mit 300. Die meisten Antworten kamen aus Schönhausen, Wust-Fischbeck, Kamern und Klietz. Bei 13 Prozent von ihnen war das Wohnhaus betroffen gewesen, bei 30 Prozent der Keller. Fast die Hälfte hatte dies mental belastet – mit Gefühlen wie Angst, Sorgen oder Hilflosigkeit.

Die meisten hätten sich während und nach der Katastrophe vor allem rechtliche Beratungen gewünscht, zur Evakuierung und deren Ende etwa. 70 Prozent wünschten sich mehr Aufklärung bei der Flut, als nützlichste Informationsquelle bei der Flut wurden neben den Medien auch Freunde und Bekannte angegeben. Wichtig war auch die Unterstützung durch die Nachbarn.

Noch immer auf Unterstützung sind 16 Prozent der Befragten angewiesen, für zehn Prozent hat sich der Alltag noch immer nicht wieder normalisiert. Ein knappes Drittel hat die Katastrophe seelisch noch immer nicht verarbeitet. – Allerdings gibt es hierbei ein großes „Dunkelfeld“, denn so manches Flutopfer war noch so von den Folgen traumatisiert, dass es nicht antworten wollte oder konnte.

Der Aussage, dass man sich im Notfall auf den Nachbarn verlassen konnte, stimmten 80 Prozent zu. Den Hilfsorganisationen wie dem DRK, dem THW oder der Feuerwehr sowie der Bundeswehr und der Polizei vertraute ein Großteil der Befragten. Über 60 Prozent meinten, dass die zuständigen Behörden nicht die nötige Kompetenz fürs Katastrophenmanagement besaßen. Auch fehlende Kontakte zur Bevölkerung wurden bemängelt. Das während der Katastrophe die Versorgung sichergestellt war, bejahte die Hälfte.

Ein Fazit der ersten Auswertung lautete, dass die seelische Verarbeitung des Geschehenen bei vielen noch nicht abgeschlossen ist. In dem Zusammenhang bedauerte Arno Brandt, der Vorsitzende der gastgebenden Bürgerinitiative, dass die Angebote der Hilfsorganisationen zur Bewältigung der Flutfolgen leider nicht so angenommen worden waren wie erhofft. Einige hätten ihre Arbeit darum bereits eingestellt.

Hier geht es zur Befragung.