Sandau l Die Mitglieder der Katastrophenschutz-AG hatten sich zu dessen Besichtigung auf dem Bauhof getroffen. Noch immer liegen Zeitungen aus jener sorgenvollen Zeit im Bauwagen, als die trüben Fluten aus Fischbeck im Sommer 2013 durch das Elb-Havel-Land flossen. Ein Ergebnis aus dieser Katastrophe, welche die nah an der Elbe lebenden Sandauer besonders bewegte, war die Bildung der Katastrophenschutz-Arbeitsgemeinschaft (AG).

Denn im Juni 2013 mussten wie schon 2002 die Bewohner des am Deich gelegenen Pflegeheimes erneut evakuiert werden. Unklar war damals allerdings nicht nur in Sandau, wer noch alles zu Hause bettlägerig war und evakuiert werden musste. Oder welches Gebäude wie hoch lag – wer also Gefahr lief, bei einem möglichen Deichbruch Wasser in den Keller oder gar in die Wohnung zu bekommen. Oder wo man bestimmte Technik oder Fachleute finden konnte.

Alle Szenarien einbezogen

Das zumindestens für Sandau zu klären, hatte sich die von Jens Adamczyk seit Anbeginn geleitete Katschutz-AG auf ihre Fahnen geschrieben. Dabei wurde der Fokus nicht nur auf den Hochwasserfall gelegt, auch andere Havarieszenarien wie ein großflächiger Stromausfall wurden durchgespielt.

Treff der AG ist im Regelfall alle drei Monate. Diesmal begab man sich auf den Bauhof, um den Bauwagen zu begutachten. Er steht hier, wie er im Sommer 2013 verlassen wurde. In den Räder ist keine Luft mehr, eigentlich müsste der Wagen aufgebockt stehen. Auch die Elektrik muss repariert werden, so dass der Wagen wieder fahrbereit ist. Die nächste Flut kommt mit Sicherheit.

Jens Adamczyk nutzte den Treff, um sein Ehrenamt nunmehr an den Bürgermeister abzugeben, welcher im Bedarfsfall ohnehin die Wasserwehr leitet. Bei der Gelegenheit zog der Sandauer gleich ein kurzes Resümee über das Erreichte.

Bürgermeister erteilte den Auftrag

Vor fünf Jahren habe er vom Bürgermeister den Auftrag zur Bildung einer solchen Arbeitsgemeinschaft erhalten. Seit Anbeginn waren elf Mitglieder dabei. Zusammen mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW wurden zwei Lehrgänge für Wasserwehren angeboten, beim zweiten Durchgang kamen auch Bürger von außerhalb. Dabei wurden über 50 Freiwillige durch die Ausbilder Hans Jörg Steingraf und Alexander Helm vom LHW sowie Thomas Gniech, Peter Busse, Alexander Bahr und Jens Adamczyk von der Katschutz-AG ausgebildet.

Das soll die Verbandsgemeinde nun fortführen. Ferner wurden zwei umfangreiche Alarm-Ordner für die Kommune angelegt, wo man Unterlagen findet, wie man bestimmte Dinge bei Havarien überbrücken kann. Einer enthält Listen für die Stadtverwaltung zwecks Koordination bei diversen Katastrophenszenarien. Zu finden sind zum Beispiel Vordrucke für Deichläufer, zur Evakuierung sowie zu Ausbildungsständen verschiedener Freiwilliger, vorhandener Technik und Erreichbarkeiten.

Im zweiten Ordner sind Daten der Stadt Sandau gesammelt. Dazu gehören diverse Höhenpunkte und Übersichten zu Abwasser-, Wasser– und Stromleitungen. Enthalten sind mögliche Alternativen zur Versorgung bei Ausfällen von Transformatoren und Schaltanlagen. Dieser technische Ordner wurde vor allem durch Thomas Gniech mit sehr viel Engagement erstellt. Wichtig ist, dass diese Ordner regelmäßig aktualisiert werden.

Auch woanders umgeschaut

Doch schmorte die AG nicht nur in ihrem eigenen Saft und schaute sich auch woanders um. Zum Beispiel in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, welche bereits eine gut ausgerüstete Wasserwehr vorhält. Diese verfügt über Geländewagen, Beleuchtungssätze, Stromerzeuger und Sandsackfüllanlagen. Angeschafft worden war dies alles über Fördermittel, welche nach der Flut von 2013 beim Land beantragt werden konnten. Weitere Anträge waren übrigens nicht eingereicht worden. „Dort haben wir gesehen, wie weit andere schon sind“, schwärmte Jens Adamczyk. In der hiesigen Verbandsgemeinde sei man davon noch weit entfernt.

Besucht wurden auch der Katastrophenschutzstab im Stendaler Landratsamt sowie der runde Tisch der Wasserwehren. Die Sandauer AG wurde zudem bei örtlichen Flutschadenssanierungen mit einbezogen und gab wichtige Hinweise zur Planung. Dadurch wurden Wege teils noch etwas höher gelegt als ursprünglich geplant.

Flyer wirbt für Wasserwehr

In Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeindeverwaltung enstand ein Flyer, welcher für die Mitarbeit in der Wasserwehr wirbt. Hauptsächlich war dies ein Verdienst des AG-Mitgliedes Günter Brose. Das Papier soll nun noch breiter verteilt werden – je mehr Helfer sich melden, um so mehr ist die Verwaltung gefordert, zu reagieren.

Das jahrlange ehrenamtliche Engagement in der Sandauer Gruppe sei nicht selbstverständlich, dankte deren scheidender Leiter seinen Mitstreitern. Natürlich werde er weiter mit dabei bleiben, das Einsetzen der Schotten an der geplanten Deichscharte an der Fährstraße muss unter anderem trainiert werden.