Wust l Geschichtskreis und Marionettenbühne Wulkow-Wust hatten dazu eigeladen und rund 40 Gäste, sogar aus Berlin und Bayern, nahmen im Gotteshaus Platz.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Matthias Kage begann Pfarrer i.R. Karlheinz Stephan zu seinem Vortrag unter dem Thema „Zeitreise zwischen zwei Welten“ zunächst an die Geschehnisse des Jahres 1987 zu erinnern, als der restaurierte Sarg des Hans Hermann aus der Kirche wieder in die Gruft überführt werden konnte. Er berichtete von der Untersuchung der anderen Särge mit den sterblichen Überresten der Katte-Familie durch Gerichtsmediziner aus Potsdam sowie von der Information der Öffentlichkeit, die davon erstmalig überregional (in der BRD und der DDR) Kenntnis nahm. Karlheinz Stephan wies auch darauf hin, dass diese Ereignisse aus dem Jahr 1987 ihre Wurzeln bereits zuvor – 1977 bis 1981 – hatten.

Jugendliche retten die Kirche

In diesen Jahren entschied sich das „Schicksal“ der Kirche: Sie wurde durch eine Initiative von Jugendlichen vor dem Verfall gerettet. Es waren auch Jugendliche, die im Rahmen von internationalen christlichen Aufbaulagern der evangelischen Gemeinde Wust halfen, die Familiengruft der Kattes aufzuräumen und in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Die Konfirmanden der Kirchengemeinde schrieben über diese Arbeit und ihre Erkenntnisse ein kleines Heft, das heute noch von Besuchern in Wust gerne erworben wird. Der ehemalige Pfarrer nannte auch die Quellen und Unterstützer der Forschungsarbeit, die es ermöglichten, beispielsweise die ehrenamtlichen Kirchenführer für den Tourismus an der Straße der Romanik auszubilden. Hervorgehoben wurden hierbei die Fontane-Gesellschaft Berlin, Hans Heinrich von Katte aus Harrislee und das Deutsche Theater Berlin.

Bilder

Mit dem Wende-Jahr 1989, so erinnert sich Karlheinz Stephan, begann eine neue Welt: Es sollte „Kultur“ auf die Dörfer gebracht werden. Gab es vorher keine? Natürlich! Schon vergessen zum Beispiel das Deutsche Theater mit Dieter Mann in der Kirche Wust?

Jährlich viele Besucher

Nach 1989, besonders mit der Straße der Romanik, gab es in den ersten Jahren bis zu 10.000 Besucher pro Jahr in Wust, viele davon aus den alten Bundesländern. In der Wuster Kirche referierten so bekannte Wissenschaftler und Historiker wie Prof. Dr. Ingrid Mittenzwei, Prof. Dr. Detlev Merten, Prof. Dr. Johannes Kunisch aus Köln, Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis vom Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin und viele mehr. Sie prägten den Forschungsstand zum Thema „Katte-Kronprinz-Preußen“, nicht zu vergessen die Schriftsteller Theodor Fontane und Jochen Klepper. Aus den Reihen des GuM sollte hier der Kirchenführer und Hobby-Historiker Henner Dubslaff aus Stendal mit seiner Biografie über den Generalfeldmarschall von Katte unbedingt genannt werden.

Am Schluss seines Vortrages musste Karlheinz Stephan feststellen, dass trotz aller publizierter wissenschaftlicher Forschungsergebnisse, Ausstellungen und Vorträge die Vorurteile zum Thema Katte/Friedrich/Friedrich-Wilhelm I. immer noch nicht beseitigt sind. Er benannte und zitierte negative Beispiele, die erst in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Ein herzliches „Danke“ richtet GuM an Karlheinz Stephan, „dass er uns auf diese Zeitreise mitgenommen hat. Kein anderer hätte das so gekonnt, hat er doch diese 30 Jahre als Pfarrer und Vorsitzender des GuM mitgeprägt.“

Im Anschluss an den Vortrag legten die Gäste ein Blumengesteck am Sarg des Hans Hermann von Katte nieder.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sagen die GuMler Dank an Michele Wiest aus Tangermünde.

Marionettenspiel am 1. Advent

Matthias Kage verabschiedete die Gäste mit dem Hinweis auf die öffentliche Aufführung der Marionettenbühne am 1. Advent (3. Dezember) um 15 Uhr in der Kirche Briest. Gespielt wird das Märchen „Frau Holle“.

Die GuMler treffen sich zu ihrem Jahresabschluss am 7. Dezember um 19.30 Uhr ebenfalls in der Kirche Briest, dem Haus der Marionettenbühne. Gäste, die an der ehrenamtlichen Arbeit Interesse haben, sind herzlich eingeladen.