Scharlibbe l Etwa einhundert Jahre lang hatte das alte mechanische Uhrwerk hoch oben im Scharlibber Kirchturm treu seinen Dienst verrichtet. Weil es 1997 von Dirk Hoffmann, Waldemar Pick und Peter Schulz gesäubert worden war, könnte es wohl auch noch weitere Jahrzehnte die Zeiger der beiden Zifferblätter antreiben. – Doch fand sich in dem Klietzer Ortsteil kaum noch jemand, welcher das Uhrwerk einmal die Woche eine Viertelstunde lang mühselig aufzog.

„Früher erledigten dies in den Dörfern der Küster, der Friedhofsgärtner oder manchmal auch der Dorfschmied, heute findet sich in vielen Orten niemand mehr dafür“, berichtete Goldschmiedemeister Mathias Haut aus Havelberg. Er baute nun das alte Uhrwerk gemeinsam mit seinem Vater, dem Uhrmachermeister Jürgen Haut, aus und ersetzte es durch ein modernes Funkuhrwerk. Das Geld dafür stellte das Kirchspiel Klietz-Scharlibbe zur Verfügung.

Zwei Zifferblätter am Turm

Auch das neue Uhrwerk ist zentral im Turm untergebracht, über ein darüber befindliches Räderwerk werden zwei Gestänge angesteuert, welche wiederum die Räderwerke der Zifferblätter antreiben. Letztere sind ebenfalls gut erhalten, so dass nur ein Uhrwerk beschafft werden musste.

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Eine Etage tiefer befindet sich die bronzene Glocke, neben der ein Hammer aufgehängt ist. Auch dieser musste mit dem neuen Uhrwerk mechanisch per Hubwerk verbunden werden, er lässt zu jeder vollen und halben Stunde die Glocke erklingen.

In der Nacht herrscht nun Ruhe

„Das neue Uhrwerk macht es nun auch möglich, dass in der Nacht keine Glockenschläge mehr ertönen“, freute sich Dietmar Möller. Denn das störte etliche Scharlibber. Ab sofort wurde dem Hammer von 22 bis 6 Uhr Nachtruhe verordnet. Geläutet wird zudem täglich um 18 Uhr sowie am Sonnabend um 12 Uhr.

Jeden Mittwochnachmittag hat das Uhrengeschäft in der Langen Straße in Havelberg geschlossen. Denn dann ist das Handwerker-Dou dort unterwegs, von wo aus man die Uhren schwerlich ins Geschäft bringen kann – in den Kirchen. Im Vorjahr wurde beispielsweise die Uhr in Schönhausen repariert, sie muss sogar alle drei Tage aufgezogen werden. Hier findet sich zum Glück noch immer jemand, der dies erledigt. In Scharlibbe haben die vielen Eisengewichte und das zig Meter lange Stahlseil nun jedenfalls ausgedient.

Das alte Uhrwerk war oben im Turm gut geschützt in einem Gehäuse untergebracht gewesen und auch darum noch sehr gut in Schuss. „Mit Hilfe der Feuerwehr soll es nach unten in die Kirche gebracht und dort ausgestellt werden“, berichtete Dietmar Möller, welcher die Uhrmacher in die Kirche gelassen hatte.

Den Aufbau der alten Mechanik – sie stammt von der Berliner Firma Rochlitz – in der Kirche wollen die Havelberger dann aber gratis erledigen. „Schließlich stammt meine Frau aus Scharlibbe und hier in dieser Kirche wurden wir getraut“, informierte Mathias Haut.