Havelberg l Am Abend des Karfreitag wollten sich Mitglieder der Kirchengemeinde Havelberg im Dom treffen, um die Geschichte Jesus vom Einzug nach Jerusalem bis hin zur Himmelfahrt anhand des Lettners nachzuvollziehen. In den vergangenen Jahren wurde diese meditative Kreuzwegbehandlung gemeinsam an den Bleiglasfenstern vollzogen. Dieses Mal sollten dafür die historischen Sandsteinreliefs der Chorschranke im Mittelpunkt stehen.

Da jeder nun zu Hause bleiben soll, stellen Kirchenmitglieder in Videosequenzen die einzelnen Bilder des Lettners vor. Am Karfreitag erklärte Kirchenratsvorsitzende Sabine Ruß die Station 6: „Jesus stirbt am Kreuz“. Dazu las sie aus dem Evangelium bei Markus. Jeden Tag wird ein neuer kleiner Film hoch geladen, berichtet Dompfarrer Frank Städler.

Mit Beginn der Kontaktbeschränkungen und der damit verbundenen Schließung auch von Kirchen hat die Kirchengemeinde bereits verschiedene Videos mit Texten und Orgelmusik ins weltweite Netz gestellt. So haben Kirchenmitglieder die Möglichkeit, wenigstens ein bisschen vertraute Kirche zu erleben – vorausgesetzt, sie haben Zugriff aufs Internet.

Der Vorteil dieser Filme ist, dass die Details der Sandsteinreliefs sehr genau mit der Handy-Kamera von einer extra aufgebauten Bühne aus eingefangen werden können. So würde man sie normalerweise von schräg unten schauend nicht sehen können, sagt der Pfarrer.

Ausflug in die Geschichte

Auf jeden Fall lohnt es sich auch für Nicht-Christen, mal auf die Dom-Havelberg-Seite zu schauen, denn die Filme gewähren zugleich einen Exkurs in die Geschichte. Die Entstehungszeit des Lettners wird auf den Beginn des 15. Jahrhunderts datiert.

Bis Ostermontag wird auch ein Video zur Kirche Toppel eingestellt, in der traditionell am Ostermontag der Gottesdienst mit anschließendem Kaffee und Kuchen stattfinden sollte.

Wenn die Kirchenglocken läuten, sind die Kirchenmitglieder eingeladen, gemeinsam zu beten. Wer einen Gottesdienst im Fernsehen verfolgen möchte, dem empfiehlt der Pfarrer die des ZDF und RBB. Er selbst wird mit seiner Familie Ostersonntag im Dom wieder Kerzen anzünden und beten.

Zu den Angeboten im Internet von Palmsonntag bis Ostermontag hat er an die beiden Seniorenheime in Havelberg einen Brief geschickt, um darüber zu informieren. In der Hoffnung, dass es dort die Möglichkeit gibt, in den Wohngruppen vielleicht sogar gemeinsam auf einem Fernsehgerät die Grüße aus dem Dom anschauen zu können, denn nicht jeder Senior wird die Gelegenheit haben, selbst ins Internet gehen zu können.