Jubiläum

Kirchengemeinde Havelberg erinnert an Gründung des Bistums vor 1075 Jahren

1075 Jahre ist es her, dass König Otto das Bistum Havelberg gegründet hat. Die Kirchengemeinde erinnerte im Dom an das historische Ereignis vom 9. Mai 946.

Von Brigitte Strugalla-Voltz
Nach dem Gottesdienst zum Gedenken an die Gründung des Bistums Havelberg vor 1075  Jahren versammelten  sich die Dombesucher im großen Kreis vor dem monumentalen Westwerk des  850 Jahre alten Gotteshauses.
Nach dem Gottesdienst zum Gedenken an die Gründung des Bistums Havelberg vor 1075 Jahren versammelten sich die Dombesucher im großen Kreis vor dem monumentalen Westwerk des 850 Jahre alten Gotteshauses. Foto: Anke Leonhardt

Havelberg

Es mag ja bei solchen Zeiträumen nicht auf das einzelne Jahr ankommen, aber 1075 Jahre sind schon eine Menge, und nicht einmal unsere Ehejubiläen feiern wir irgendwann, sondern möglichst am korrekten Datum: Das bildet Gemeinsamkeit, Identifikation, und die ist heute so nötig wie je.

Das dachten wohl auch viele Havelberger, und so war der Dom trotz des verführerischen Wetters am Sonntag fast bis auf den letzten (Corona-)Platz besetzt. Die meisten werden es ja kennen: am frühen Nachmittag, wenn die Sonne im Süden steht, erstrahlt das Kichenschiff durch die gotischen Fenster in ganz bezauberndem Licht, eine großartige Atmosphäre, die noch gesteigert wurde, als Domkantor Matthias Bensch mit jubelnden Orgelklängen die Besucher des Festgottesdienstes begrüßte.

Bewundernswert, wie es Superintendentin Eva-Maria Menard und Dekan Bertram Pricelius gelang, anstelle einer eher repräsentativen Feier einen wirklich beeindruckenden und stimmigen Gottesdienst zu gestalten, mit vielen persönlichen Gedanken und vielen Impulsen zum Nachdenken. 1075 Jahre sind eine mächtig lange Zeit, aber – wie Dekan Pricelius nach den Grüßen von Erzbischof Koch aus Berlin formulierte – wir dürfen nicht vergessen, wie Kirche über lange Zeiten mit der Macht kooperierte, ja sogar der staatlichen Macht den Glauben überließ. Auch Eva-Maria Menard griff das Thema Macht, Kolonisation und Unrecht auf, und so war es nur ein kleiner Schritt zum eigentlichen Auftrag, dem Motto des Festgottesdienstes: 1075 Jahre Gebet für die Stadt und den Erdkreis.

Und nein, solch ein Gebet sei kein Smalltalk und auch kein Herunterleiern von unverstandenen Formeln, es sei „schmerzhafte Sehnsucht“ nach Hilfe im Leben, und manche stumme Träne sei, auch unbewusst, ein wahres Gebet.

Festliches Konzert mit Orgel und Vokalensemble

Das Schlusswort wurde Sophie Scholl gegeben, die ja vor 100 Jahren geboren wurde: für sie war Gebet das persönliche Suchen nach Halt und immer auch der Bezug zum Anderen. „Wir müssen füreinander beten!“Vor dem Segen wurde Lektor Friedrich Egberink für weitere sechs Jahre im Dienst beauftragt. Er wird neben Lektor Ralf Dülfer während der langen Zeit der Vakanz der Havelberger Kirchengemeinde – die freie Pfarrstelle wird gerade neu ausgeschrieben, weil der erste Bewerber zurückgezogen hat – einen wichtigen Dienst leisten.

Ein festlicher Gottesdienst im Dom Sankt Marien ist immer auch ein festliches Konzert. Nicht nur die Orgel, auch das Vokalensemble trug seinen Teil zum eindrucksvollen Gelingen bei und erklang, so wie vor Zeiten die Mönche, aus dem Hohen Chor, unsichtbar hinter dem Lettner und durch das gotische Gewölbe wahrlich „Himmelsklängen gleich“.

Zum Abschluss verteilte sich die ganze Gemeinde in großem Kreis vor dem Westwerk, denn Singen im Kirchenraum ist ja aus guten Gründen nicht gestattet. Und so freuten sich alle im schönsten Sonnenschein und lauen Wind von Süden mit dem Frühlingslied „Wie lieblich ist der Maien“. Man stand noch lange zusammen.

Eva-Maria Menard (2. von rechts) und Bertram Pricelius (2. von links) hatten den Gottesdienst geleitet, links Lektor Friedrich Egberink.
Eva-Maria Menard (2. von rechts) und Bertram Pricelius (2. von links) hatten den Gottesdienst geleitet, links Lektor Friedrich Egberink.
Foto: Anke Leonhardt
Für Musik im Dom sorgten Domkantor Matthias Bensch, Instrumentalisten sowie das  Vokalensemble, das aus dem Hohen Chor erklang.
Für Musik im Dom sorgten Domkantor Matthias Bensch, Instrumentalisten sowie das Vokalensemble, das aus dem Hohen Chor erklang.
Foto: Anke Leonhardt