Schönhausen l Laster rollen an, schütten Sand auf, es wird geschoben, gebaggert und gerüttelt. „Es knallt gleich!“ Miko hebt den Zeigefinger: Achtung! Seine Spielgefährten halten inne, blicken raus auf die Baustelle – dann knallt es! Immer, wenn ein Laster neuen Sand bringt und sich der Kipper entleert, schlägt die Klappe lautstark zurück. Ganz genau wissen die Kinder der Schmetterlingsgruppe Bescheid über die Abläufe auf der Baustelle. Schließlich haben sie vom Gruppenraum im Obergeschoss des Neubauhauses, in dem später der Hort eingerichtet wird, den allerbesten Blick.

Seit dem ersten Spatenstich am 4. Mai werden tonnenweise Sand bewegt, schon bald geht es los mit dem Fundament des 1500 Quadratmeter großen Objektes, das knapp vier Millionen Euro kostet. Ab Dienstag können auch wieder alle Kinder verfolgen, wie an ihrem neuen Nest gebaut wird. Denn nach der mehrwöchigen coronabedingten Schließung der Einrichtung, die nur den Kindern in Notbetreuung offen stand, dürfen nun wieder alle Mädchen und Jungen zurück ins Haus. Da gibt es dann viel zu sehen und zu erzählen.

„Da ist Onkel Micha“, ruft Matti aufgeregt. Inzwischen kennen die Kinder einige der Bauarbeiter sogar mit dem Namen. „Bestimmt vibriert es gleich wieder?“ sind sie schon gespannt. Denn immer, wenn der Rüttler zum Einsatz kommt, spüren die Kinder ganz deutlich das Kribbeln.

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Auch die Hortkinder können sich freuen

Ines Wille und David Kersten, die Erzieher der Schmetterlingsgruppe, nutzen die Baustelle, um getreu dem lebensbezogenen Ansatz laut Spatzennest-Konzept daraus ein Projekt zu machen. Dazu gehört neben dem Beobachten des Baufortschrittes beispielsweise das Malen von Kipper und Co oder das Betrachten des großen Bauplanes. David und Ines zeigen ihnen auf dem großen Blatt Papier, wo der neue Spielplatz ist. Und erklären, dass man dann aus dem Gruppenraum direkt auf die Terrasse gehen kann. „Kriegen wir auch neue Schränke? Und Stühle? Und Türen? Und Toiletten?“ will Lennard wissen.

Kriegen sie. Aber ob die Schmetterlinge noch in den Genuss von all dem Neuen kommen, ist fraglich. Denn im nächsten Sommer, wenn das neue Spatzennest fertig sein soll, werden sie Abc-Schützen, „vielleicht noch für ein paar Wochen“, ist Ines Wille zuversichtlich und steckt mit ihrer Vorfreude die Kinder an. Aber auch der Hort, den viele dann als Erstklässler besuchen werden, bietet nach der Sanierung ebenfalls beste Bedingungen.

Allzu lange können die Schönhauser Kinder den Baufortschritt nicht mehr verfolgen. Denn im August steht für die Drei- bis Sechsjährigen der Umzug nach Klietz ins Storchennest an, damit im Neubaugebäude Baufreiheit für die Modernisierung zum Hort herrscht. Die muss auch – so eine Forderung der Fördermittelgeber – genau wie der Neubau des Kindergartens Mitte 2021 abgeschlossen sein.

Nicht nur die Schmetterlinge verfolgen alles, was so auf der Baustelle passiert, sondern auch alle anderen Kinder. Selbst die Jüngsten aus der Krippe, die aus dem Altbau keinen direkten Blick haben, spazieren mit den Erzieherinnen regelmäßig bis zum Bauzaun und beobachten Bagger, Kipper und Radlader.

Am Dienstag gibt es wieder Neues zu sehen, wie Bauunternehmer René Schulz mitteilt. Es rollt eine große Betonpumpe an. Denn nachdem alle Abwasserleitungen und auch Leerrohre unter anderem für Telefon verlegt worden sind, können nun die Streifenfundamente für den Neubau angelegt werden, auch die Bodenplatte des Heizhauses wird betoniert. In der Woche ab 8. Juni ist dann die 1500 Quadratmeter große Bodenplatte des Spatzennestes an der Reihe. Und wenn weiterhin alles so gut läuft, setzen die Maurer ab Mitte Juni die ersten Mauersteine.

Vorbereitung des Umzuges nach Klietz

Für das Erzieherteam um Leiterin Anja Marschall-Skuppin beginnt langsam der Umzugs-Countdown. Alles soll bestens für den Wechsel der 56 Spatzen ins Klietzer Storchennest vorbereitet sein. Dort gibt es Platz für so viele Gäste, weil die Hortkinder ins benachbarte Schulgebäude ziehen, wo noch einige Bauarbeiten zu tätigen sind. Der Zeitplan ist eng bemessen, muss aber funktionieren, um im Sommer 2021 in Schönhausen fertig zu sein.

Nicht mit umziehen werden die 21 Mädchen und Jungen der ältesten Gruppe von Angela Hensche und Heidi Kindscher, die im Sommer zur Schule wechseln. Sie wollten eigentlich noch auf Abschlussfahrt nach Buch gehen – wegen Corona abgesagt. Noch festgelegt werden muss, in welchem Rahmen der Abschied aus dem Kindergarten für die Abc-Schützen stattfindet.