Ehrenbekundung

Kniefall des Blauen Herzens am Sowjetischen Ehrenmal in Havelberg

Ein neues Gesteck - als Ersatz für die in der Nacht zu Sonntag zerstörten Kränze und Gestecke - liegt seit gestern am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Platz des Friedens in Havelberg.

Das Blaue Herz und Hans-Joachim Frey als Vorstandsmitglied des Havelberger Blaue-Herzen-Vereins knieten am Sowjetischen Ehrenmal  in Ehrfurcht nieder, als sie  für die in der Nacht zum Sonntag zerstörten Kränze und Gestecke ein neu angefertigtes Gesteck anlässlich des Tages der Befreiung vom Hitlerfaschismus ablegten.
Das Blaue Herz und Hans-Joachim Frey als Vorstandsmitglied des Havelberger Blaue-Herzen-Vereins knieten am Sowjetischen Ehrenmal in Ehrfurcht nieder, als sie für die in der Nacht zum Sonntag zerstörten Kränze und Gestecke ein neu angefertigtes Gesteck anlässlich des Tages der Befreiung vom Hitlerfaschismus ablegten. Foto: Dieter Haase

Dieter HaaseHavelberg

Entsetzen und Empörung hat die Schandtat von bisher Unbekannten am Sowjetischen Ehrenmal am Platz des Friedens in Havelberg ausgelöst. Denn am Sonnabendabend waren die hier anlässlich des Kriegsendes vor 76 Jahren, auch Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus genannt, in ehrendem Gedenken an die Opfer abgelegten Kränze und Gestecke entwendet worden. Die auseinandergerissenen Reste davon hatten der oder die Täter anschließend entlang des Gehweges bis zur Domtreppe hin verteilt - ein abscheulicher Anblick.

Anzeige bei der Polizei erstattet

Klaus-Dieter Weiß vom Ortsverband der Partei Die Linke verurteilt diese Schandtat auf das Schärfste. „So etwas Hirnloses habe ich noch nicht erlebt“, kommentierte er. „Wenn Jugendliche dafür verantwortlich sein sollten, dann haben sie sich offensichtlich überhaupt nicht mit der Geschichte beschäftigt und keine Ahnung davon, wofür der 8. Mai in jedem Jahr steht.“ Anzeige bei der Polizei wollte Klaus-Dieter Weiß am Montag auch noch erstatten.

Wahlplakate der Partei in Havelberg verunstaltet

„Insgesamt 14 Wahlplakate unserer Partei, davon allein sechs am Wochenende, sind mittlerweile von Unbekannten verunstaltet oder zerstört worden. Solchen Unfug lassen wir uns natürlich nicht gefallen. Die Täter müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden. Und die, die das hier am Platz des Friedens angerichtet haben, natürlich auch.“

Augenzeugen werden gesucht

Die Polizei hat die Ermittlungen in beiden Fällen aufgenommen. Über Beobachtungen von Zeugen und andere Hinweise, die zur Überführung der Täter führen, würden sich die Beamten sehr freuen. Jeder Polizist kann diesbezüglich angesprochen werden. Einsichtige Täter könnten sich auch selbst stellen, sich für das Getane entschuldigen und Schadensersatz leisten.

Ein Angriff auf die Demokratie

Hans-Joachim Frey vom Vorstand des Havelberger Vereins „Blaue Herzen für Kinderfreundlichkeit“ konnte den Frevel am Sonntagmorgen erst gar nicht glauben. „Ich bin sowas von wütend! Welche Beweggründe hat es nur für diese Zerstörungswut gegeben?“ Frey vermutet, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche gehandelt haben könnte, „unter Alkohol und möglicherweise auch unter Drogeneinfluss, wodurch sie gar nicht darüber nachdachten, was sie eigentlich anrichteten. Für mich ist das absolut keine Achtung vor der Geschichte und ein gezielter Angriff auf die Demokratie.“

Spontanes Gedenken am Montag

Kurzerhand entschied er sich, am Montag in eigener Initiative am Ehrenmal noch einmal ein Gesteck in Gedenken an die gefallenen Soldaten der russischen Armee niederzulegen. Er selbst sowie das Blaue Herz machten dazu einen Kniefall vor dem Ehrenmal. „Damit wollen wir ein Zeichen zur Ehrung der Gefallenen und des Tages der Befreiung setzen.“

„Das ist wirklich unerhört und eine absolute Schande“, kommentierte Ulrich Ziegler, früherer Havelberger Wehrleiter, die Tat vom Sonnabendabend.