Havelberg l „KMG Kliniken betreiben die Klinik in Havelberg weiter, wenn sie zur Bewältigung der Corona-Krise einen wichtigen Beitrag leisten kann.“ Das ist die Überschrift der Pressemitteilung, mit der KMG auf die Aussagen des Betriebsratanwaltes des Krankenhauses reagiert. Dieser hatte von dem Interessenausgleich berichtet, in dessen Folge die Mitarbeiter nun ihre Kündigungen erhalten sollen, und die beabsichtigte Schließung trotz Corona-Krise kritisiert. Das wiederum kritisiert die KMG und verweist auf die Anfrage beim Sozialministerium Sachsen-Anhalt vom vergangenen Freitag, ob das Krankenhaus als relevant eingeschätzt wird. Vom Ministerium war auf Volksstimme-Nachfrage zu erfahren, dass das Schreiben am Montag eingegangen ist und nun fachlich bewertet wird. Generell gelte: „Für die Versorgung schwerkranker Corona-Patienten ist das Krankenhaus Havelberg auch heute schon nicht ausgelegt. Das Krankenhaus hält keine Intensivstation vor.

Als Gesundheitsstandort wird Havelberg jedoch weiter gebraucht. Die zentrale Frage derzeit ist, ob der Landkreis das Krankenhaus in kommunale Trägerschaft zurück nimmt oder nicht. Alles Weitere ist zu entscheiden, wenn dieser Punkt geklärt ist. Als Gesundheitsministerium haben wir immer betont, einen Umbau des Standorts zu einem modernen, sektorübergreifenden Gesundheitszentrum zu unterstützen.“

Wie KMG weiter mitteilt, hatte das Unternehmen den Betriebsrat und dessen Rechtsanwalt ausdrücklich auf diese Anfrage hingewiesen und betont, „dass KMG selbstverständlich flexibel auf die Situation reagieren wird und sich hierzu mit dem Land abstimmt. Die am 14. März geführten Verhandlungen waren gleichwohl erforderlich, um eine Handlungsgrundlage für den Fall zu schaffen, dass die Klinik in Havelberg nicht in die Lage versetzt wird, einen aktiven Beitrag zur stationären Versorgung von Corona Patienten zu leisten.“

Brief an Politiker

Zutreffend sei, dass Räume, in denen Corona-Verdachtsfälle gegebenenfalls provisorisch isoliert werden sollen, wegen Sanitärarbeiten in den Decken gesperrt werden sollten. Diese Arbeiten werden bis auf weiteres verschoben. Vorstandsvorsitzender Stefan Eschmann: „Ich finde es unverantwortlich, dass die Corona-Krise instrumentalisiert wird. Die geplante Umwidmung des Krankenhauses in ein Seniorenheim stellt uns alle vor große Herausforderungen. Gleichwohl ist es nicht akzeptabel, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Ich hoffe, dass jetzt alle wieder zur Sachlichkeit zurückkehren. Dies sind wir unseren Patienten und den Menschen in der Region schuldig.“

Weil sie das Krankenhaus in Gefahr sehen, haben der Betriebsrat und Mitarbeiter des Krankenhauses am Montag einen Brief an den Landtagsabgeordneten Wulf Gallert (Linke) geschrieben, der zudem an Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD), den künftigen Landrat Patrick Puhlmann (SPD) und Bürgermeister Bernd Poloski (Parteilos) gegangen ist. Darin heißt es unter anderem: „Wir unterstützen mit allem Nachdruck Ihren Antrag, den Krankenhausbetrieb in dieser Ausnahmesituation aufrecht zu erhalten. Es ist eine fahrlässige und verantwortungslose Handlungsweise des KMG-Konzerns, die Mitarbeiter in dieser Zeit, wo jede Kraft im medizinischen Bereich gebraucht wird, zu entlassen und darüber hinaus das Krankenhaus zu schließen. Wir haben die Befürchtung, dass die KMG das Krankenhaus kurzfristig schließen will und das freiwerdende Personal in anderen KMG-Kliniken einsetzen wird. Das darf nicht passieren. Wir müssen für die Menschen in dieser Region ein Anlaufpunkt bleiben und die medizinische Versorgung gewährleisten. Auch wenn durch das Missmanagement der KMG viele Leistungen im Haus nicht mehr erbracht werden können, sind wir dennoch hier vor Ort in der Lage, Patienten mit einer leicht verlaufenden Corona-Erkrankung zu behandeln und auch Notfall-OPs durchzuführen. In den drei Isolier-Zimmern mit dazugehörigen Schleusen können wir Verdachtsfälle erst einmal medizinisch grundversorgen etwa mit Abstrich, fiebersenkenden Mitteln, Schmerzmittelgabe, Vitalfunktionsüberwachung.