Havelberg l Die Mitarbeiter des Havelberger Krankenhauses wissen offiziell immer noch nicht, dass das Haus seit 1. September geschlossen ist. „Wir haben die Informationen aus der Zeitung. Wenigstens schriftlich hätten sie uns das mitteilen können“, findet Karola Schulze. Sie und Kerstin Beyer sind die beiden letzten verbliebenen Schwestern, die am Dienstag zum Dienst erschienen sind. „Wir räumen die Medikamente aus, morgen übergeben wir sie dem verantwortlichen Mitarbeiter.“

Alle Mitarbeiter seien traurig, dass das Krankenhaus nun tatsächlich – einen Monat eher als zuletzt von der KMG vorgesehen – geschlossen ist. „Wir haben gewusst, was auf uns zukommt, aber wenn der Tag ran ist, ist das noch mal was anderes. Dieses ganze Theater hätte es gar nicht geben müssen. Die ursprünglich von KMG geplanten 37 Betten und das Pflegeheim wären eine gute Lösung gewesen“, findet Karola Schulze. Dass keine Ärzte gefunden worden sein sollen, könnten die Mitarbeiter nicht nachvollziehen.

„Wir hatten sogar einen Chefarzt“, berichtet sie, dass die Mitarbeiter mit Blick auf eine Übernahme des Krankenhauses durch den Landkreis oder einen neuen Träger eine Liste mit möglichen Mitarbeitern angefertigt hatten. Auch Ärzte und Pflegepersonal standen darauf. Es gab eine Röntgenabteilung, die bei der Auswertung von MRT und CT unterstützt hätte. „Wir hatten auch ärztliche Kollegen aus Berlin, die uns Unterstützung zugesagt hatten. Mit der Mitteilung des Landrates an uns am 23. Juni, dass es kein Krankenhaus mehr geben wird, haben wir ihnen allen absagen müssen.“

30 Jahre war Karola Schulze im Krankenhaus tätig – 20 Jahre auf der Intensivstation und zehn Jahre in der Funktionsdiagnostik. Kerstin Beyer arbeitete 37 Jahre dort, war Stationsleiterin auf der Inneren II. „So ein jähes Ende. Und dass wir von der Schließung wieder nur aus der Presse erfahren haben, ist traurig.“

Donnerstag Aktive Mittagspause

Den Kampf um ein adäquates Angebot zur Gesundheitsversorgung geben beide, ebenso wie weitere Mitarbeiter und Bürger, nicht auf. Deshalb soll ein Verein „Pro Krankenhaus Havelberg“ gegründet werden. Die Idee dazu hatte Holger Schulz vom Demo-Team. „Bisher haben vor allem die Mitarbeiter den Protest getragen. Nun gehen sie nach und nach auseinander. Wir finden uns mit der Schließung nicht ab und wollen im Verein weiter für die medizinische Grundversorgung kämpfen“, sagt er. Er würde den Vorsitz übernehmen. Genug Gründungsmitglieder sind vorhanden. „Als Verein wollen wir uns für die Rekommunalisierung von Krankenhäusern einsetzen und Druck auf die Politik ausüben“, sagt Karola Schulze.

Bis zur Kreistagssitzung zur Zukunft des Krankenhausstandortes am 24. September gehen die Aktiven Mittagspausen donnerstags um 12 Uhr weiter. Die Mitarbeiter wünschen sich, dass noch mehr Bürger daran teilnehmen.