Havelberg l „Das Gesundheitsunternehmen KMG beobachtet mit Interesse die aktuelle Debatte um die Zukunft des bisherigen Krankenhausstandortes Havelberg“, teilte Unternehmenssprecher Franz Christian Meier gestern mit. Zugleich beklagt das Unternehmen, dass mit ihm „trotz immer wieder bekundeter Bereitschaft bislang kein einziges konkretes Gespräch geführt wurde, wie der Standort künftig sinnvoll und nachhaltig gestaltet werden könnte“. KMG stehe zu seinem Wort, die Krankenhausgesellschaft an den Landkreis Stendal für einen Euro zu veräußern und verweist darauf, dem Landkreis bereits im März einen Vertragsentwurf zur Verfügung gestellt zu haben.

Nicht mal mehr zwei Ärzte in Vollzeit

Wie die Volksstimme berichtet hatte, gab es in den vergangenen Wochen Gespräche zwischen KMG und den beiden möglichen Trägern/Betreibern Johanniter und Salus gGmbH. „Bislang hat es mit Salus nur ein Kennenlerngespräch und mit den Johannitern ein Kennenlerngespräch und einen ersten Austausch gegeben“, heißt es dazu auf Nachfrage von KMG. „Konkrete Verhandlungen haben bislang nicht stattgefunden.“

Auf die Frage zum Vertragsentwurf, der für den Landkreis nicht einfach zu befürworten scheint, und was denn, wie auch in der Landtagsdebatte zum Krankenhausrückkauf benannt, unter „einem Euro plus x“ zu verstehen sei beziehungsweise wie groß „x“ denn wäre, antwortet KMG angeboten zu haben, die Betreibergesellschaft des KMG Klinikums Havelberg für einen Euro zu verkaufen. „Die Situation der Krankenhausgesellschaft ist dem Landkreis im Wesentlichen bekannt und es hängt von den Plänen des Landkreises ab, wie damit zu verfahren ist beziehungsweise, wie einzelne Positionen sich entwickeln.“

Das Unternehmen verweist des weiteren darauf, dass es seit Bekanntgabe der Schließungspläne deutlich gemacht habe, alle Überlegungen zum Standort Havelberg offen und konstruktiv zu prüfen und zu begleiten. „Dieses Angebot wurde bislang nicht ernsthaft verfolgt. Hätte im März noch über die Übernahme eines Krankenhausbetriebes verhandelt werden können, beschäftigt die Klinik in Havelberg heute nicht einmal mehr zwei Ärzte in Vollzeit.“ Das bedeute, dass von den fest angestellten Ärztinnen eine in Vollzeit arbeitet, die andere in Teilzeit, da sie darüber hinaus im Medizinischen Versorgungszentrum MVZ beschäftigt ist.

Geriatrie ist für KMG nicht akzeptabel

Die Dienstabdeckung sei nur mit externen Ärzten zu gewährleisten. Im Juli waren im Schnitt vier Patienten stationär aufgenommen. Im Bereich Pflege ist aktuell mindestens eine examinierte Pflegekraft pro Schicht im Einsatz. Die Notfallaufnahme bestehe als Anlaufstelle fort. Der Rettungsdienst fahre jedoch zunehmend umliegende Krankenhäuser an. Aufgrund des eingeschränkten Leistungsspektrums sei in vielen Fällen eine Weiterverlegung in andere Krankenhäuser notwendig, beschreibt KMG die aktuelle Situation auf Nachfrage.

Deutlich machen die KMG Kliniken, dass sie nicht bereit seien, ein Konzept mitzutragen, in dem eine stationäre Geriatrie (Altersheilkunde) eine Rolle spielt. „Wir haben in den vergangenen Jahren viele Gespräche geführt, wie der Standort Havelberg für die gesundheitliche Versorgung weiterentwickelt werden könne. Hierbei hatte KMG die Errichtung einer stationären Geriatrie oder die Bereitstellung von Betriebskostenzuschüssen vorgeschlagen – Lösungsansätze, die nun ins Spiel gebracht wurden. Es ist für uns nicht akzeptabel, wenn ein neuer Betreiber ein Konzept umsetzen kann, das auch uns in die Lage versetzt hätte, das Krankenhaus dauerhaft zu betreiben und das uns in der Vergangenheit versagt wurde.“

Da momentan nicht erkennbar sei, dass in den kommenden zwei Monaten mehr Dynamik in den Prozess kommt als im zurückliegenden halben Jahr seit dem Bekanntwerden der Schließungsabsicht, treibt KMG die Pläne weiter, am 1. Oktober dieses Jahres ein Seniorenheim am Standort Havelberg zu eröffnen. „Ein Vorhaben, das bereits 2013 zwischen KMG und unter anderem dem Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt vertraglich vereinbart worden war. Sollte es wider Erwarten zu ernsthaften Gesprächen über die Übernahme der Einrichtung durch den Landkreis kommen, wird KMG diesen Gesprächen gleichwohl selbstverständlich offen gegenüberstehen.“

Die Bauarbeiten für das Seniorenheim, in dem 58 Plätze vorgesehen sind, wurden wieder aufgenommen. Mitarbeiter konnten schon dafür gewonnen werden, heißt es auf Nachfrage.

Suche nach Orthopäde

Auf die Frage, welche medizinischen Leistungen die Bürger noch erwarten können, kommt es tatsächlich zu keiner Lösung durch den Landkreis und das Krankenhaus wird zum Seniorenheim, antwortet KMG: „Wir beabsichtigen auch weiterhin, ambulante medizinische Leistungen im Rahmen unseres MVZ am Standort Havelberg anzubieten – so, wie wir dies immer gesagt haben. Es ist bekannt, dass wir aktuell versuchen, die vakante Stelle in der orthopädischen Praxis nachzubesetzen.“