Havelberg l Um den Patient Krankenhaus drehte sich am Montagabend die MDR-Sendung „Fakt ist!“ live aus Magdeburg. Es dürften viele Menschen aus der Elb-Havel-Region vor dem Fernseher gesessen haben, um die Diskussion zur Zukunft der Krankenhauslandschaft mit zu verfolgen. Wer die Sendung verpasst hat, kann sie sich in der Mediathek anschauen. Es lohnt sich schon unter dem Aspekt, dass verschiedene Facetten zu dem Thema beleuchtet worden sind.

Eine Antwort, wie es ganz konkret mit dem Krankenhaus in Havelberg weitergehen soll, gab es in der Sendung natürlich nicht. Aber eine Richtung, in die es vielleicht gehen könnte. Einen entscheidenden Satz sagte der Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt Prof. Dr. Wolfgang Schütte ganz zum Schluss der Sendung auf die Frage von Moderatorin Anja Heyde zur Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Land: „Wenn wir sie in hoher Qualität halten wollen, müssen wir in Zukunft die sektorale Trennung überwinden. Denn alleine als Krankenhaus wird es nicht funktionieren. Wir brauchen hier die Verzahnung mit der ambulanten Medizin.“ Eine Richtung, die für Havelberg eine Lösung sein könnte.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte in der Sendung, dass nicht alle 47 in der Krankenhausplanung des Landes ausgewiesenen Krankenhäuser erhalten werden können, aber die 47 Standorte zur medizinischen Versorgung. Da wäre Havelberg also mit drin. Zu Havelberg machte sie deutlich, dass dieses Krankenhaus der Grundversorgung diente, mit Chirurgie, Innerer Medizin und Notfallversorgung. „Es war wichtig für die Notfallversorgung und für die Dinge, wo man nicht weit fahren muss und keine Spezialisierung benötigt. Das wollen wir auch in Havelberg erhalten.“

Definition unklar

Ob als Krankenhaus wäre die Frage, denn die Definition sei nicht klar, was ein Krankenhaus ist. Aber zumindest ein Gesundheitszentrum soll bleiben. Darüber werde sie am Freitag dieser Woche weiter mit dem Landrat sprechen, kündigte die Ministerin an.

Von den fünf Havelbergern, die in die Sendung eingeladen worden sind, kamen drei zu Wort. Als Erster sollte Bürgermeister Bernd Poloski sagen, was eine Schließung des Krankenhauses bedeuten würde. Er sprach von einem gravierenden Einschnitt in die soziale Infrastruktur und von dem sogenannten Haltefaktor, der damit verloren gehen würde. Bürger würden sich überlegen, ob sie in Havelberg bleiben oder überhaupt hierher ziehen. Und er machte auf die Entfernungen zu nächsten Kliniken aufmerksam, die mindestens 40 Kilometer betragen. Einen Öffentlichen Personennahverkehr ins Brandenburgische, wo die Kliniken sich befinden, gibt es nicht. Das große Problem: Es gibt im Moment keine Perspektive, wie die medizinische Versorgung abgesichert werden soll.

Krankenschwester Anja Graff sprach das Recht der Bürger auch im ländlichen Bereich auf eine hochwertige medizinische Versorgung an. Rosemarie Busse, die die Bürgerinitiative mit ins Leben gerufen hat, berichtete von den Ängsten vor allem älterer Bürger angesichts der angekündigten Schließung. Auf ihre Frage, was passiert, wenn der Rettungswagen gerade für einige Stunden mit einem Patienten unterwegs ist, gab es zwar keine konkrete Antwort. Allerdings scheint Einigkeit darüber zu bestehen, dass vor der Schließung eines Krankenhauses die Alternativen geklärt sein müssten.

Betriebsratsvorsitzende Sandra Braun sagte im Nachhinein im Gespräch mit der Volksstimme, dass die Havelberger gern noch mehr zum Thema gesagt hätten. Aber die Aufmerksamkeit, die sie dort bekommen haben, sei so schon gut gewesen. Sie hatte noch kurz die Möglichkeit, mit der Ministerin zu sprechen und fragte, ob sie zum Termin am Montag im Sozialministerium noch jemand mitbringen kann. Das sei überhaupt kein Problem, sagte ihr Petra Grimm-Benne zu. „Wir wollen gern mit fünf Leuten zu ihr fahren.“