Havelberg l Nach einer kurzen Pause über den Jahreswechsel legen die Mitglieder des Vereins „Pro Krankenhaus Havelberg“ nun wieder richtig los. Am  Donnerstag, 14. Januar, findet der erste Protest im neuen Jahr auf dem Domplatz statt. Interessierte Bürger sind dazu um 12 Uhr willkommen. Betriebsratsvorsitzende Sandra Braun hat sich mit einem Brief an ihre ehemaligen Kollegen gewandt. Die Botschaft darin lautet: „Die Tür ist noch nicht zu!“

Am 10. Januar war es genau ein Jahr her, dass sich die Nachricht von der beabsichtigten Schließung des Havelberger Krankenhauses verbreitet hat. In dem Brief, der nach einer virtuellen Konferenz mit Vereinsmitgliedern geschrieben wurde, resümiert sie den Kampf um den Erhalt und berichtet über Dinge, die die Mitarbeiter gelernt haben in dem zurückliegenden Jahr. Etwa, dass es bei der Bertelsmann-Stiftung nicht um Bücher, sondern um Empfehlungen zur Runterregulierung der Krankenhauslandschaft geht, oder, dass Krankenhausträger für Schließung von Stationen oder ganzen Häusern Belohnungsgeld vom Staat bekommen.

Mitglieder befürworten Runden Tisch

„Wir hatten uns doch bis dato in Sicherheit gewähnt. Wir waren naiv und ahnungslos. Und nun befinden wir uns mittlerweile ein Jahr im Kampf um eine medizinische Grundversorgung hier in der Region Havelberg, für 20 000 Menschen und für die Rekommunalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland.“

Im ihrem weiteren Kampf stehen Vereinsmitglieder mit verschiedenen Leuten im Kontakt. Wie Sandra Braun und die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anke Görtz berichten, hatten sie zum Beispiel ein Telefonat mit dem Geschäftsführer der Salus-Landesgesellschaft Hans-Joachim Fietz-Mahlow. Salus ist neben den Johannitern als möglicher Partner für eine Fortführung der medizinischen Versorgung in Havelberg im Gespräch. Kontakt haben sie zudem aufgenommen mit der Staatssekretärin im Sozialministerium Beate Bröcker (SPD) und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt Dr. Jörg Böhme (CDU), der dem Stendaler Kreistag angehört. Mit einem weiteren Kreistagsabgeordneten steht der Vorsitzende des Vereins „Pro Krankenhaus“ Holger Schulz in Verbindung. Henning von Katte von Lucke (Pro Altmark) hatte in einer Kreistagssitzung einen Runden Tisch zum Thema Krankenhaus Havelberg angeregt. „Ich habe ihm geschrieben, dass wir einen solchen befürworten, um dem momentanen politischen Stillstand entgegenzuwirken und von ihm auch schon Antwort bekommen“, berichtet Holger Schulz. Er rechnet damit, dass im nächsten Kreistag der Runde Tisch vorgeschlagen wird. An diesem würde der Verein dann gern mitwirken.

Bundesweites Netz, um Lobby zu erhalten

Am Laufen ist auch immer noch der Klageweg des Vereins gegen den Landrat mit dem Ziel, dass der Landkreis seiner Pflicht zur Gesundheitsversorgung nachkomme. Das Sozialgericht hatte die Klage an das Verwaltungsericht verwiesen. Dieses habe ein Antwortschreiben vom Landrat angefordert und bekommen, berichtet Holger Schulz weiter. „Jetzt warten wir darauf zu erfahren, ob das Verwaltungsgericht die Klage annimmt.“ Der Verein wird beim Klageweg von einem Rechtsanwalt vertreten.

Weil sich der Verein neben dem Kampf um eine 24-Stunden-Medizinversorgung an sieben Tagen in der Woche in Havelberg auch die Rekommunalisierung von Krankenhäusern auf die Fahnen geschrieben hat, nehmen Mitglieder Kontakt zu anderen geschlossen Krankenhäusern auf. Allein im vorigen Jahr wurden bundesweit 20 Kliniken geschlossen. „Es ist immer die gleiche Verfahrensweise, es wird am Geld und am Personal gespart und dann geschlossen, da steckt System hinter“, sagt Sandra Braun. „Wir wollen Kontakt mit diesen Einrichtungen aufnehmen, um Meinungen und Ideen auszutauschen. Vielleicht entwickelt sich daraus ein bundesweites Netz, das uns so stärkt, dass wir eine Lobby im Landtag oder im Bundestag bekommen.“