Havelberg l Weil es unter den aktuellen Pandemiebestimmungen schwierig ist, sich mit mehreren Leuten zu treffen, hat der Verein „Pro Krankenhaus Havelberg“ beschlossen, wieder jeden Donnerstag um 12 Uhr zu einem Protest auf dem Domplatz einzuladen. Vis-à-vis dem Krankenhaus fanden sich nicht nur Vereinsmitglieder ein, um sich über den aktuellen Stand der Aktivitäten im Kampf für eine vernünftige medizinische Grundversorgung in der Hansestadt zu informieren.

Ein Thema, das Lothar Frontzek, SPD-Stadtratsmitglied, erwähnte, stimmt die Protestierenden nachdenklich. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim will das Krankenhaus in Crivitz kaufen und soll dabei vom Land Mecklenburg-Vorpommern mit sechs Millionen Euro unterstützt werden. „Das zeigt, wie es auch gehen kann“, sagte er. Für die Zukunft der stationären medizinischen Versorgung in Havelberg gibt es dagegen auch zehn Monate nach Bekanntgabe der Schließungspläne durch die KMG noch keinen konkreten Plan, wie es weitergehen könnte. Das Krankenhaus ist seit Anfang September geschlossen.

In Crivitz hatte der Kreistag im Juni beschlossen, das ebenfalls privat geführte Krankenhaus zu kaufen. Laut „NDR.de“ will das Land den Kauf ­finanziell unterstützen. „Es ist richtig, dass die kommunale Hand hier wieder Verantwortung übernimmt“, wird die Ministerpräsidentin aus einer Pressekonferenz am Dienstag dieser Woche zitiert. Für das Klinikum geht es auch darum, die Geburtshilfe wieder zu eröffnen. Diese hatte der Klinikbetreiber im Sommer geschlossen. Wie in Havelberg gibt es auch in der 5000 Einwohner zählenden Stadt, die mittig zwischen Schwerin und Parchim liegt, eine Bürgerinitiative, die sich für das Krankenhaus einsetzt.

„Warum geht in Havelberg nicht, was in Crivitz geht“, fragt nicht nur die Betriebsratsvorsitzende des ehemaligen Krankenhauses Sandra Braun. Sie ist von SPD-Stadtrat Jürgen Kerfien vorgeschlagen für den Reinhard-Höppner-Engagementpreis, der am 2. Dezember im Land vergeben wird. Vereinsvorsitzender Holger Schulz berichtete von dem Brief, den er an Sozialministerin Petra-Grimm Benne (SPD) geschrieben hat. Darin geht es um den Antrag der KMG, den Konzern aus seinem Versorgungsauftrag zu entlassen. Er gibt zu bedenken, dass das Klinikum für Havelberg endgültig verloren sei, wenn es als sogenanntes Plankrankenhaus mit Mitteln aus dem Krankenhausstrukturfonds geschlossen wird. Das Ministerium möge vor einer Entscheidung des Sozialgerichts zur Klage des Vereins gegen den Landrat mit dem Ziel, das Krankenhaus zu erhalten, einer endgültigen Schließung nicht zustimmen.