Kamern l Die Küchenspione schauten hier im Monat September der Köchin Claudia Michler über die Schulter.Daniela und Norbert Poley sind neu im Gastronomiegeschäft. Der Kiosk in Kamern, der viele Jahre von Schindlers betrieben und nach der Flut umfassend saniert werden musste, stand zum Verkauf. Also wagten Poleys den Schritt in die Selbstständigkeit. „Wir können nicht warten, bis jemand kommt, sondern müssen selbst etwas tun“, dachte sich das Ehepaar, als im Dorf auch noch der Konsum geschlossen wurde. Beide sind Justizvollzugsbeamte, hatten zuletzt in Bielefeld gearbeitet, 2010 sind sie nach Kamern gekommen – zurück fast in die Heimat von Daniela Poley, die in Kuhlhausen aufgewachsen ist. Dass das achte Kind unterwegs war, hielt das Paar nicht davon ab, das Gasthaus samt Kiosk für die Eröffnung am 5. Mai dieses Jahres fit zu machen. Warum sie es „Gasthaus mit Gewissen“ nennen? „Wir zahlen unseren Mitarbeitern mehr als den Mindestlohn, wir zahlen auch gern mal etwas mehr für ein Produkt, wenn es von unserem Nachbarn kommt und nicht vom Großmarkt, wir achten darauf, Lieferanten bei kleinen mittelständischen Unternehmen in der näheren Umgebung zu suchen, unsere Handwerker kommen aus der Region.“

Lieferanten für frische Produkte sind Kamernsche Gartenbesitzer und auch der Schulgarten der Freien Schule.

Hier starteten die Küchenspione auch mit ihrer Tour. Lehrerin Janett Jagott begrüßte die Spione Björn Gäde vom Leader-Management der Lokalen Aktionsgruppe Elb-Havel-Winkel und Jenny Freier, Tourismusmanagerin Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. Begleitet wurden sie von den beiden Berliner Bloggern Clemens Matuschek und Antonia Litera. Ihren Beitrag über Kamern findet man unter www.stadtlandflair.de. In ihren Bloggs widmen sie sich „den schönen Dingen des Lebens“. Dazu gehört neben Lifestyle, Urlaubszielen oder Deko-Tipps auch Kulinarisches. Nachhaltigkeit ist ihnen dabei wichtig – in Kamern waren sie damit genau richtig!

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Claudia Michler gehört zum Team des Gasthauses und steht am Herd in der noch kleinen Küche, die im kommenden Winter erweitert wird. Poleys wollen versuchen, auch in der kalten Jahreszeit Gäste an den See zu locken, als Einkaufsmöglichkeit dient der Kiosk ohnehin nicht nur den Bewohner des Campingsplatzes und den Badegästen, sondern auch den Einwohnern der Seegmeinde. Ausgebildete Köchin ist Claudia Michler aus Neukamern nicht, hat aber viele Jahre Erfahrungen, unter anderem 13 Jahre in der Schweiz. Die Heimat lockte die Frau mit den Tattoos und Piercings und dem ansteckenden Lachen zurück. Zusammen mit Nadine Jahs und Manuel Albrecht gehört sie zum Team von Poleys. Den Sommer über mit bestem Badewetter hatten sie alle Hände voll zu tun. Nun wird es etwas ruhiger. Aber das Restaurant bleibt donnerstags bis sonntags von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Und gekocht wird täglich, denn die Kinder der Freien Schule bekommen das Mittagessen von hier geliefert – zubereitet mit regionalen Produkten.

Die kamen auch beim Kochen mit den Küchenspionen zum Einsatz: Fleisch vom Ferchländer Schwein, Mangold aus dem Schulgarten, Kartoffeln und Zwiebeln „von nebenan“. Auch die Gurken für die Vorspeise: Gurkensuppe. Die war ein erfrischender Auftakt, bevor dann deftiges überbackenes Steak mit mangoldgemüse und Rosmarinkartoffeln aufgetischt wurde. Das kann jeder schnell und einfach nachkochen, „und es schmeckt!“ befanden die Spione und Blogger, als sie am Tisch mit Blick auf den See zum Speisen Platz nahmen. Die Blogger sahen sich dann noch das Grüne Haus von Stefanie Wischer an und machen eine Bootsfahrt auf dem See – das rundete den guten Eindruck von Kamern ab.

Dreimal sind die Küchenspione noch unterwegs: Im Oktober in der „Garzer Hafenkante“, im November im Klietzer „Seeblick“ und im Dezember bei Ans Briesenick als Frau Harke in Molkenberg.

Das Projekt Küchenspione ist für den Tourismuspreis Sachsen-Anhalts nominiert. Dafür kann man www.elbhavelwinkel.com, Rubrik „Service“, Küchenspione, voten.