Havelberg l „Mein Name ist Helga T.“ ist der Titel eines neuen Projektes von Künstlern, das beim Kulturprojekt Stadtinsel im vergangenen Herbst gestartet ist und mit dem die Geschichte des Vereinsdomizils in der Langen Straße 10, in der sich die Buchstation befindet, aufgearbeitet werden soll. Am Mittwoch, 11. April, wird mit einem Lichtbildervortrag zu einer ersten öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Heinz Sporkhorst, der mit Anke Leonhardt und Britta Lehmann an dem vom Land Sachsen-Anhalt geförderten Projekt arbeitet, geht dabei der Frage nach: „Bitterfelder Weg“ in Theorie und Praxis – gab es ihn auch in Havelberg?

Die drei Künstler aus Berlin erforschen die Geschichte des Hauses anhand derer, die dort gewohnt beziehungsweise gearbeitet haben, und arbeiten damit ein Stück Kulturgeschichte auf. Von zahlreichen Zeitzeugen haben sie bereits interessante und bewegende Geschichten erzählt bekommen, die Einblick in das Leben der Menschen geben. Außerdem sind geschichtsträchtige Fundstücke der Firmengeschichte der jeweiligen Nutzer zu Tage befördert worden, nach dem Motto: Der Dachboden als Tresor der Zeitgeschichte. Die Gespräche und die Fundsachen sind Grundlage für weitere Veranstaltungen und eine Ausstellung, kündigen die Künstler an.

Kurt Henschel wird Erwähnung finden

Das Haus Lange Straße 10 hat vielen Epochen der Geschichte standgehalten und gerade ist nach der Winterpause die Buchstation wiedereröffnet worden. Begonnen hat die Geschichte einst mit der Sattlerei von Friedrich Wilhelm Schulz, die er 1868 in der Langen Straße 8 gegründet hatte. Dazu gehörten eine Polsterei und ein Lederwarengeschäft, später kam die Nummer 10 dazu. „Polstermöbel, Raumgestaltung, Dekoration“ stand in großen Lettern über den Schaufenstern. Zu DDR-Zeiten wurde die PGH „Raumgestaltung“ gegründet, die Anfang der 1960er Jahre in den Schönberger Weg zog und 1972 zum Volkseigenen Betrieb „Polstermöbel“ wurde. Nach der Wende entstand dort die Havelberger Polsterbetten GmbH Hapo, die noch heute produziert. In der damaligen Ernst-Thälmann-Straße 10 wurden noch Reparaturen ausgeführt und es gab eine Annahmestelle für Täschnerwaren. Anfang der 1990er Jahre zog die Elektrotechnik-Elektronik GmbH als Nachfolger des VEB Rediko mit einem Elektrogeschäft dort ein. Es war dann wieder die Lange Straße 10.

Der Lichtbildervortrag „Bitterfelder Weg“ soll einen Überblick über Malerei und Kulturarbeit in der DDR geben und im Kontext des Projekts einen wichtigen Aspekt des kulturpolitischen Zeitstrahls darstellen. Auch wenn das Haus bisher selbst eher keine kunsthistorische Fundgrube ist, werden doch heute die ehemaligen Warenlager und Nebengebäude der Langen Straße 10 für künstlerische Zwecke und Veranstaltungen genutzt. Und: Fast gegenüber wohnte der bedeutende Kunstmaler und ehemalige Leiter des Prignitz-Museums Kurt Henschel. In den Betrachtungen über Malerei in der DDR wird auch er Erwähnung finden.

Die Veranstalter freuen sich auf zahlreiche Besucher und eine interessante und anregende Gesprächsrunde am Mittwoch. Sie heißen die Gäste dazu um 18 Uhr in der Galerie Stadtinsel in der Langen Straße 36 willkommen. Der Eintritt ist frei.