Havelberg l Das Programm des Kunstquartiers im Arthotel Havelberg für dieses Jahr war wieder vielfältig. Doch Corona hat den Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das bleibt leider auch so, bedauert Hotelchefin Renate Lewerken. „Wir haben uns schweren Herzens entschlossen, bis auf Weiteres alle kulturellen Veranstaltungen abzusagen. Das betrifft sechs Veranstaltungen, von ­Schüttauf über Klassik bis zum Jazz.“

Für das kommende Wochenende waren zwei Klassikkonzerte unter dem Motto „Kiebitzberg in concert“ geplant. Ende Oktober sollte ein Jazz-Fest mit 15 Musikern auf der Bühne stattfinden. Das Musicaldinner „Ich war noch niemals in New York“, geplant für 17. Oktober, ist auf 2021 verschoben. „Wir haben die achte Verordnung des Landes abgewartet und geschaut, was sie bringt. Auch haben wir gehofft, dass sich die Corona-Situation beruhigt. Das ist leider nicht so. Wir können maximal 80 Personen in den Saal lassen. Das ist zu wenig und wirtschaftlich nicht machbar. Sollen wir die Kartenpreise erhöhen oder den Künstlern sagen, dass sie weniger Geld bekommen, weil weniger Gäste zugelassen sind? Auch wenn wir ein ordentliches Lüftungssystem haben, müssen die Abstände dennoch eingehalten werden“, erklärt Renate Lewerken die Beweggründe für die Absagen.

Fachpersonal fehlt

Viele Veranstaltungen sollen möglichst im kommenden Jahr zur gleichen Zeit stattfinden. Ob das so möglich ist, vermag heute noch niemand zu sagen. Deshalb wird den Besuchern freigestellt, ob sie die gekauften Karten aufheben, sie in einen Restautantgutschein umwandeln oder ihr Geld zurück bekommen wollen. Nach der wochenlangen Zwangspause im Gastro- und Hotelgewerbe hat sich die coronabedingte Besinnung der Urlauber auf den Binnentourismus auch in Havelberg positiv bemerkbar gemacht. Das Hotel ist gut gebucht, auch Busreisen führen wieder in die Hansestadt. Allerdings hat der Lockdown auch mit sich gebracht, dass Fachkräfte noch mehr fehlen als zuvor. Sie suchen sich oftmals in anderen Branchen eine berufliche Zukunft. „Damit stehen wir nicht allein, wie ich aus Gesprächen mit Kollegen und aus der Fachpresse weiß“, sagt Renate Lewerken und berichtet von veränderten Öffnungszeiten und Ruhetagen im Restaurant. Oftmals ist dort abends nur Platz für die Hausgäste, weil weniger Tische stehen dürfen. Von 18 ist die Mitarbeiterzahl auf zwölf gesunken. „Der Freizeitausgleich für die Mitarbeiter ist mir wichtig. Ich würde mich freuen, wenn rüstige Rentner für ein paar Stunden etwa am Morgen aushelfen und sich als gute Fee des Frühstücksbuffets um die Gäste kümmern“, nennt sie ein Beispiel, wo Mitarbeiter benötigt werden. Auch Fachkräfte in Vollzeit sind willkommen. Damit Urlauber und Einheimische in und um Havelberg auch künftig trotz Ruhetagen in Gasthäusern verlässlich Essen gehen können, will sich Renate Lewerken mit anderen Gastronomen abstimmen.

Kunstlos ist das Kunstquartier im Übrigen nicht. In einer Werkschau stellen Künstler aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Malerei und Bildhauerei im Hotel aus.