Havelberg/Sandau l Als „unendliche Geschichte“ bezeichnete Wolfgang Hellwig, amtierender Bürgermeister der Stadt Sandau, die Landrevision der städtischen Elbfähre schon mehrfach. Ursprünglich war geplant, dass sie gleich nach der Sanierung der Ortsdurchfahrt wieder übersetzen soll – also ab September. Doch gab es Probleme beim Entfernen der Farbe, die Revision geriet arg in Verzug. Hinzu kamen diverse vorab nicht entdeckte Mängel, zuletzt wurde bei einem der beiden Motoren ein kapitaler Schaden entdeckt, der nur im Herstellerwerk behoben werden konnte.

Am Montag wurde der generalüberholte 204-PS-Motor vom Drehkran der Werft wieder in den Maschinenraum eingehoben und per Kardanwelle mit dem Schottel-Antrieb verbunden. Mit diesem wird das Wasserfahrzeug, was normalerweise am Gierseil hängt, bei Hochwasser manövriert. Auch hier hatte sich der Liefertermin wegen Corona um anderthalb Wochen verzögert. Dennoch konnte die Kiebitzberg-Werft den zuletzt angepeilten Termin, den 21. Januar, einhalten. Es ist zugleich der Tag, ab dem die Fähre nach der nötigen Tüv-Prüfung theoretisch wieder übersetzen könnte.

Durchfahrtshöhe reicht nicht

Praktisch jedoch hängt die Fähre in Havelberg fest. Denn die Havel ist im Winterstau. Das hat zum einen zur Folge, dass die Durchfahrtshöhe der Sandauer Brücke auf aktuell 5,78 Meter geschrumpft ist. Die Fähre benötigt aber mindestens sechs Meter, wozu das zwei Meter hohe Radar abgebaut werden müsste. Um durch diese Brücke hindurchzukommen, müsste also der Wasserstand der Havel um über 20 Zentimeter abgesenkt werden.

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Doch damit allein ist es leider noch nicht getan. Etwa einen Kilometer weiter wartet das nächste unüberwindliche Hindernis: die Schleuse. Deren havelseitige Einfahrt ist seit Dezember mit Dammbalken versperrt. Der Grund: der niedrige Wasserstand der Elbe. Denn ist der Wasserstand in der Elbe niedriger als jener der Havel, drückt die Havel gegen die Schleusentore – dafür sind diese aber nicht ausgerichtet. Im Normalfall drückt nämlich die höher stehende Elbe gegen die Stemmtore, durch den Wasserdruck schließen diese. Dauert dieser Druck von der falschen Seite länger an, schließen die Tore nicht richtig und es drohen Schäden an der Antriebstechnik.

Und auch der weitaus weitere Weg die Havelberg aufwärts ist versperrt: die Strodehner Brücke ist noch niedriger als die Sandauer Brücke, zudem wären dort die Schleusenbrücken unpassierbar. „Dazu müssten wir das komplette Steuerhaus abbauen und alle Leitungen kappen“, erklärt Fährmann Dirk Jonas. Damit wäre das Wasserfahrzeug aber nicht mehr fahrbereit und müsste geschoben werden.

Havel bleibt bis Ende Mai im Winterstau

Die Havel bleibt bis Ende Mai angestaut. Man könnte aber den Wasserstand kurzzeitig um das erforderliche Maß absenken, war auf Nachfrage von Alexander Helm von der Außenstelle des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Havelberg zu erfahren. Dazu müsste man an der Wehrgruppe Quitzöbel und in der Schleuse, welche zur Durchfahrt der Fähre ohnehin geöffnet werden müsste, Havelwasser in die niedriger stehende Elbe ablassen.

Denn auch die Schleuse kann geöffnet werden, wie Joachim Karp vom Wasser- und Schifffahrtsamt aus Rathenow informierte. Dies sei allerdings ein enormer Aufwand, denn ein Kran und Taucher werden mit benötigt. Etwa einen Tag würde der Abbau der Dammbalken in Anspruch nehmen, danach müssten sie wieder eingebaut werden. Solch Aufwand müsste natürlich gerechtfertigt sein. Zudem müsste vorab geklärt werden, wer die Kosten trägt. Letztendlich entscheidet der Staubeirat darüber – in dem Fall die Wasserbehörde beim Landratsamt in Stendal. „Jetzt ist die Politik gefragt“, meint denn auch Projektleiter Torsten Mintus von der Havelberger Kiebitzberg-Werft. Auch die Firma ist daran interessiert, dass die Fähre bald wieder in Betrieb geht, da Mitarbeiter diese nutzen.

Wolfgang Hellwig, der amtierende Sandauer Bürgermeister, verliert langsam die Geduld. Die Stadt Sandau ist in der Konsolidierung – und jeden Tag, an dem die Fähre nicht übersetzen kann, wächst der Schuldenberg weiter an. Unter anderem müssen die Fährleute entlohnt werden.

Eine rasche Lösung ist also unbedingt nötig.