Sandau l Wie viele Volksfeste mögen die Sandauer und ihre Gäste unter den alten Parkbäumen wohl erlebt haben? Jetzt steht die Bühne, welche schon seit längerem sanierungsbedürftig ist, einsam und verlassen da. Ausgerechnet sie hatte den Orkan im Herbst 2017 unbeschadet überstanden, während ringsum die Bäume krachend umstürzten.

Areal ist wieder freigegeben

Seitdem wurde der verwüstete Park lediglich von den Arbeitern der Havelberger Firma Lati betreten, welche hier den Windbruch mit schwerer Technik beseitigten und teils zu Hackschnitzeln verarbeiteten. Inzwischen ist das Areal wieder freigegeben – wer noch Holz holen möchte, darf dies tun. Den Rest müsste die Stadt dann entsorgen, informierte Bürgermeister Henry Wagner auf der Ratssitzung.

Hierzu war mit Dr. Burkhardt Schulze vom Ingenieurbüro Ellmann & Schulze aus dem brandenburgischen Sieversdorf auch ein fachkundiger Landschaftsplaner geladen, welcher dem Rat Möglichkeiten zur Sanierung des Parks aufzeigen sollte. „Es gibt in Sandau viele Meinungen dazu, wie es hier weitergehen soll“, berichtete der Bürgermeister vorab. Der Stadtrat müsse irgendwann entscheiden. Als mögliche Option stehe auch eine teilweise Bebauung des Areals am Fehnweg mit Eigenheimen.

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Welche Variante wäre für die Stadt am besten?

Eine Befürchtung konnte der Planer gleich zerstreuen – der Park steht nicht unter Denkmalschutz. Beim Vor-Ort-Termin wurden die Hauptbäume von ihm für die spätere Planung registriert. Erste Informationen über den Park gibt es auf den preußischen Urmesstischblättern, welche ab 1822 angefertigt worden waren. Die Lindenallee sei wahrscheinlich um 1900 angelegt worden, informierte der Planer. Denn dieses war zu jener Zeit in Deutschland oft geschehen. Am interessantesten sei der Hügel namens Mathildesruh, um den herum früher diverse Wege führten und wo in jüngerer Zeit wieder Ostereier getrudelt wurden.

Die Frage sei jetzt, wie der Park genutzt werden soll und was die Stadt sich an Unterhaltung leisten kann. Denn die Pflege eines Parks bereitet viel Arbeit. Während hingegen für eine Bebauung wiederum ein langwierig zu erstellender Bebauungsplan vonnöten wäre, welcher mindestens 15.000 Euro kosten würde – und wofür im Nachhinein womöglich sehr teure Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für den Naturschutz fällig würden.

Schützen forsteten auf

Wolfgang Hellwig berichtete, dass auch der Schützenverein von 1826, welcher hinterm Sportplatz seine Schießanlage betrieb, den Park mit aufgeforstet hatte. In der DDR war das Unterholz oft durchforstet worden, damals gab es noch mehr Wege. Vereine pflegten das Gelände zu jener Zeit zusammen mit der Stadtverwaltung. Jetzt sollte man sich aus Kostengründen auf wenige Wege konzentrieren.

Drei Varianten will der Planer nun erarbeiten, eine naturnahe, mit einem größeren und einem kleineren Festplatz sowie mit einer teilweisen Bebauung. Dazu will er auch die jeweiligen ungefähren Kosten sowie den späteren Aufwand für die Stadt berechnen. Einen Hinweis hatte er noch an die Sandauer: Mit der Pflege des Parkes sowie der Vorbereitung und Durchführung von Festen müsste sich ein Verein ehrenamtlich befassen, für die Stadt allein sei der Aufwand nicht mehr zu schaffen.

Mehr Aktionen in einem sanierten Park möglich

Hierzu merkte Bürgermeister Henry Wagner an, ob sich die Sanierung der Bühne für das einmal im Jahr stattfindende Volksfest überhaupt lohne oder ob man auf diese verzichten sollte. Sandra Bahlke-Frank wies darauf hin, dass man in einem hergerichteten Park womöglich mehr Aktionen anbieten könnte. Eventuell könne der Park ja auch aufgewertet werden, schlug Burkhardt Schulze vor. Beispielsweise durch eine Anlage für Graffiti-Sprayer oder einen Parcours für Mountainbikefahrer.

Das Areal sei einmalig und müsse aufgewertet werden, meinte Jens Adamczyk. Über Teile des Parks könnten Vereine dann eine Patenschaft in Form von Pflegeobjekten übernehmen.

Das am 15. Juni geplante Volks- und Vereinsfest wird auch in diesem Jahr voraussichtlich hier noch nicht wieder stattfinden. Im Vorjahr war man auf den Kirchberg ausgewichen, doch steht hier derzeit ein großes Baugerüst für die Kirchendachsanierung. Aller Voraussicht nach wird das Fest deshalb erstmals an der Turnhalle stattfinden – also ganz in der Nähe des Parks.

Bei der Parksanierung drängt zudem die Zeit: Die Natur erobert sich langsam aber sicher das Areal zurück. Teils mannshohe stachlige Robinien verwehren inzwischen auf den Wegen das Durchkommen.