Wust l Eigentlich müsste das alles ein schöner grüner Teppich sein“, blickt Wieland Reich über das Feld, auf dem er vor wenigen Wochen Wintergerste gedrillt hat. Stattdessen ist dieser Teppich löchrig, an vielen Stellen wächst nichts. „Wie auch? Ohne Regen kann die Saat nicht aufgehen. Die ersten Pflänzchen sind schon vertrocknet. Wenn es nicht bald regnet, können wir im Frühling alles umbrechen.“

Die Sorgen scheinen in diesem Jahr kein Ende zu nehmen für die Landwirte. Wieland Reich, der zusammen mit seiner Frau Birgit und seinem Bruder Steffen eine GbR betreibt, zieht eine miserable Erntebilanz 2018. Die Einnahmen haben nicht mal die Ausgaben gedeckt – gearbeitet ohne Lohn! Bei Getreide wurde nur ein Viertel der durchschnittlichen Ernte eingefahren, bei Mais nicht mal so viel. „Zum Glück hatten wir von 2017, als der Mais überdurchschnittlich gewachsen war, noch Reserve. So werden wir zusammen mit dem bisschen Grassilage mit dem Futter über den Winter kommen und müssen nichts zukaufen.“

Milchkühe abgeschafft

Aber auch nur, weil die GbR Reich sich zu Jahresbeginn entschieden hatte, die Milchkühe abzuschaffen. Die war eigentlich immer die Passion der Familie. „Aber seit der Umstellung von D-Mark auf Euro sind die Preise immer weiter gesunken. Und außerdem schwanken die Preise so sehr, dass man gar nicht planen kann. Es hätten jetzt Modernisierungen angestanden, für die wir einen Kredit hätten aufnehmen müssen. Also haben wir uns schweren Herzens von den Milchkühen getrennt“, so Birgit Reich.

Aber Kühe stehen weiterhin in den Ställen, die zur einstigen LPG gehörten. Denn Reichs haben wie andere Betriebe in der Region auch auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Zwei Herden der Fleischrindrasse „Limousaine“ grasen auf den Weiden. „Obwohl man ja in diesem Jahr nicht von grasen reden kann. Denn es wächst ja kein Gras. Wir müssen Heu, das eigentlich für den Winter gedacht ist, zufüttern“, schiebt Wieland Reich ein. Limousains sind robuste Rinder, die den Winter über gern draußen verbringen. Eine der beiden Herden wird unter biologischen Richtlinien gehalten, denn Reichs stellen zunächst die Hälfte des Betriebes auf Bio um. „Das ist im Feldbau aufwendiger als herkömmlicher Anbau, aber es lohnt sich hoffentlich“.

Während die beiden Mutterkuhherden auf den Weiden sind, stehen die Ställe nicht leer. Denn Reichs betreiben hier wie auch schon zu Zeiten der Milchviehhaltung weiterhin Färsen- und Bullenmast. Die Tiere – die Bullenkälber kommen auf kurzem Weg von der benachbarten Fischbecker Agrargenossenschaft – haben großzügig Platz und Auslauf.

Die Wetteraussichten mag sich Wieland Reich gar nicht angucken. Vielleicht regnet es nächste Woche. Das ist auch bitter nötig. Denn das Wintergetreide muss aufgehen. Noch so ein Jahr wie 2018 würde wohl viele Betriebe an den Rand des Ruins bringen. Aber Reichs, die noch drei Angestellte haben, stecken den Kopf nicht in den Sand, „immer weiter machen, es hilft ja nichts“.

Gedämpft ist die Vorfreude auf die versprochenen Dürrehilfen vom Land. Das Ausfüllen der seit wenigen Tagen im Internet zur Verfügung stehenden Anträge bedeutet einen riesigen Verwaltungsaufwand, „wer weiß, was da am Ende rauskommt“, ist Wieland Reich skeptisch. Anstelle von staatlichen Hilfen wollen er und seine Mitstreiter lieber arbeiten und für die Ernte angemessen entlohnt werden. Alles, was jetzt erst einmal wichtig ist, ist Regen!