Garz l Auf dem Schönfeldschen Land, hinterm fast ausgetrockneten Garzer See, zieht der von einem Schlepper gezogene große Kartoffelroder einsam seine Kreise. Zwei Reihen der Nachtschattengewächse werden von ihm in einem Zug geerntet. Oben in der Maschine stehen zwei Angestellte, welche nachsortieren und aufpassen, dass die Technik rund läuft.

Bis zu sieben Tonnen fasst der Bunker des Roders, dann muss ein weiterer Traktor mit einem Kipper kommen und es wird umgefüllt. Das kann zwei Male erfolgen, dann wird die Ernte zum Garzer Hof gefahren. Am Tag erntet der Roder etwa drei bis vier Hektar. Auf dem Schönfeldschen Land waren insgesamt zwölf Hektar mit Kartoffeln bestellt.

Jetzt sind Stärkekartoffeln an der Reihe

„Unsere Speisekartoffeln sind inzwischen raus“, erklärt Landwirt Jens Köpke. Jetzt werden nur noch Stärkekartoffeln geerntet, die in Kyritz verarbeitet werden. Etwa 3500 Tonnen sind es, schätzt der Garzer. Die Anbaufläche für die Stärkekartoffeln ist von 80 Hektar in den Vorjahren auf nunmehr etwa 100 Hektar angewachsen. Speisekartoffeln wuchsen auf den Feldern um Garz hingegen nur noch auf 10 Hektar – der Verbrauch geht stetig zurück, die Essgewohnheiten ändern sich.

Die Ernte der Speisekartoffeln lief seit Ende Juni, ab Mitte August folgten die Knollen für Kyritz. Das Werk dort kann am Tag 2500 Tonnen Knollen zu Stärkemehl verarbeiten. Auf den Äckern reifen zehn Sorten Industriekartoffeln, welche zu verschiedenen Zeiten reif werden. Die Ernte dauert bis Anfang November.

Dieses Jahr bot eigentlich ein relativ gutes „Kartoffelwetter“, aber der August war zu trocken. Der Stärkegehalt ist darum gut, nicht aber der Ertrag. Das Gros der Kartoffel-Anbauflächen wird ohnehin bewässert, denn einen Komplettausfall kann man sich angesichts des hohen Aufwandes und des teuren Saatgutes nicht leisten. Um die 1000 Euro werden dafür je Hektar fällig.

Drei Sorten im Angebot

Drei Sorten Speisekartoffeln hat der Agrobetrieb Köpke im Angebot: Die „Lilly“ als mehlig kochende Sorte, vorwiegend festkochend ist die „Birgit“, und die „Belana“ ist eine festkochende Sorte – diese taugt zum Beispiel für den Kartoffelsalat.

Kartoffeln dürfen nur maximal alle vier, besser noch alle fünf Jahre an der selben Stelle gepflanzt werden, ansonsten drohen Krankheiten wie der Kartoffelkrebs. „Wichtig ist der Wechsel zwischen Halm- und Blattfrucht“, informiert Jens Köpke.

Seit diesem Jahr finden sich die Knollen „Made in Garz“ auch in Lebensmittelmärkten, wozu der Betrieb sich extra zertifizieren lassen musste. Um dieses aufwendige Prozedere kümmerte sich Jacques Köpke, der Sohn des Landwirts. Das QS-Siegel gilt vorerst für ein Jahr. Für den Verkauf abgepackt werden die Knollen ebenfalls in Garz.

Es gibt auch den Hofverkauf

Natürlich wird es auch weiterhin den Kartoffel-Hofverkauf geben: wie gehabt am Montag und am Freitag, jetzt im Oktober auch noch mittwochs und samstags. Auf dem Betriebshof am Garzer Ortsrand standen früher auch Milchkühe, doch angesichts der niedrigen Erlöse wurden diese 2009 abgeschafft. Aktuell ist der Milchpreis erneut unter die 30-Cent-Marke gerutscht.

Angebaut werden auch Getreide wie Weizen und Roggen, Raps als Ölfrucht sowie Hackfrüchte – wozu auch die Kartoffel gehört – wie Zuckerrüben und Mais. Mais zählt als Hackfrucht, weil er früher mit der Hacke gepflegt werden musste. Auch die Rüben werden beregnet, dieses Jahr war der Ertrag sehr gut. Insgesamt gesehen lagen die Erträge dieses Jahr im Durchschnitt, im Gegensatz zu den beiden trockenen Vorjahren. Der extrem feuchte Juni hatte vieles wettgemacht.

Waren die Landwirte Joachim und Jens Köpke am 15. Januar 1991 noch mit 780 Hektar Acker- und Grünland sowie 120 Milchkühen in die Selbstständigkeit gestartet – damals saß noch Frank Sonnenberg mit im Boot – bewirtschaftet der Agrobetrieb Köpke derzeit 1200 Hektar. Darunter auch knapp 50 Hektar im Brandenburgischen, auf der anderen Havelseite nahe Strodehne.

Die Firma setzt seit 2005 zudem auf erneuerbare Energien: In jenem Jahr ging die Biogasanlage in Betrieb, wo auch der Schnitt von den Naturschutzflächen verarbeitet wird. Die drei Blockheizkraftwerke speisen 650 Kilowatt Strom je Stunde ins Netz, die erzeugte Wärme fließt ins Dorf, wird auf dem Hof und bei der Containertrocknung genutzt.

Auch Rückschläge musste man verkraften: Nach der Auflösung der LPG Planzenproduktion Kamern wurden deren Flächen um Garz und Warnau mit der Warnauer LPG zusammengeführt – das Konstrukt wurde wegen der niedrigen Milcherlöse Ende 1991 aufgelöst.

Ganz dicke kam es im Juni 2013 – nach dem Fischbecker Deichbruch standen auch bei Köpkes 85 Prozent der Nutzflächen unter Wasser.

Doch die Garzer lassen sich nun mal so schnell nicht unterkriegen.