Havelberg l Direkt am Wegesrand gelegen, soll die Blaue Moschée von Kuhlhausen Raum bieten, wo Ausstellungen präsentiert werden und sich Menschen begegnen oder auch mal zurückziehen können. „So wie Autobahnkirchen am Wegesrand zum Dialog mit Gott einladen, bietet die Blaue Moschée die Möglichkeit, Kunst kennenzulernen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Thomas Harzem das Ziel des Vereins „Endegelände – Initiative für Kultur und Verständigung Kuhlhausen“.

Der Verein hat dafür an der Zufahrt zum Runddorf eine Großscheune mit Anbau auf einem alten Vierseitenhof auserkoren. Die Gebäude befinden sich in einem schlechten baulichen Zustand. Sie gehören jedoch zum Baudenkmal­ensemble des Haveldorfes und sind deshalb schützenswert.

Blaue Stunden

Dieser Herausforderung will sich der Verein stellen. Neben der Planung des Projektes hat er deshalb auch für die Sanierung eines Teilbereiches des Daches Fördergelder beantragt. Entstehen soll ein, in der Region einzigartiges, Ausstellungs- und Projektzentrum für zeitgenössische Installations- und Performancekunst. „Durch die Einrichtung und Etablierung der Blauen Moschée als Angebot auch für den sanften Tourismus besteht die Möglichkeit, das Image der Region durch zeitgenössische Kunstformen zu transformieren und gleichzeitig die regionale Identität, auch durch den Erhalt des baukulturellen Erbes, zu stärken. Als innovativer Ansatz ist eine Angebotserweiterung für Besucher durch die Überführung urbaner künstlerischer Ausdrucksformen in den ländlichen Raum zu bewerten“, heißt es im Leader-Antrag.

Vis-a-vis der Gülpescheune und der Großscheune steht der Weidendom von Kuhlhausen nahe dem Karpfenteich als Aussichtspunkt, in dem der Orts- und Kulturverein zu Veranstaltungen einlädt. Zudem gabeln sich zwei Radrouten an der Blauen Moschée. Somit rechnen die Vereinsmitglieder mit Besuchern, die spontan Halt machen auf ihrem Weg durch die Havelregion. Zudem sind Veranstaltungen geplant.

So beteiligt sich „Endegelände“ am kommenden Wochenende am Querfeldein-Festival, das der Förderkreis Kunst, Kultur und Jugend aus Berlin im Zusammenwirken mit dem Orts- und Kulturverein Kuhl­hausen als Dorffest anbietet. Auf zwei Bühnen sind am Freitag, 11. August, ab 19 Uhr und am Sonnabend ab 14 Uhr verschiedene Bands zu erleben. Musik, Kleinkunst, Bastelangebote, eventuell eine Wasserrutsche, Versorgung, Kicker und Mini-Tischtennis gehören zum zweitägigen Open­air. Mehr dazu lesen Sie in der nächsten Woche.

Der Verein „Endegelände“ bietet in den Festivalnächten die „Blauen Stunden“ an. Jeweils von 22 Uhr bis nach Sonnenaufgang treten zum Beispiel der experimentelle DJ und Soundcollagist Laika Jona aus Berlin, das Voice-Performance-Musikduo Polanki mit Martyna Miller und Olga Szymula aus Polen, das Klangkollektiv Rodion und Philipp aus Hamburg auf. Auch Thomas präsentiert Video- und Klangcollagen. Das Gebäude wird mit künstlerischen Videoprojektionen angestrahlt.

Als nächstes öffnet das „Welcome-Center“ in der Blauen Moschée. Am 18. August startet diese Veranstaltungsreihe, bei der ausländische Künstler, Journalisten, Schriftsteller etc. den Abend gestalten. Die Akteure stellen ihr Land mit ihrem Leibgericht vor und behandeln dann ein Thema, das ihnen wichtig ist. Den Anfang macht eine Autorin aus Vietnam, die Thomas Harzem bei seiner künstlerischen Arbeit dort kennengelernt hat. Sie spricht über Familienstrukturen und die Integration von alten Menschen in ihrer Heimat. Im September ist ein Künstler aus Äthiopien zu Gast, im Oktober eine Musikerin aus Argentinien.

Interkulturell

Auf der Internetseite www.facebook.com/kuhlhausen „Wir sind offen für jeden. In der Blauen Moschée sollen sich Einheimische und Fremde begegnen und zugleich Kunst kennenlernen können. Die Leader-Arbeitsgruppe fand unsere Gedanken interessant. Vor allem auch den interkulturellen Ansatz des Projektes. Da sind wir die Einzigen in Sachsen-Anhalt, die ein solches Projekt im Rahmen des ESF-Projektes eingereicht haben. Oft hören wir die Frage, was machen die da, wer sind diese Neuen? Inzwischen haben drei Künstler schon Häuser hier in Kuhlhausen gekauft. Wir wollen zeigen, was wir machen und so zur Verständigung beitragen“, sagt Thomas Harzem.