Havelberg l Auf einer Kunst­auktion in Hamburg hat Jürgen Ostwald von der Fielmann AG das Gemälde des Havelberger Malers Carl Gussow entdeckt. Nach einer kurzen Rücksprache mit dem Prignitz-Museum erstand er das Bild, das eine hübsche Frau zeigt, und ließ es restaurieren, bevor er es nun dem Havelberger Museum schenkte. C. Gussow, München 1904, steht am oberen rechten Rand des auf Leinwand gemalten Ölbildes. Sehenswert auch der kostbare Schnitz-Rahmen aus der Zeit des Rokoko um 1740.

Museumsleiterin Antje Reichel und der Vorsitzende des Fördervereins „Freunde und Förderer des Prignitz-Museums“ Harald Wildhagen freuen sich sehr über diese Schenkung. Damit besitzt das über 100 Jahre alte Museum nun ein erstes Gemälde des Malers Carl Gussow, der am 25. Februar 1843 als Zwilling mit seinem Bruder Friedrich in Havelberg geboren wurde. Die Familie lebte an der Lehmkuhle. Sein Vater war als „Bau-Conducteur“ tätig. Bald nach der Geburt der Söhne zog er nach Brandenburg an der Havel, wo er als Stadtbaurat arbeitete. Der junge Carl Gussow besuchte das Klostergymnasium in Zerbst und ging zur Ausbildung nach Weimar an die Kunstschule.

Nach Studienreisen nach München 1867, wo er im Atelier des Historienmalers Piloty arbeitete, und Italien kehrte er nach Weimar zurück und übernahm dort 1870 eine Professur. Von 1874 bis 1876 wirkte er als Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe, von dort wechselte er an die Kunstakademie Berlin.

Bilder

Damenakademie gegründet

1880 stellte er seine akademische Lehrtätigkeit ein und gründete in Berlin eine private Damenakademie. „Frauen durften ja damals nicht studieren, ihnen gab Carl Gussow die Möglichkeit, bei ihm die Malerei zu lernen“, berichtet Jürgen Ostwald. „Zu seinen heute bekanntesten Schülerinnen zählt Meta Fontane, die Tochter Theodor Fontanes, mit dem Gussow bekannt war.“

1892 siedelte der Maler nach München über, wo er bis zu seinem Tod am 27. März 1907 in Neu-Pasing lebte. In dieser Zeit entstand das Gemälde, das nun dem Prignitz-Museum gehört. „Ich habe mich lange gefragt, wen er da wohl porträtiert hat“, erzählt Jürgen Ostwald. Aufschluss gibt eine Auflistung der Bilder Gussows der Königlichen Akademie der Künste Berlin, die im Oktober 1907 eine Nachlassausstellung zeigte. Darin ist die „Hausmagd“ zu finden.

Das Prignitz-Museum will bekannte Havelberger Persönlichkeiten verstärkt vorstellen. Das vom Porträtmaler Carl Gussow gemalte Gemälde soll den Besuchern auf einer Staffelei präsentiert werden.

Jürgen Ostmann, dem pro Jahr ein Etat von rund einer halben Million Euro der Fielmann AG zur Verfügung steht, hat weiterhin Kunst aus Havelberg im Blick. Sobald er etwas entdeckt, nimmt er Rücksprache mit dem Museum, um zu erfahren, ob das Objekt relevant ist. Kommt ein Ja, kauft er es und lässt es, wenn nötig, restaurieren. Bilder von Carl Gussow befinden sich heute etwa in der Nationalgalerie in Berlin, in München und in Weimar sowie in Privatbesitz.

Erste Restaurierungen

Die Fielmann AG fördert seit über 20 Jahren vor allem kleinere und mittlere Museen und Archive in Deutschland, die über keinen oder nur einen geringen Anschaffungsetat verfügen. Inzwischen sind es rund 200 Einrichtungen. In Sachsen-Anhalt werden Kunst- und kulturhistorische Mu­seen etwa in Bernburg, Dessau, Genthin, Halberstadt, Osterburg und Stendal unterstützt. Im vorigen Jahr hatten die Fielmann AG und der Förderverein drei Exponate aufwendig restaurieren lassen und in einer Kabinettausstellung gezeigt. Dabei handelt es sich um eine kelchförmige Taufe aus dem Jahre 1676, die aus der Dorfkirche Toppel stammt und jetzt zur ständigen Ausstellung gehört, um ein hölzernes Epitaph aus dem Jahre 1741 und um eine Schützenscheibe von 1853.