Fachtagung

Mit dem Boot zu geschützten Vögeln an der Havel

Fachleute aus fünf an der Elbe liegenden Bundesländern haben sich zu einer Tagung in Havelberg getroffen.

Von Dieter Haase
Erste Aktion für die Gäste war eine Bootstour auf der Havel. Fürs Foto sind Landrat Patrick Puhlmann und Bürgermeister Bernd Poloski mit aufs Boot gegangen.
Erste Aktion für die Gäste war eine Bootstour auf der Havel. Fürs Foto sind Landrat Patrick Puhlmann und Bürgermeister Bernd Poloski mit aufs Boot gegangen. Foto: Dieter Haase

Havelberg - Glückliche Gesichter der Wiedersehensfreude am Havelberger ArtHotel. „Denn das ist schließlich unser erster Präsenztermin nach langer Corona-Pause“, erklärte Philipp Ritzmann vom Biosphärenreservat Mittelelbe und aktueller Leiter des Hauses der Flüsse in der Domstadt. Bei dem erwähnten Treffen handelte es sich um eine Zusammenkunft der Länderarbeitsgemeinschaft des UNESCO-Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe. Zwei- bis dreimal im Jahr wird zu gemeinsamen Konferenzen und zum gemeinsamen Austausch eingeladen. Seit über einem Jahr aber war das wegen der strengen Corona-Auflagen immer nur per Video-Konferenz möglich.

Fünf Bundesländer sind in der Arbeitsgruppe

Der länderübergreifenden Arbeitsgemeinschaft gehören Mitglieder aus Schleswig-Holstein, aus Mecklenburg-Vorpommern, aus Brandenburg, aus Niedersachsen und aus Sachsen-Anhalt an. Dazu gesellt sich dann noch jeweils ein Vertreter aus dem jeweiligen Umweltministerium dieser Länder. Nach der für einige Teilnehmer durchaus recht langen Anreise nach Havelberg konnte Philipp Ritzmann schließlich elf Frauen und Männer als Gäste in der Domstadt begrüßen. Aber nicht nur er war dazu erschienen. Sondern auch Landrat Patrick Puhlmann und Bürgermeister Bernd Poloski ließen sich das nicht entgehen und richteten Willkommensworte an die Tagungsteilnehmer.

Vier Reservate gehören dazu

Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe wurde im Jahr 1997 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Es umfasst die Elbauen als einzigartiges Auenlandschaftsbiotop und bietet vielen vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen Schutz, vornehmlich auch dem Elbebiber. Es besteht aus folgenden vier Reservaten: Biosphärenreservat Mittelelbe, Sachsen-Anhalt (die Fläche hier beträgt 126000 ha), Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg (53300 ha), Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern (42600 ha) und Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue (56760 ha). Insgesamt umfasst das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe somit 278660 Hektar und beinhaltet Gebiete, die bereits vor 1997 unter Schutz standen. So ist zum Beispiel auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich als eine europaweit bedeutende Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt Teil dieses Biosphärenreservats.

Sachsen-Anhalt hat den Vorsitz

Das Land Sachsen-Anhalt hat in der Länderarbeitsgemeinschaft des UNESCO-Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe übrigens aktuell für zwei Jahre den Vorsitz. „Dieses Jahr ist bereits das zweite Jahr. Schade ist nur, dass innerhalb der länderübergreifenden Gruppe auch im ersten Jahr des sachsen-anhaltischen Vorsitzes nicht viel unternommen werden konnte. Bis auf die Videokonferenzen“, bedauert Philipp Ritzmann. Bevor 2021 aber zu Ende geht, soll im Herbst noch ein weiteres Treffen mit Tagung stattfinden. Natürlich in Sachsen-Anhalt. „Wir planen das im südlichen Teil unseres Bundeslandes. Höchstwahrscheinlich soll dann Wittenberg das Ziel sein“, informiert er.

Havelberg ist immer noch Wiege der Prignitz

Bernd Poloski setzte in seiner Begrüßungsrede unter anderem die Domstadt Havelberg „an den Anfang des Landes Sachsen-Anhalt. Aber auch, wenn wir zu diesem Bundesland gehören, sind und bleiben wir immer noch Prignitz. Denn Havelberg gilt schon immer als die Wiege der Prignitz.“ Er ging in seinen Worten aber zudem ausführlich auf die beiden Flüsse Havel und Elbe ein, die praktisch beide mit zur Domstadt gehören.

Informationen zur Havelrenaturierung

Am heißen ersten Tagungstag in Havelberg ging es nach dem Beziehen von Hotelzimmern und der Eröffnung erst einmal gleich gemeinsam aufs Boot zu einem Ausflug auf der Havel. „Das Ziel dabei bestand darin, den Gästen unsere Artenschutzprojekte näher zu bringen und ihnen andererseits Renaturierungsmaßnahmen zu zeigen und zu erläutern“, so Philipp Ritzmann. „Die Haveltour lohnte sich wirklich. Schon wegen der vielen Seeschwalben und Kiebitze. Aber auch den Seeadler, den Eisvogel und andere am Wasser lebende Tierarten haben wir gesehen und bestaunt. Dieser erste Teil des diesjährigen Treffens ist von den Tagungsteilnehmern als ein gelungener Auftakt angesehen worden. Ich habe mich über viele lobende Meinungsäußerungen dazu freuen können.“

Auch im Haus der Flüsse noch umgeschaut

Anschließend wurde die Tagung dann für den Rest des Tages und auch am Folgetag noch fortgesetzt. Im Hotel standen Gespräche über laufende und kommende Projekte im Mittelpunkt. „Ein wichtiges Thema war darüber hinaus das Gesamtkonzept Elbe“, berichtet der Leiter des Hauses der Flüsse. Und weil er über diese seit sechs Jahren in der Domstadt Havelberg bestehende Einrichtung an der Elbstraße auch sehr viel erzählen kann, führte der Weg der Arbeitsgruppe vor der Heimfahrt der Mitglieder auch noch dorthin.

„Insgesamt gesehen war es nicht nur eine interessante, sondern auch noch eine sehr erlebnisreiche Fachtagung, die eigentlich wieder mal viel zu schnell vergangen ist“, schätzt Gastgeber Philipp Ritzmann ein.