Havelberg l Mit „Havelberger im Porträt“ und „Germania Slavica“ hält das Havelberger Prignitz-Museum gleich zwei interessante Sonderausstellungen vor. Während sich die eine Ausstellung mit der Zeit der Slawen und Germanen bis um die Domweihe im Jahre 1170 beschäftigt, dreht sich die andere um Bildnisse von Havelbergern, die im Museum seit dessen Gründung im Jahr 1904 gesammelt werden. Zu der Zeit wurde das Museum am Dom ehrenamtlich geführt. Leiter war Sanitätsrat Dr. Richard Hartwich. Er führte ein Akquisitionsbuch, in dem alles, was das Museum für die Sammlung erhielt, aufgeschrieben ist.

„Es war nicht einfach, seine Schrift zu entziffern, aber Antje Reichel und ich haben uns eingefuchst, und so können wir das Buch nutzen“, berichtete Sabine Ball von einer Quelle, die ihr auch bei der Gestaltung der Porträt-Ausstellung eine Hilfe war. Noch mehr Informationen gibt es aus der Zeit, als die Katalogisierung der Exponate begann. Rektor Schulz nahm diese in den 1930er Jahren vor. Zudem gibt es im Museum gebundene Ausgaben alter Havelberger Zeitungen, die ebenfalls Aufschluss zu Personen geben. Wenn Geschäftsleute Anzeigen in der Zeitung hatten, war dies eine Möglichkeit, Zusammenhänge herzustellen.

Wer etwas weiß, kann es gern mitteilen

Aus neuerer Zeit stammen die Bücher von Wolfgang Masur zum geschichtlichen Allerlei aus Havelberg. Normalerweise dienen auch Kirchenbücher dazu, etwas über Menschen aus früheren Zeiten herauszufinden. Die Havelberger befinden sich im Domstiftsarchiv Brandenburg. Wegen Sanierungsarbeiten sind sie ausgelagert, weshalb sie aktuell keinen Zugriff darauf hatte, berichtete Sabine Ball. Eine Quelle, die die Museologinnen auch nutzen, ist das Internet. „So stoppelt man sich Wissen zusammen“, sagte sie und warb bei den 85-Ausstellungsbesuchern darum, gern Wissen weiterzugeben, sollte etwas bekannt sein zu den im Museum präsentierten Porträts.

Bilder

Die stammen aus der Zeit von 1715 bis 1928. Wobei zwei Herren älter sind, berichtete Sabine Ball vom Kupferstecher Martin F. Seidel, der 1751 den letzten katholischen Bischof in Havelberg, Busso II. von Alvensleben (1468 bis 1548), und den evangelischen Domdechant Matthäus Ludecus (1517 bis 1606) anhand von Vorlagen porträtiert hat. Für Ludecus nutzte er ein Epitaph aus dem Dom. Weil er einen Kupferstich anfertigte, ist das Porträt seitenverkehrt.

Es gibt zum Beispiel auch eine Daguerreotypie in der Ausstellung aus der Zeit um 1845. Es war ein erstes fotografisches Verfahren, für das ein H. Meyer aus Berlin 1947 im „Havelberger Wochenblatt“ warb. Auch ein Belledon Dietzel aus Berlin warb für diese Fotografien. Sein Atelier hatte er „auf dem Dom“, war im „Gemeinnützigen Anzeiger für Havelberg und Umgebung“ von 1848 zu lesen.

Die Porträtierten, Johann Friedrich und Luise Block, hatten 1849 ein Haus vor dem Steintor gekauft und dort eine Bäckerei eingerichtet. Bei einem Brand 1879 wurde der Bäckermeister schwer verletzt und er starb an den Folgen. Sohn und Enkel führten den Betrieb bis 1954 weiter. Heute ist dort eine Optikerin ansässig, erfahren die Museumsbesucher. Sabine Ball hat diesen Informationen auch noch ein Foto und Wissenswertes zu dem Erfinder dieser Fotografie, Louis Daguerre aus Frankreich, hinzugefügt.

Solch ein Foto kostete übrigens ein bis zwei Taler – mit drei Talern konnte man zu der Zeit eine fünfköpfige Familie eine Woche lang ernähren.

Zu sehen sind auch Porträts von Havelberger Bürgermeistern. Zu Alfred Zoellner gibt es zudem Informationen zur Chronik der Stadt Havelberg – die natürlich auch ein wichtiger Fundus ist, will man etwas aus vergangenen Zeiten wissen. Doch nicht nur bekannte Personen sind in der Ausstellung im Porträt zu sehen. Es sind auch normale Bürger dargestellt, die in Havelberg lebten und arbeiteten, aus familiären Gründen hierher kamen und hier geboren oder gestorben sind.

Ausstellungen bis Pfingstmontag zu sehen

Die 45 Bilder sind Kupferstiche, Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Lithografien und Fotos. Zwei große Ölgemälde hat Familie Rose aus Magdeburg dem Museum geschenkt. Abgebildet sind darauf Anna Therese Gabel, geborene Bahn, und Gustav Johann Nicolaus Gabel, der aus der Familie des Havelberger Schiffseigners Nicolaus Johann Gabel aus der Havelstraße stammte. Sie war die Schwester von Johannes Carl Bahn, von dem in der Ausstellung ebenfalls ein Porträt zu finden ist. Das Ehepaar lebte in Magdeburg. Die Bilder wurden 1913 von Hermann Hirsch gemalt.

Wer neugierig auf die Porträts geworden ist, hat bis zum 1. Juni (Pfingstmontag) die Gelegenheit, sich diese und die Ausstellung zu „Germania Slavica“ im Prignitz-Museum am Dom zu Havelberg anzuschauen.