Wust l „Bos Primigenius Taurus“ – so lautet die lateinische Bezeichnung für das Hausrind. Und zu diesem Tier, was bei der Entwicklung des modernen Menschen eine wichtige Rolle gespielt hatte, hatte die Schauspielerin Barbara Geiger allerhand Wissenswertes zusammengetragen. Dieses präsentierte sie als Fräulein Editha Filmine Brehm anlässlich des Saisonstarts im Wuster Muuuhseums-Speicher in der Theaterstück-Reihe „Fräulein Brehms Tierleben“.

Mit einem Mikrofon hatte sie dabei sogar die Geräusche des Pansens aufgenommen – es hörte sich an wie ein fernes Gewitter. Präsentiert wurden zudem Videos vom „Kuhflüsterer“ Philipp Wendt aus Brandenburg: Er trieb die Kühe ohne mit den Armen zu fuchteln und ohne Geschrei aus dem Stall – und zwar erst nur ein bestimmtes Tier und zuletzt alle anderen bis auf eine. Das geschah unter anderem durch Blickkontakt. Ein Jahr lang hatte Barbara Geiger recherchiert – zeitgleich hatte eine weitere Kuh-Premiere in Berlin stattgefunden.

Vornamen stammen vom Friedhof

Die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin, war erstmals 1994 zur Sommerschule in Wust, seitdem fühlt sie sich dort heimisch. Sie hatte bei der Sommerschule sogar schon Regie geführt. Die beiden Vornamen für ihr „Fräulein Brehm“ hatte sie übrigens auf dem Wuster Friedhof entdeckt. Im „Tierleben“-Ensemble gibt es immerhin 13 Schauspielerinnen, zehn Tierarten befinden sich im Repertoire.

Bilder

Draußen hatten sich bei sommerlichen Temperaturen viele Gäste an der Kaffeetafel eingefunden. Der Hingucker beim Kuchenbasar war eine „Kuhweide“, gebacken von Karin Ihlau. Die Fladen waren aus Schokolade.

Kuhschwanz-Bier extra zum Start in die Saison

Wer es lieber etwas deftiger mochte, konnte am Ford-V 8-Oldtimer bei Rolf Ihlau Bier bestellen. Und zwar keines „von der Stange“, sondern entsprechend dem Anlass Kuhschwanz-Bier aus Tangermünde. Gebracht hatte es Unternehmer Tiemo Schönwald, sein Ford-Oldtimer aus dem Baujahr 1936 war natürlich ein Hingucker. Daneben stand ein noch etwas älterer Ford, das „Model A“ wurde 1930 zusammengebaut.

Natürlich wurde auch etwas Neues im Muuuhseum präsentiert: In einer Kuh-Galerie im Raum unter dem Museum waren Fotos von Kühen zu sehen. Hartwin Ebel hatte Sydower Kühe mit der Kamera porträtiert, weitere Fotos hatte MDR-Reporter Andreas Müller beigesteuert.

Etliche Leihgaben hatte zudem der Schönhauser Franz Böttcher zur Verfügung gestellt, darunter sogar ein Gemälde. Es zeigt die am 2. August 1945 geborene Hochleistungskuh „Cousine“ mit der Nummer 195751. Das Kreuz in der Katalogbezeichnung bedeutete, dass sie auf DDR-Landwirtschaftsausstellungen ausgezeichnet worden war. Bewertet wurden dabei unter anderem die Körperform, das Euter und die Milchleistung. Das „F“ in der Bewertung bedeutete, dass es sich um eine Fett-Kuh handelte. Ferner waren Fotos von Kühen mit solch klangvollen Namen wie „Dornrose“ oder „Keglerin“ zu sehen. – „Damals hatte jedes Rind noch seinen eigenen Namen“, erklärte Franz Böttcher.

Exponate für Fischbeck gedacht

Die Exponate von Franz Böttcher sollen später mal dem noch einzurichtenden Fischbecker Schwarz-Bunt-Rinderzuchtmuseum übergeben werden, informierte der Muuuhseums-Ku(h)rator Gerhard Faller-Walzer.

Im Muuuhseum, dessen Exponate sich seit der Gründung inzwischen auf etwa 2000 Stück verdoppelt haben, kann man immer wieder Neues entdecken. Wie den Fahrradhelm, der in einer Vitrine untergebracht ist – er wurde schon zu oft von Besuchern aufgesetzt. Kühe gibt es auch als Masken, als Radio, als Schachspiel, alsMilchtüte oder als Holzpuzzle zu sehen. Ja – sogar die fliegende Kuh fehlt hier nicht.

Offen steht das Muuuhseum von Mai bis September freitags bis sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr.