Neuermark-Lübars l Bis zum Mittelmeer ist es nicht mehr weit. Bei Udine im Nordosten Italiens haben die beiden jungen Männer gerade ihre Zelte aufgeschlagen. Sie sind glücklich, die Alpen hinter sich gebracht zu haben und nun auf dem „Alpe Adria Radweg“ recht eben auf einer alten Eisenbahnstrecke durch Tunnelgewölbe bis ans Mittelmeer zu radeln. Inzwischen ist es frisch geworden in den Nächten im Zelt und auch das Wasser in Seen und Flüssen ist alles andere als angenehm, „ich hab mich dran gewöhnt“, erzählt Lukas am Volksstimme-Telefon. Die italienische Großstadt Triest haben sie vor Augen. Hier wollen sie wieder die Gitarren auspacken und mit Straßenmusik die Portemonnaies füllen. Dann wird, immer an der Küste entlang, das nächste Land angesteuert: Kroatien.

Lukas Krause schreibt seine Reiseerlebnisse für das Internet auf. In der vergangenen Woche beispielsweise stand da für „Tag 23“:

Wir haben nun schon einige Hügel und Berge hinter uns, aber das, was heute auf uns zukommt, treibt uns ans Limit. Der Anstieg nach Hohentauern umfasst knappe 700 Höhenmeter, verteilt auf acht Kilometer. Den ersten Kilometer können wir noch fahrend überwinden, dann sind die Beine leer und der kleinste Gang ist ausgeschöpft. Also schieben wir. Blickt man in die Gesichter der vorbeifahrenden Autofahrer, sieht man immer wieder erstaunte Mienen. Einige geben uns Thumbs up (Daumen hoch), andere hupen und zeigen die Victorygeste. So tut es auch Martin, der erst vorbei fährt, als wir bei der Hälfte pausieren, dann aber noch einmal umdreht und seinen Arbeitstransporter neben uns auf dem Parkplatz platziert.

Martin ist Mitte Dreißig und auf dem Heimweg nach Hohentauern. Es sind unsere Gitarren, die ihn auf uns aufmerksam werden lassen, da er selbst Musiker ist. Überaus freundlich bietet er uns nicht nur an, dass er unser Gepäck auf den Berg schaffen kann, sondern auch, dass wir bei ihm duschen und schlafen können. Martin ist einer der wenigen Menschen, die vollständige Ehrlichkeit und Gutmütigkeit ausstrahlen, außerdem ist er Musiker, weshalb wir ihm unsere Sachen anvertrauen.

Die verbleibenden vier Kilometer sind auch mit halbiertem Gepäck nur walkend überwindbar. Ein beladenes Bike auf einen Hügel zu schaffen, grenzt an Extremsport. Zuerst orientiert man sich am fernen Straßenverlauf, dann an der nächsten Kurve und irgendwann, wenn man schwitzt und pustet und seine Kräfte schwinden fühlt, kämpft man sich von Schritt zu Schritt. Man ist sich selbst äußerst nah und redet auf sich ein und focussiert sich. Man kann diesen tranceartigen Zustand fast als psychodelisch beschreiben, bei dem das Innere brodelt und wirbelt und man danach total ausgeglichen und stolz auf seinen Erfolg zurück blickt.

Als wir am vereinbarten Treffpunkt ankommen, empfängt uns Martin in seinem Haus. Seine Tochter spielt auf dem Hof und seine Frau bereitet uns eine ordentliche Portion Gulasch. Dafür müssen wir unsere sonst vorwiegend vegetarische Lebensweise über den Haufen werfen und sündigen.

Gesättigt und frisch geduscht begeben wir uns in seinen Proberaum. Wir haben eine schöne Zeit und sind sehr dankbar für diese Begegnung. Zum Abschluss überlässt er mir sein „Die Ärzte“-Songbook mit der Bitte, dass, wenn ich wieder vorbei komme, ihm „Friedenspanzer“ vorspiele.

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