Havelberg l Als eine „Fundgrube gesammelten Wissens“ von unschätzbarem Wert, welche die Menschen für die Schönheiten der Natur begeistert, bezeichnet Entomologie-Professor Bernhard Klausnitzer die naturkundliche Heftreihe „Untere Havel“. Sein Geleitwort erschien anlässlich der 25. Ausgabe der Heftreihe, welche ab sofort in der Havel-Buchhandlung, dem Prignitz-Museum sowie im Haus der Flüsse in Havelberg erhältlich ist.

Wie gewohnt werden wieder diverse Themen behandelt. Gegen den Trend beschäftigte sich Günter Brennenstuhl mit der häufig vorkommenden Gras-Sternmiere – solche Pflanzen werden nur wenig beachtet. Er beschreibt im Heft verschiedene Blütenformen.

25 Arten nachgeweisen

Bei der Altarm-Anbindung in Vehlgast wies Michael Unruh in den im Absetzbecken entnommenen Schalenproben 25 Wasserschnecken- und Muschelarten nach – ein weit überdurchschnittlicher Artenreichtum. An Havel, Elbe und Saale finden sich ansonsten im Schnitt lediglich 12 Arten. Mit der Abtrennung des Armes im Zuge des Havel-Ausbaues für die Schifffahrt vor über 100 Jahren wurde dieser Lebensraum vernichtet.

Seit vielen Jahren in der Heftreihe vertreten ist der in Havelberg gut bekannte Botaniker Wolfgang Fischer. Ein Beitrag von ihm widmet sich dem Bienenwolf, einen seltenen Käfer, den er an der Havelberger Dommauer entdeckte.

Ein Hotspot bei Kümmernitz

Als „Hotspot“ für seltene Blütenpflanzen und Pilze beschreibt er in einem weiteren Artikel die Kümmernitzer Schweiz. In dem tief eingeschnittenen Bachtal überrascht die Arten- und Biotopvielfalt, was an den besonderen Boden-, Relief- und Geländeklimaverhältnissen liegt. Der Autor verweist auf die hohe Luftfeuchte sowie nährstoffreiche und kalkhaltige Geschiebelehmböden. Auch die ständig erodierenden Steilhänge sind eine Besonderheit, welche etliche Laubwaldarten besiedeln. Solche Pilze wie Totentrompete oder Krauser Leistling wachsen in der weiteren Umgebung nur hier, das Leberblümchen an den Hängen ist ein Indiz für einen naturnahen Wald. Seit 1954 untersucht der Botaniker das Gebiet.

Weiterhin listet der Potsdamer Planzenvorkommen am Uferweg der Havelberger Weinbergstraße auf – hier bemerkte er ebenfalls einen einzigartigen Artenreichtum. Er fand Raritäten wie Meeres-Ampfer, Kalmus oder Kosmea.

Es folgt vom selben Autoren eine Auswertung von sechs Pilz-Exkursionen in Wöplitz. Dabei wurden 220 Arten entdeckt. Die eher bescheidene Anzahl ist zum einen dem eintönigen Kiefernwald und zum anderen dem Umstand zu verdanken, dass die Sucher zumeist an größeren Exemplaren Interesse zeigten. Vier holzbesiedelnde Arten wurden erst kürzlich in der Prignitz und Brandenburg nachgewiesen. Der Beitrag wird durch schöne Fotos ergänzt.

Bernd Heinze befasst sich mit Faltern

Der Havelberger Entomologe Bernd Heinze – er hatte als damaliger Leiter des Naturkundemuseums diese Heftreihe ins Leben gerufen – plaudert über seine Begegnung mit dem Ammen-Dornfinger – einer angeblich gefährlichen Spinne. Spiegel-Online schrieb 2006 sogar von einer „Todesspinne“, was arg übertrieben war. Die Spinne hat wie fast alle heimischen Arten Giftdrüsen, allerdings kann sie mit ihren Klauen die menschliche Haut durchdringen. Wird jemand gebissen, fühlt sich dies an wie ein Wespenstich, zurück bleiben zwei winzige Einstiche. Vorsicht ist also angebracht, den Tod muss man aber nicht befürchten. Auch dieser Beitrag wird durch Fotos ergänzt.

Heinzes Hauptforschungsgebiet bilden jedoch die Falter, in seinem zweiten Beitrag ergänzt er seine bislang im Altkreis Havelberg nachgewiesenen Großschmetterlingsarten.

Dem Havelberger Entomologen ist anlässlich seines 75. Geburtstages im Vorjahr ein Artikel von Lothar Täuscher aus Kamern gewidmet. Über 30 Jahre hat sich der Havelberger wissenschaftlich mit Schmetterlingen befasst, die Insekten beobachtet, fotografiert und gefilmt, gefangen, bestimmt, gezüchtet, gesammelt und darüber in diversen Artikeln berichtet. Über Jahre lud er zu Falternächten ein, kartierte für Planungsvorhaben, arbeitete in Fachorganen mit und pflegte seine Beobachtungen in Datenbanken ein. 2014 wurden Teile seiner umfangreichen Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert, im Vorjahr übergab er diese komplett an ein großes Hamburger Museum.

Nach vier Jahren wieder erholt

Der promovierte Diplombiologe aus Kamern berichtet zudem über seine langjährigen Beobachtungen von Wasserpflanzen im Kamernschen-Schönfelder Altwasserflachsee. Sein Augenmerk richtete er darauf besonders während und nach der Flutkatastrophe vom Juni 2013, wobei der See um über 2,5 Meter anstieg. Die Wasserqualität war entsprechend schlecht. Betrug die Sichtweite danach nur noch 7 Zentimeter, waren es 2014 schon wieder 80 Zentimeter. Bereits 2017 war es wie einst ein Meter, zudem wurden 13 Wasserpflanzen nachgewiesen, davon vier Rote-Liste-Arten (vor 2013 waren es 14 Arten).

Seit dem vierten Heft wird die jährliche Publikation von der IHU Geologie und Analytik GmbH in Stendal betreut und herausgegeben.