Klietz l Mit einem Blumenstrauß stand Peter Ruppert vom Vorstand des Regionalverbandes Altmark dieser Tage vor der Tür des Büros in Klietz, um Pflegedienstleiterin Cindy Deich zum 1. Geburtstag in Klietz zu gratulieren und damit dem gesamten Team Dank zu sagen. Denn die zurückliegenden zwölf Monate waren alles andere als gewöhnlich für den Pflegedienst.

Ende Februar hatten alle noch entspannt Einweihung gefeiert. Die 16 Mitarbeiter (15 Frauen und ein Mann) hatten zuvor von Havelberg aus die Klienten betreut. Das Gebiet wurde aufgeteilt – das sparte Zeit und Wege und machte die Arbeit überschaubarer. Cindy Deich als frischgebackene Pflegedienstleiterin stürzte sich in die Arbeit, das Team stellte sich aufeinander ein.

In Vollschutz von Haus zu Haus

Zwei Wochen später war nichts mehr wie bisher, Corona erreichte Deutschland. Zum Schutz vor dem Virus wurden die ohnehin schon geltenden Hygienebestimmungen ex­trem verschärft. Die Johanniter, die in der Altmark neben dem Rettungsdienst auch noch einen mobilen Pflegedienst in Stendal betreiben, erstellten ein Hygienekonzept. Und alle Beschäftigten wurden angehalten, die privaten Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, „schließlich tragen wir in unserem Beruf eine hohe Verantwortung“, so Cindy Deich. In Vollschutz ging es anfangs von Haus zu Haus. Die zumeist älteren Klienten waren verunsichert und besorgt. Es gab auch einige, die aus Sorge vor Ansteckung zunächst auf die Hilfe verzichteten – das betraf vor allem die, die nicht auf Pflege angewiesen waren, sondern den Dienst beispielsweise für Einkauf, Begleitung zum Arzt oder einfach nur für Spaziergänge nutzen. „Wir haben sie und auch die Angehörigen gut aufgeklärt. Und oft waren und sind wir bis heute der einzige Kontakt nach draußen – da sind die Gespräche wichtiger denn je“, resümiert Cindy Deich.

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Sie ist glücklich, dass im zurückliegenden Jahr lediglich drei Klienten Corona hatten und während dieser Zeit auch im Krankenhaus waren. Keiner der Pflegekräfte infizierte sich, so dass stets alle für den Dienstplan zur Verfügung standen, „die Stimmung war trotz aller Umstände gut“. Zweimal pro Woche wird mittels Schnelltests bei den Schwestern überprüft, ob sie gesund sind, bei Verdachtsfällen auch die Klienten.

Man merke deutlich, dass sich nach einem Jahr Corona und erst recht seit November mit wieder deutlichen Einschränkungen alle den Alltag zurück sehnen. Sie wollen, so erzählt Cindy Deich, einfach wieder am Leben teilnehmen, den Nachbarn zum Kaffeetrinken oder Kartenspielen begrüßen, die Enkel um sich haben. Die Aussicht auf Impfung schürt die Hoffnung auf Normalität.

Zukunftspläne: eine Tagespflege in Klietz

Die Johanniter-Pflegekräfte sind inzwischen fast alle (lediglich zwei aus gesundheitlichen Gründen nicht), geimpft: Die erste Dosis hatten die Schwestern vor gut drei Wochen beim Schollener Pflegedienst erhalten, die zweite Dosis am vergangenen Freitag, als alle nochmals beim Pflegedienst Wendt in Klietz zusammen kamen. „Dennoch bleibt es bei den strengen Hygienevorschriften“, ist Cindy Deich froh, dass sie stets über ausreichend Material verfügen kann.

Die erste Jahresbilanz fällt auch deshalb positiv aus, weil neue Klienten – inzwischen 177 – dazugewonnen werden konnten. Mit Katrin Senst aus Hohengöhren gibt es eine Pflegedienstleiterin in Ausbildung, die Cindy Deich zur Seite steht und sie vertreten kann.

Und die Johanniter schmieden Zukunftspläne. Sie möchten in Klietz eine Tagespflege etablieren – ein Angebot für die Klienten, die den Tag in Gemeinschaft mit anderen verbringen können. Das entlastet dann auch die pflegenden Angehörigen. Außerdem wird die Ausbildung einer Pflegefachkraft angestrebt. „Uns hier in Klietz zu etablieren, war auch Dank eines zuverlässig arbeitenden Teams eine sehr gute Entscheidung“, resümiert Peter Ruppert.

In Klietz etabliert hat sich im zurückliegenden Jahr auch die Rettungswache auf dem Gelände der Kaserne am See, dazu demnächst mehr.