Jederitz l „Du bist die Polizei und kämpfst gegen Verbrecher. Und wenn ich mich verlaufe, bringst du mich nach Hause“, begrüßt ein Steppke gestern ganz kess Joachim Albrecht von der Polizeiinspektion Stendal. Der hat eine große Kiste Süßigkeiten in seinen Händen. Darauf sitzt ein Polizeiteddy. Die zweijährige Juna darf ihn nehmen und kuschelt sogleich mit ihm. Die anderen Mädchen und Jungen aus dem Kinderhaus in Jederitz kümmern sich erstmal um die Süßigkeiten. Doch dann zeigt Judy Richter einen größeren Karton. Darin sind noch mehr Teddys. Einer für jedes der sieben Kinder. Post haben die Gäste, die mit Blaulicht vor dem Kinderhaus gehalten haben, auch mitgebracht.

„Auch wir Polizisten haben Kinder aller Altersgruppen und wissen genau, was gerade so in euch vorgeht. Unseren Kindern, denen unserer Freunde und fast allen Kindern auf der Welt geht es nämlich genauso. Die können auch gerade nicht in die Kindergärten, Schulen, Schwimmbäder, Spielplätze und was es sonst noch so alles Tolles gibt. Auch sie bleiben daheim“, heißt es unter anderem darin. Und auch, dass die Polizisten den Kindern etwas Wichtiges sagen wollen: „Danke! Danke liebe Kinder, dass ihr für alle älteren und kranken Menschen gerade zu Hause bleibt. Das ist sehr wichtig. Ihr alle seid unsere kleinen Ritter/Schildmaide und Beschützer. Und das ist sehr tapfer und ehrbar von euch... Ihr seid unsere kleinen Helden und wir wünschen euch, dass ihr weiterhin so toll und tapfer durchhaltet. Wir denken dabei an euch!“

Sie hätte am liebsten allen Kindern im Kreis einen Teddy geschenkt, sagt Judy Richter. Da das nicht geht, hat sie sich vom Jugendamt Listen der Kinderheime mit kleinen Kindern geben lassen, um ihnen stellvertretend für alle Kinder, die in der Corona-Krise Opfer bringen müssen, dieses Geschenk zu machen. Besorgt hat die Teddys der Polizeiseelsorger Michael Kleemann. Die Kriminaloberkommissarin der Polizeiinspektion Stendal wird in zwei Monaten im Bereich Opferschutz tätig sein. Die Kinder sind auch Opfer, da hat sie dieses Projekt initiiert.

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Die Kinder im Kinderhaus Jederitz dürfen ihre Eltern aufgrund der Kontaktbeschränkungen derzeit nicht sehen. Normalerweise treffen sie sich 14-tägig oder einmal im Monat. Jetzt geht der Kontakt nur über Telefon, berichtet der Leiter Roberto Kleiner. Mit vier Mitarbeitern führt er das vor zwei Jahren gegründete Haus. „Jetzt haben wir eine 24-Stunden-Rund-um-Betreuung“, macht er darauf aufmerksam, dass die Kinder im Alter von 2 bis 13 Jahren aus den Landkreisen Stendal und Jerichower Land tagsüber normalerweise in der Schule oder im Kindergarten sind. Nun findet im Kinderhaus alles statt – wie in so vielen Familien derzeit auch. Schulaufgaben, Förderangebote, Spielen, Beschäftigen. Auch Essen wird zusammen gekocht. Da will sogar die Jüngste schon mit dabei sein.

„Wir gehen viel spazieren und spielen draußen“, erzählt Lea, die gerade ihren 11. Geburtstag gefeiert hat. Zu Hause. Denn als die Kontaktbeschränkungen kamen, war sie gerade dort. Seit Sonntag darf sie wieder im Kinderhaus sein. „Unsere Kinder brauchen viel Bewegung und wir sorgen auch für Kreativangebote“, sagt Erzieher Kevin Bünger. Auf dem Hof stehen ein Kletterturm und ein Trampolin. „Bälle können wir immer gebrauchen, denn wir haben schon halbe Fußballer hier.“ Spielzeug wird öfter von Leuten aus Jederitz spendiert. „Wir sind hier sehr gut angekommen und im Dorf integriert“, berichtet Roberto Kleiner. Die Ausflüge an Wochenenden nach Havelberg und Rathenow etwa oder zum beliebten Erdbeerhof vermissen die Kinder natürlich. Aber das Haveldorf bietet zum Glück viele Möglichkeiten, sich an der frischen Luft in der Natur zu bewegen.