Maler gründete private Akademie in Berlin

Carl Gussow wurde am 25. Februar 1843 als Zwilling mit seinem Bruder Friedrich in Havelberg geboren. Die Familie lebte an der Lehmkuhle. Sein Vater war als „Bau-Conducteur“ tätig. Bald nach der Geburt der Söhne zog er nach Brandenburg an der Havel, wo er als Stadtbaurat arbeitete.

Der junge Carl Gussow besuchte das Klostergymnasium in Zerbst und ging zur Ausbildung nach Weimar an die Kunstschule. Nach Studienreisen nach München 1867, wo er im Atelier des Historienmalers Piloty arbeitete, und Italien kehrte er nach Weimar zurück und übernahm dort 1870 eine Professur. Von 1874 bis 1876 wirkte er als Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe, von dort wechselte er an die Kunstakademie Berlin.

1880 stellte Gussow seine akademische Lehrtätigkeit ein und gründete in Berlin eine private Akademie, die vor allem Frauen besuchten, denn sie durften damals nicht studieren. Zu seinen heute bekanntesten Schülerinnen zählt Mete Fontane, die Tochter Theodor Fontanes.

1892 siedelte der Maler nach München über, wo er bis zu seinem Tod am 27. März 1907 in Neu-Pasing lebte.

Bilder von Carl Gussow befinden sich heute etwa in der Nationalgalerie in Berlin, in München und in Weimar sowie in Privatbesitz.

Havelberg l Wenn sich Jürgen Ostwald von der Fielmann AG im Havelberger Prignitz-Museum anmeldet, ist das stets ein gutes Zeichen. Dann hat er wieder ein Geschenk parat, das er dem Verein der Freunde und Förderer des Prignitz-Museums übergibt. Meist zusammen mit der Leiterin der Fielmann Niederlassung in Stendal, Monika Stengel. Am Dienstagabend war es wieder soweit. Museumsleiterin Antje Reichel begrüßte die beiden Gäste ebenso wie den Vorsitzenden des Fördervereins Harald Wildhagen. Dieses Mal hat Jürgen Ostwald ein Porträt ersteigert, das der gebürtige Havelberger Maler Carl Gussow während seiner Berliner Glanzzeit im Jahr 1886 gemalt hat.

Mit dabei hatte Jürgen Ostwald diverse Bücher über Theodor Fontane und dessen Tochter Martha, genannt Mete. Denn er vertritt die These, dass dieses Porträt Mete zeigt. „Fontane und Gussow kannten sich und Mete Fontane hat an der privaten Akademie bei Gussow Malerei studiert“, berichtete Jürgen Ostwald. Bilder, die die Tochter zeigen, lassen Ähnlichkeiten erkennen. Ob sie es tatsächlich ist, soll noch erforscht werden, sagte Antje Reichel.

Sie freut sich darüber, dass die Sammlung von Werken Havelberger Maler weiter wächst und dankt der Fielmann Stiftung sowie dem Förderverein, der die Schenkungen dem Prignitz-Museum als Dauerleihgabe überlässt. Nach einem ersten Gussow aus dem Jahre 1904, den die Stiftung im vorigen Sommer schenkte, gibt es nun ein weiteres Werk dieses Malers. Weitere sollen folgen. Im Herbst hatte Jürgen Ostwald Bilder der Maler Christian und Martin Wilberg übergeben, die ebenfalls im 19. Jahrhundert gewirkt hatten.

Restauration

„Wir verschenken alle Bilder wandfertig“, berichtet Jürgen Ostwald, dass er ersteigerte Bilder dem Vertragsrestaurator der Fielmann AG übergibt, damit es mindestens gereinigt wird. Sind Beschädigungen am Bild oder am Rahmen, restauriert der Fachmann das Werk. Die Fielmann Stiftung fördert seit über 20 Jahren kleinere und mittlere Museen und Archive, die keine großen Etats für Anschaffungen haben. Dafür ist Jürgen Ostwald etwa auf Kunstauktionen aktiv, um passende Werke zu finden. Für Havelberg will er die Sammlung von Bildern einheimischer Künstler erweitern.

Dabei hat er mit Louis Jacoby (1828 bis 1918) auch einen der bedeutendsten Kupferstecher im Blick. Zudem legt er sein Augenmerk auf Maler, die vor dem Ersten Weltkrieg zu Sommerkursen nach Havelberg gekommen sind. Dazu zählen Friedrich Kallmorgen aus Hamburg Altona und Hans Licht aus Berlin.

Irgendwann soll es eine Ausstellung mit all diesen Werken geben. Das Porträt von Carl Gussow können sich die Besucher des Vortrages vom Heimatverein, der am Donnerstag, 28. Februar, ab 18 Uhr über den Dom in Havelberg im Museum stattfindet, bereits anschauen.