Havelberg l Die mit Spendengeldern aus der Weihnachtsaktion des vorigen Jahres restaurierte Truhe steht jetzt im Museumseingang. Für den „Schatzkasten der Stadtkirche“ hatte der Verein „Freunde und Förderer des Prignitz-Museums“ im vorigen Jahr zu Weihnachten um Spenden gebeten, um die rund 400 Jahre alte schmiedeeiserne Truhe restaurieren lassen zu können. Seit kurzem ist sie nach den aufwendigen Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten zurück im Museum und steht im Empfangsbereich als Spendentruhe.

Seit Jahren verbindet der Verein seine Grüße zu Weihnachten und zum neuen Jahr mit einem Spendenaufruf, um Exponate aus der Sammlung des Museums restaurieren zu lassen. Für dieses Jahr wurden zwei Klingelbeutel aus der Havelberger Stadtkirche ausgewählt, die im nächsten Jahr 370 Jahre alt sind.

Glöckchen machten aufmerksam

„Klingelbeutel sind geradezu ein Sinnbild für den Einsatz des Einzelnen für seine Gemeinschaft: kleine, an Handgriffen oder langen Stäben befestigte Beutel, mit denen bei Gottesdiensten die Kollekte der Gemeinde eingesammelt wird“, schreibt der Vorsitzende des Fördervereins Harald Wildhagen einleitend im Spendenaufruf. Die zu restaurierenden Klingelbeutel wurden 1647 angefertigt und stammen aus der Havelberger Stadtkirche. „Das Museum hat in seiner Entstehungszeit eine Reihe solcher Sachen aus der Stadtkirche erhalten. Sicher in dem Bewusstsein, dass es hier gepflegt und restauriert wird“, berichtet Museologin und Vereinsmitglied Antje Reichel.

Bilder

Die Klingelbeutel bestehen aus Samt und sind innen mit Leder ausgekleidet. Ein Ring aus Messing mit einem Metall­einwurf hält sie offen. Kleine Glöckchen verliehen der Aufforderung zur Kollekte hörbar Ausdruck und gaben den Beuteln ihren Namen. Auf den Messingringen mit den verzierten Tüllen zur Aufnahme des Stabes stehen das Fertigungsjahr 1647 und die Namen der Gemeindemitglieder, die die Klingelbeutel bezahlt hatten. Zacharias Wegener ist auf dem einen deutlich zu lesen, auf dem anderen nur der Vorname Joachim. Gegeben hat es sie schon hundert Jahre vorher. Antje Reichel hat einen Text gefunden, in dem von „zwei Säckelein, die zur Sonntags- oder Festtagspredigt umgetragen wurden“, die Rede ist. Gesammelt wurden Almosen für Gebäude und Arme.

Beide Klingelbeutel müssen gereinigt und konserviert werden. Zudem gilt es, Schad- und Fehlstellen sowie gelöste Partien zu restaurieren. Die Mitglieder des Fördervereins freuen sich auf viele Spender, die das Vorhaben unterstützen.

Die Schatzkiste aus der Stadtkirche zeigt sich nun nach der Restaurierung in neuem alten Glanz. Sie stand über Jahrhunderte in der Sakristei und diente der sicheren Aufbewahrung von Geld und Dokumenten der Pfarrgemeinde St. Laurentius. Da es dort feucht und kalt war, war vor allem der Boden stark verrostet, so dass Löcher sichtbar wurden. Aber auch an anderen Stellen zeigte sich Rost.

Bevor der Restaurator seine Arbeit beginnen konnte, musste er zunächst die Schatzkiste öffnen. „Ein einfacher Dietrich reichte dafür nicht aus, das war schon eine spezielle Schließtechnik“, erklärt Antje Reichel. Der einst dafür vorhandene Schlüssel war nicht mehr da. Die Vermutung, er könnte in der Kiste liegen, bestätigte sich nicht. Ein neuer Schlüssel wurde angefertigt, der dafür sorgt, dass die sieben Zuhaltungen aufspringen.

In der Truhe gibt es noch eine extra Kassette. Am Truhendeckel befindet sich im Innern eine Schlossdeckplatte, die mit feiner durchbrochener Arbeit mit zwei stilisierten Pferden und Rankenwerk verziert ist. Die Truhe stammt aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. „Da war es für den Pfarrer ein Kunststück, das bisschen Habe zu sichern“, sagt Antje Reichel. Zugleich berichtet sie von einer ähnlichen Truhe, die einst im Rathaus der Dokumentenaufbewahrung diente. Sie kam in den 1930er Jahren ins Museum und wird in der stadtgeschichtlichen Ausstellung präsentiert. Aufgrund der Ähnlichkeit beider Truhen vermuten die Museologen, dass sie von einem Handwerker stammen.

Schatztruhe als Spendenbox

Auch die Schatzkiste der Stadtkirche wurde viele Jahre im Museum gezeigt. Wegen des durchgerosteten Bodens wurde sie 1998 in der erneuerten Dauerausstellung nicht mehr präsentiert. Nun ist sie wieder für jedermann sichtbar und erfüllt ihren Zweck als Schatzkiste. Denn die Spendenbox des Museums, in die Besucher gern Geld stecken, hat darin Platz gefunden.

 

Wer die Spendenaktion unterstützen möchte, kann Geld auf folgendes Konto bei der Kreissparkasse Stendal überweisen: IBAN: DE 6481 0505 5530 8000 4425, BIC: NOLADE21SDL